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Beim Fotografieren auf einem Berg: 30-Jähriger überlebt Blitzschlag: "Als würde man von innen verbrennen"

Eigentlich wollte er nur die spektakuläre Aussicht fotografieren. Doch in dem Augenblick, als Mathias Steinhuber auf den Auslöser drückte, wurde er von einem Blitzschlag getroffen. Er überlebte schwer verletzt. Bei stern TV erzählt er die ganze Geschichte dahinter.

Während einer Wanderung auf dem Kalifornischen "Pacific Crest" wurde Mathias Steinhuber von einem Blitz getroffen.

Während einer Wanderung auf dem Kalifornischen "Pacific Crest" wurde Mathias Steinhuber von einem Blitz getroffen.

Als Mathias Steinhuber auf den Hügel in 2.700 Metern Höhe kletterte, wollte er eigentlich nur die sensationelle Aussicht fotografieren. Es ist August, das Wetter ist eigentlich gut. Der 30-Jährige ist mit seiner Freundin und einer Bekannten aus den USA auf dem Pacific Trail in Kalifornien unterwegs. Steinhuber läuft ein Stück voran auf einen Hügel abseits des Weges. Als er gerade ein Foto macht, kracht es urplötzlich! Ein Blitz trifft den Lehrer am Hinterkopf, zerfetzt seine Kleidung. Zurück seien nur Rauch und Funken geblieben, erzählt seine Freundin Kathrin Klausner, die die Explosion aus der Entfernung mit ansehen musste. "Das war ein Riesen-Knall, ich dachte, der ist explodiert, ganz ehrlich. Es hat ausgesehen wie in einem Film!"

"Ich dachte, der ist tot. Der muss tot sein!"

Bis dahin hatte das Paar aus Innsbruck eine Traumreise erlebt. Auch die Wanderung starteten die Drei bei Sonnenschein und angenehm warmen Temperaturen. Im Tagesverlauf zogen Wolken auf. "Mir war bewusst, dass uns das Wetter einholen könnte, deshalb wollte noch schnell auf den Hügel rauf", erzählt Steinhuber. Mit einer Höhe von 2.728 Metern ist der Tinkers Knob der höchste Gipfel im Umkreis vieler Kilometer. Er lief voran, kraxelte auf den Berg und machte auf dem Gipfel mehrere Fotos von der Umgebung, während die elektrische Ladung der Luft über dem Hügel immer weiter zunahm. Als er um 13:40 Uhr ein letztes Mal auf den Auslöser seiner Smartphone-Kamera drückte, passierte es: Mathias Steinhuber wird von 40 Millionen Volt getroffen, die sich binnen Millisekunden an seinem Körper entladen. Der 30-Jährige fiel bewusstlos um, während die beiden Frauen die Explosion aus 100 Meter Entfernung mit ansahen. Kathrin Klausners erster Impuls: hin zu ihm! Da schlug gleich neben ihr ein weiterer Blitz ein. Als sie die Notrufnummer wählte, erfuhr sie, dass der Rettungshelikopter eine gute halbe Stunde brauchen würde. "Die von 911 haben dann gesagt, wir sollen auf keinen Fall hochgehen, sondern eine Hockposition einnehmen."

Der Wanderschuh von Mathias Steinhuber wurde vom Blitz vollkommen zerfetzt.

Der Wanderschuh von Mathias Steinhuber wurde vom Blitz vollkommen zerfetzt.

20 Minuten lang glaubte Kathrin Klausner, ihr Freund sei nicht mehr zu retten. "Ich dachte, der ist tot. der muss tot sein!" Immer wieder rief sie seinen Namen. Als Mathias Steinhuber zu sich kam, glaubte er zunächst abgestürzt zu sein. "Dann habe ich es geschafft, mich irgendwie aufzusetzen. Und habe Kathrin 100 Meter unter mir gesehen und dachte: Das macht keinen Sinn!", erzählt er.  Seine Freundin schrie, er sei vom Blitz getroffen worden und solle sich still hinlegen. Doch Mathias Steinhuber begriff nicht. 'Was ist passiert?', habe er immer und immer wieder gefragt. Der 30-Jährige war schwer verletzt, verwirrt – doch er lebte. Erst während der Luftrettung realisierte Mathias Steinhuber, was geschehen war – und damit auch seine Schmerzen: "Es hat sich angefühlt, als wenn alle Knochen im Körper gebrochen wären und man von innen verbrennt. Es war alles gleichzeitig: Brennen, Stechen, es tat so weh!" Im Krankenhaus in Sacramento stellten die Ärzte mehrere schwere Verbrennungen fest: am Rücken, an den Armen und vor allem an den Füßen, so dass Mathias Steinhuber nur unter größten Schmerzen gehen konnte. Am Kopf hatte der Blitz eine sieben Zentimeter lange Narbe hinterlassen. Seine Nerven spielten verrückt, doch die Organe waren alle gesund. Immerhin: Nach einer Woche konnte Steinhuber mit seiner Freundin nach Hause fliegen.

Körperwiderstand rettete ihm das Leben

Amerikanische Forscher des "National Lightning Detection Network" konnten im Nachhinein feststellen, dass der Blitz, der Mathias Steinhuber am 22. August mittags auf dem Tinkers Knob traf, eine Stromstärke von etwa 78.000 Ampere hatte. Zum Vergleich: Eine übliche Haushaltssicherung fliegt bereits bei 16 Ampere raus.

In Deutschland werden jedes Jahr circa 30 Menschen direkt von Blitzen getroffen; etwa Dreiviertel aller Blitzopfer überleben das sogar. Gerade bei besonders starken Blitzen sei die Todesrate eher gering, erklärt der Blitzforscher Christian Paul. "Wenn der Stromwert eines Blitzes hoch genug ist, springt er vom Körper ab." Bei einem Blitzschlag bietet der menschliche Körper für den Blitz – physikalisch gesehen – einen Widerstand von etwa 500 Ohm, den der Blitz ab einer gewissen Stärke umgeht und somit nicht durch den Körper, sondern an ihm entlang fließt. Bei Mathias Steinhuber ist die Feuchtigkeit am Körper, sein Schweiß, durch die enorme Hitze quasi explodiert und zerfetzte seine Kleidung, riss seinen Schuh der Länge nach auf. Sein Hosenknopf brannte sich in die Haut ein.

Der Innsbrucker war über einen Monat lang in einem Reha-Zentrum in Innsbruck in Behandlung, insbesondere das Gehen bereitete ihm Probleme: "Es ist, als wenn man über heißen Asphalt läuft und einem dann einer mit Anlauf voll auf die Zehen springt. Das trifft es ganz gut." Doch der 30-Jährige macht Fortschritte. Woche für Woche. Er hat den Blitzschlag überlebt und kann wieder fast gesund werden. Und: Sein Handy hat das Foto dieses Augenblicks tatsächlich gespeichert. Vom Blitz getroffen wurden schon viele – ein Fotodokument von dem eigenen Einschlag zu haben, ist aber weltweit wohl einmalig.



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