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Umweltbewusstsein: So funktioniert ein Leben (fast) ohne Müll

Die Haushaltsführung von Olga und Gregor Witt ist durchaus bewundernswert: Das Paar will seit einem Jahr nahezu müllfrei leben. Tatsächlich haben sie für vieles inzwischen Mittel und Auswege gefunden. Das können wir von ihnen lernen.

Nur eine Handvoll Müll: In Olga Witts Mülleimer finden sich nur wenige kleine Schnipsel, die weggeschmissen werden müssen.

Nur eine Handvoll Müll: In Olga Witts Mülleimer finden sich nur wenige kleine Schnipsel, die weggeschmissen werden müssen.


Haarseife statt Shampoo, Natronpulver statt Zahnpasta, Kastanienextrakt statt Waschmittel: Um ein müllfreies Leben führen zu können, stellen Olga und Gregor Witt viele Alltags-Produkte einfach selbst her. "Die Welt um uns herum vermüllt immer mehr, es tut einfach weh, das zu sehen“, sagt Olga Witt. "Es gibt viele Menschen, die sagen, dass es auf eine Verpackung nicht ankommt. Aber es ist die Masse an Menschen und die Masse, die wir verbrauchen. Es ist so viel …"

Die 32-Jährige hat sich für ein Leben ohne Müll entschieden. Umweltbewusstsein war ihr schon immer wichtig, doch nun lebt sie für ihre "Mission müllfrei". Sie kündigte sogar ihren Job als Architektin, um sich ihrem Projekt ganz zu widmen. Mit Erfolg: Ihren Mülleimer müssen Olga Witt und ihr Mann Gregor nur alle paar Monate leeren, weil sie einfach keinen Verpackungsmüll haben. "Da ist zum Beispiel ein Sicherheitsverschluss einer Essigflasche, eine Käserinde aus Kunststoff oder eine Glühbirne. Aber mehr fällt bei uns so nicht an", zeigt Olga Witt dem Kamerateam in ihrer Küche. 

So können auch Sie Müll vermeiden
Von allem weniger ist weniger Müll

Wer von allen Verbrauchsprodukten weniger verwendet und sie bewusster einsetzt, der verbraucht auch weniger – und somit produziert er auf Dauer weniger Verpackungsabfall. Sparen lässt sich vor allem bei Wasch- und Putzmitteln, Seifen, Shampoos oder Toilettenpapier. Davon verwenden wir gewohnheitsmäßig gerne mehr, als im jeweiligen Moment nötig wäre.

Minimalistischer leben

Brauchen wir wirklich all die Dinge, die wir haben oder wie selbstverständlich benutzen? Duftkerzen, Klosteine, Geschenkbänder, Dekoration auf dem Fensterbrett, Silvesterböller – viele dieser Dinge machen Müll, erfüllen aber einen zu geringen Zweck. Wer insgesamt bewusster und minimalistischer lebt, befreit sich und die Umwelt von Überflüssigem.

Second Hand

Nicht alles, was wir haben möchten oder brauchen, muss nagelneu sein. In Second Hand-Läden gibt es nicht nur Kleidung, sondern auch viele andere Dinge des täglichen Lebens, insbesondere bei Oxfam oder Läden der Diakonie, bei denen die Einnahmen noch einem guten Zweck zukommen. Dort kann man übrigens auch selbst Dinge abgeben, anstatt sie im Müll zu entsorgen. Und noch ein Tipp: Auch selbst Reparieren kann "alten" Dingen wieder neues Leben einhauchen.

Selber machen

Einige Produkte des täglichen Lebens lassen sich auch selbst herstellen, wie beispielsweise Seife oder Shampoo. Olga Witt verwendet dafür Mit Natron, Essig, Soda, Zitronensaft und ätherische Öle. Die Zutaten kann man sich in Apotheken und bei Großhändlern in größeren Mengen besorgen. Für Produkte wie Butter ist die Grundzutat meist im Hause. Unterm Strich verbraucht man dadurch weniger Verpackungen und erzeugt weniger Müll.

Einwegprodukte wieder verwenden

Viele Tüten, Papiere, Geschenkpapier und andere angebliche Einwegprodukte lassen sich ohne weiteres mehrfach verwenden.  Mit ein wenig Sorgfalt kann man sie säubern, sammeln und muss sie eben nicht wegschmeißen.

Großpackungen und -gebinde

Viele haltbare Produkte lassen sich in Großpackungen kaufen wie Waschmittel, Mehl, Zucker, Nudeln, Reis etc. Die beste Quelle dafür sind Großhändler und das Internet, sowie die Geschäfte dieser Liste von Olga Witt.

Lieblingsgeschäfte

Zugegeben: Man muss einmal Zeit investieren, um herauszufinden, welche Geschäfte der Umgebung sich auf den Müllfrei-Deal mit Ihnen einlassen. Gute Chancen haben Sie in kleineren, inhabergeführten Geschäften. Etwa wenn es darum geht, lose Waren, Wurst oder Käse in mitgebrachten Dosen abzugeben.  Andere Lebensmittel wiederum lassen sich in eigenen Behältern auf Wochenmärkten, in Hofläden, beim Türken, Griechen oder chinesischen Supermarkt abfüllen.

Müllfreie Geschäfte

In einigen größeren Städten haben sich inzwischen verpackungsfreie Geschäfte etabliert, in denen das Selbstabfüllen sogar Konzept ist. So genannte Unverpackt-Läden. Hier hat Olga Witt eine Liste der Läden in Deutschland zusammengestellt.

Verbrauchsartikel ersetzen

Küchenrolle, Taschentücher, Servietten, Rasierer, Frischhaltefolien, Getränkeflaschen und viele Dinge mehr können leicht durch Gebrauchsgegenstände von längerer Lebensdauer ersetzt werden. 

Zweckentfremden

Ob Zeitungspapier zum Geschenke einwickeln oder alte Zahnbürsten zum Putzen – es gibt unendlich viele Möglichkeiten, wofür wir Dinge einsetzen können, anstatt sie wegzuschmeißen. Das muss nicht immer schnöde aussehen oder einen Öko-Touch haben. Mit etwas Kreativität macht es Sinn und Laune.

Schränke mit System

Lebensmittel- und Kühlschrank sollten übersichtlich und nicht zu voll gestopft sein. Dadurch bleiben alle Vorräte im Blick und es muss möglichst nichts Verdorbenes weggeschmissen werden.

Wer auf Großverpackungen umsteigt und sich die meisten Waren ohnehin abfüllt, braucht dazu eine ordentliche Vorratskammer.

Auf kostenlose Mitnahmeprodukte verzichten

Ein Flyer hier ein Pröbchen dort, eine Serviette zum Kaffee – all diese Dinge können Sie sie eigentlich sparen, weil sie doch weggeschmissen werden. Bei kostenlosen Mitnahmeprodukten und "Geschenken" greifen wir zwar gerne zu, aber man kann eigentlich auch drauf verzichten, oder?

Von Profis lernen

Olga Witt – aus dem stern TV-Bericht – betreibt einen eigenen Blog mit vielen praktischen Tipps zum alltäglichen Leben ohne Verpackungen, dazu dreht sie Videos, bietet Workshops für Interessierte an und veranstaltet zusammen mit ihrem Mann Müllsammel-Sonntage.

Gegen den Verpackungsmüll von Discountern

In vielen Fällen würden wir Produkte genauso gerne kaufen, wenn sie weniger oder anders verpackt wären. Leider tragen gerade die großen Supermarktketten und Discounter dazu bei, dass unnötiger Verpackungsmüll entsteht, weil die Produkte falsch oder doppelt und dreifach verpackt sind. Die Deutsche Umwelthilfe hat eine Petition ins Leben gerufen, die sich an den Vorreiter Lidl wenden möchte.


Verpackungsfrei im Supermarkt meist teurer

Beim Einkauf im Supermarkt wird es für Verbraucher allerdings schwierig, beispielsweise bei Käse, Fleisch oder Reis. Diese Dinge müssen fast überall aus hygienischen Gründen verpackt werden. In der Obst- und Gemüseabteilung ist verpackungsfrei Einkaufen kein Problem – solange man nicht die Bioprodukte bevorzugt. Denn die sind ausgerechnet in viel Plastik verpackt. Der Grund: An der Kasse muss zwischen konventioneller Ware und Bio unterschieden werden können, so der Marktleiter. Und: Unverpackte Zwiebeln sind auch noch teurer als Zwiebeln im Netz. Auch auf Milchprodukte in Pfandgläsern trifft das meistens zu: teurer. 

Drogerieartikel nach dem Baukastensystem

Im Gegensatz zu den Witts kommt jeder Deutsche deshalb schnell auf durchschnittlich 617 Kilogramm Hausmüll pro Jahr. Etwa durch die Verpackungen von Drogerieartikeln. Die Witts stellen selbst diese Produkte selbst her. Deo mischen sie beispielsweise aus Natron, Wasser und Duftöl zusammen – keine Verpackung und auch noch billiger. Mit diesem "Baukastensystem" stellt Olga Witt die meisten Drogerieartikel, Putz- und Spülmittel selbst her und füllt sie in Glasbehälter ab. Im Sommer bekommen Olga und Gregor Witt ihr erstes gemeinsames Kind. Die Windeln wird es natürlich nur aus Stoff geben.

Stellen Sie auch so manches Hausmittel selbst her? Oder haben Sie hilfreiche Tipps, wie sich mit Selbstgemachtem Müll vermeiden lässt? Dann schreiben Sie uns an selbstgemacht@sterntv.de