HOME

Umwelt in der Krise: Warum der Plastikmüll in den Weltmeeren uns alle angeht

Die meisten von uns sind guten Glaubens, dass unser Plastikmüll – auch wenn wir viel davon produzieren – in Deutschland immerhin entsprechend entsorgt wird. Was sollen wir denn mit dem Müll in den Meeren zu tun haben? Bei stern TV bekommen Sie die Antwort.

Die Vermüllung der Weltmeere, insbesondere durch Plastikabfall, nimmt dramatische Ausmaße an.

Die Vermüllung der Weltmeere, insbesondere durch Plastikabfall, nimmt dramatische Ausmaße an.

Ja, es ist reichlich Müll, den jeder von uns tagtäglich produziert. Und ob selbst verschuldet oder nicht, die vielen Verpackungen und Abfälle müssen entsprechend entsorgt werden. Zum Glück ist das hierzulande ja der Fall, denken wir uns beruhigt. So wie Familie Heft, die stern TV zum Wochenendeinkauf begleitet hat. Ein Einkauf ohne Plastik ist für eine vierköpfige Familie kaum möglich. Die Produkte bestehen teilweise mehr aus Verpackungen, als aus Lebensmittel. "Wenn man sich das im Einzelnen anguckt, möchte man sich gar nicht vorstellen, wie viel es in einem ganzen Jahr ist", sagt Mutter Heike Heft. Jeder Deutsche produziert jährlich 150 Kilogramm Plastik-Müll – mit anderen Materialien zusammengenommen sind es pro Person 800 Kilogramm Verpackungen.

Denkwürdige Bilder: So viel Müll machen unsere Lebensmittel
Mehr Verpackung als Schokobons

Mehr Verpackung als Schokobons

Ein Twitter-Foto zeigt in Plastik verpackte Lebensmittel in einem Supermarkt

Keine Plastiktüten an der Kasse, aber das komplette Gemüse in Plastik verpackt

Zwar hat Deutschland ein funktionierendes Entsorgungssystem – doch ob der vielen Meldungen dämmert uns langsam, dass es so nicht weitergehen kann: Trauminseln werden wegen Vermüllung für Touristen geschlossen, in Norwegen und Spanien verenden Wale an zu viel Plastik im Magen, Forscher schlagen Alarm, weil sogar in der Arktis schon Tonnen von Mikroplastikteilchen im Meer schwimmen.  Die EU will nun mit einem neuen Verbot von einigen Einweg-Plastik-Produkten die Meeresverschmutzung bekämpfen. Die deutsche Meeresbiologin Dr. Mareike Huhn will das auch – und dafür eine ganze Nation zum Umdenken bewegen. Als sie während einer Tauchreise in Indonesien feststellen musste, dass dort noch überhaupt kein Bewusstsein für Müll und Umweltverschmutzung besteht, fühlte sie sich berufen: Seit fünf Jahren setzt sie sich mit dem  Verein Banda Sea e.V. dafür ein, dass die Bewohner der Banda Sea-Inseln ihr Verhalten ändern, denn dort ist eines der artenreichsten Korallenriffe der Welt vom Plastikmüll bedroht. Mareike Huhn hat deshalb eine Art Müllabfuhr eingerichtet, sie zeigt den Menschen, wie Recycling funktioniert und unterrichtet die Kinder in Umweltbewusstsein.

Geisternetze töten Meeresbewohner, Mikroplastik schadet dem Mensch

Am Institut für Chemie und Biologie des Meeres der Universität Oldenburg fanden die Forscher jetzt sogar Mikroplastikteile – millimetergroße Plastikteile – im Meersalz, das als Speisesalz "Fleur de Sel" im Supermarkt verkauft wird.

Topmodel und "Let's-Dance"-Finalistin Barbara Meier engagiert sich in dem WWF-Projekt zur Bergung von so genannten Geisternetzen in der Ostsee, in denen unzählige Meerestiere und Vögel qualvoll verenden – ebenso, wie an anderen Plastikabfällen. "Es sollte jedem klar sein, dass Plastikabfall in jeder Form der Unterwasserwelt schadet", so Barbara Meier. Allein in der Ostsee gehen jährlich bis zu 10.000 Fischernetze oder Netzteile verloren.

Topmodel und "Let's-Dance"-Finalistin Barbara Meier engagiert sich in dem WWF-Projekt zur Bergung von so genannten Geisternetzen in der Ostsee, in denen unzählige Meerestiere und Vögel qualvoll verenden – ebenso, wie an anderen Plastikabfällen. "Es sollte jedem klar sein, dass Plastikabfall in jeder Form der Unterwasserwelt schadet", so Barbara Meier. Allein in der Ostsee gehen jährlich bis zu 10.000 Fischernetze oder Netzteile verloren.

Plastik braucht im Meer bis zu 200 Jahre, bis es sich zersetzt. Zum Problem wird es weitaus vorher. Deshalb engagiert sich Topmodel und "Let's Dance"-Finalistin Barbara Meier hier in Deutschland für ein Projekt des WWF, der alte Kunststoffnetze der Fischerei – die so genannten Geisternetze – aus dem Meer holen will. "Man hört zwar von Geisternetzen. Aber man kann sich schwer etwas darunter vorstellen: Wie sehen die unter Wasser aus, wo liegen sie, wie schwer ist es, sie zu bergen?", erzählt Barbara Meier. Deshalb habe sie sich an einem Tauchgang in der Ostsee selbst beteiligt. "Zu sehen, was das für ein riesen Aufwand ist, so ein Netz rauf zu holen, wie viel Menschen man braucht, zwei Boote, Taucher. Aber wenn man sieht, wie viel Müll da unten im Meer liegt, dann lohnt es sich bei jedem Netz, in dem sich keine Tiere mehr verfangen und die das Meer nicht mehr verschmutzen", so die 31-jährige "Germanys Next Topmodel"-Gewinnerin (2007).

Wie viele Netze als Geisternetze in den Meeren landen, kann nur geschätzt werden: Laut einer Studie des WWF gehen in der Ostsee jährlich bis zu 10.000 Netze und Netzteile verloren, die als Plastikmüll umhertreiben, auf dem Meeresboden landen und zur tödlichen Falle für Meeresbewohner werden. Greenpeace beziffert die Zahl auf bis zu 25.000 Fischernetze, die jedes Jahr neu in europäischen Meeren landen. Ihr Plastik zersetzt sich sehr langsam, was Hunderte Jahre dauern kann. "Mir tut es weh, zu sehen, wie wir die Umwelt immer mehr zerstören, oft aus Egoismus der Menschen", sagt Barbara Meier. "Deshalb habe ich mir gesagt: Wenn ich einen kleinen Teil dazu beitragen kann, dass die Umwelt wieder mehr geschützt wird und ich ihr was zurückgeben kann, dann tu ich das."

Auch uns Deutschen, die wir doch umweltbewusst erzogen sind, ist das Bemühen um Müllvermeidung seit den 80er-Jahren scheinbar wieder abhanden gekommen. Zeit, dass jeder seine eigene Müllproduktion mal kritisch überdenkt. Ein bisschen ist immer möglich – und ein guter Anfang.

So können auch Sie Müll vermeiden
Von allem weniger ist weniger Müll

Wer von allen Verbrauchsprodukten weniger verwendet und sie bewusster einsetzt, der verbraucht auch weniger – und somit produziert er auf Dauer weniger Verpackungsabfall. Sparen lässt sich vor allem bei Wasch- und Putzmitteln, Seifen, Shampoos oder Toilettenpapier. Davon verwenden wir gewohnheitsmäßig gerne mehr, als im jeweiligen Moment nötig wäre.

Minimalistischer leben

Brauchen wir wirklich all die Dinge, die wir haben oder wie selbstverständlich benutzen? Duftkerzen, Klosteine, Geschenkbänder, Dekoration auf dem Fensterbrett, Silvesterböller – viele dieser Dinge machen Müll, erfüllen aber einen zu geringen Zweck. Wer insgesamt bewusster und minimalistischer lebt, befreit sich und die Umwelt von Überflüssigem.

Second Hand

Nicht alles, was wir haben möchten oder brauchen, muss nagelneu sein. In Second Hand-Läden gibt es nicht nur Kleidung, sondern auch viele andere Dinge des täglichen Lebens, insbesondere bei Oxfam oder Läden der Diakonie, bei denen die Einnahmen noch einem guten Zweck zukommen. Dort kann man übrigens auch selbst Dinge abgeben, anstatt sie im Müll zu entsorgen. Und noch ein Tipp: Auch selbst Reparieren kann "alten" Dingen wieder neues Leben einhauchen.

Selber machen

Einige Produkte des täglichen Lebens lassen sich auch selbst herstellen, wie beispielsweise Seife oder Shampoo. Olga Witt verwendet dafür Mit Natron, Essig, Soda, Zitronensaft und ätherische Öle. Die Zutaten kann man sich in Apotheken und bei Großhändlern in größeren Mengen besorgen. Für Produkte wie Butter ist die Grundzutat meist im Hause. Unterm Strich verbraucht man dadurch weniger Verpackungen und erzeugt weniger Müll.

Einwegprodukte wieder verwenden

Viele Tüten, Papiere, Geschenkpapier und andere angebliche Einwegprodukte lassen sich ohne weiteres mehrfach verwenden.  Mit ein wenig Sorgfalt kann man sie säubern, sammeln und muss sie eben nicht wegschmeißen.

Großpackungen und -gebinde

Viele haltbare Produkte lassen sich in Großpackungen kaufen wie Waschmittel, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis etc. Die beste Quelle dafür sind Großhändler und das Internet, sowie die Geschäfte dieser Liste von Olga Witt.

Lieblingsgeschäfte

Zugegeben: Man muss einmal Zeit investieren, um herauszufinden, welche Geschäfte der Umgebung sich auf den Müllfrei-Deal mit Ihnen einlassen. Gute Chancen haben Sie in kleineren, inhabergeführten Geschäften. Etwa wenn es darum geht, lose Waren, Wurst oder Käse in mitgebrachten Dosen abzugeben.  Andere Lebensmittel wiederum lassen sich in eigenen Behältern auf Wochenmärkten, in Hofläden, beim Türken, Griechen oder chinesischen Supermarkt abfüllen.

Müllfreie Geschäfte

In einigen größeren Städten haben sich inzwischen verpackungsfreie Geschäfte etabliert, in denen das Selbstabfüllen sogar Konzept ist. So genannte Unverpackt-Läden. Hier hat Olga Witt eine Liste der Läden in Deutschland zusammengestellt.

Verbrauchsartikel ersetzen

Küchenrolle, Taschentücher, Servietten, Rasierer, Frischhaltefolien, Getränkeflaschen und viele Dinge mehr können leicht durch Gebrauchsgegenstände von längerer Lebensdauer ersetzt werden. 

Zweckentfremden

Ob Zeitungspapier zum Geschenke einwickeln oder alte Zahnbürsten zum Putzen – es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wofür wir Dinge einsetzen können, anstatt sie wegzuschmeißen. Das muss nicht immer schnöde aussehen oder einen Öko-Touch haben. Mit etwas Kreativität macht es Sinn und Laune.

Schränke mit System

Lebensmittel- und Kühlschrank sollten übersichtlich und nicht zu voll gestopft sein. Dadurch bleiben alle Vorräte im Blick und es muss möglichst nichts Verdorbenes weggeschmissen werden.

Wer auf Großverpackungen umsteigt und sich die meisten Waren ohnehin abfüllt, braucht dazu eine ordentliche Vorratskammer.

Auf kostenlose Mitnahmeprodukte verzichten

Ein Flyer hier ein Pröbchen dort, eine Serviette zum Kaffee – all diese Dinge können Sie sie eigentlich sparen, weil sie doch weggeschmissen werden. Bei kostenlosen Mitnahmeprodukten und "Geschenken" greifen wir zwar gerne zu, aber man kann eigentlich auch drauf verzichten, oder?

Von Profis lernen

Olga Witt – aus dem stern TV-Bericht – betreibt einen eigenen Blog mit vielen praktischen Tipps zum alltäglichen Leben ohne Verpackungen, dazu dreht sie Videos, bietet Workshops für Interessierte an und veranstaltet zusammen mit ihrem Mann Müllsammel-Sonntage.

Gegen den Verpackungsmüll von Discountern

In vielen Fällen würden wir Produkte genauso gerne kaufen, wenn sie weniger oder anders verpackt wären. Leider tragen gerade die großen Supermarktketten und Discounter dazu bei, dass unnötiger Verpackungsmüll entsteht, weil die Produkte falsch oder doppelt und dreifach verpackt sind. Die Deutsche Umwelthilfe hat eine Petition ins Leben gerufen, die sich an den Vorreiter Lidl wenden möchte.