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Fragen & Antworten

Voraussetzungen, Qualifizierung, Bewerbung: So kann der Quereinstieg in den Lehrerberuf gelingen

Lehrer werden, nach Jahren in einem anderen Beruf? Beim derzeitigen Lehrermangel in Deutschland ist der Quereinstieg durchaus möglich. Allerdings sollte man bestimmte Voraussetzungen schon erfüllen, um in diesem Job bestehen zu können. Das sollten Sie über den Quer- und Seiteneinstieg wissen.

Die Lehrerausbildung ist ein jahrelanger Weg mit zwei Staatsexamen. Während des Lehramtsstudiums werden neben inhaltlichen Fachkenntnissen in den zwei gewählten Unterrichtsfächern auch didaktische und erziehungswissenschaftliche Inhalte vermittelt. Das Studium wird (nach Bachelor und Master) mit dem ersten Staatsexamen abgeschlossen. Anschließend absolvieren angehende Lehrer an einer Schule den Vorbereitungsdienst, der als Referendariat bezeichnet wird. Am Ende des Referendariats legen sie die Prüfung zum zweiten Staatsexamen ab.

Bei Lehrern ohne diese klassische Ausbildungslaufbahn unterscheidet man zwischen und Seiteneinsteigern. Letztere können weder ein Lehramtsstudium noch ein Referendariat vorweisen, sie bringen also keinerlei pädagogische Vorbildung mit. Seiteneinsteiger kommen in der Regel direkt aus ihrem Beruf an die Schule und müssen zusätzliche Qualifizierungsmaßnahmen, insbesondere in puncto Pädagogik, durchlaufen. Sie werden in der Regel in befristeten Stellen oder in Vertretung eingesetzt. Anders ist es bei den Quereinsteigern: Sie haben zwar ebenfalls ursprünglich nicht auf Lehramt studiert, absolvieren aber trotzdem ein Referendariat – und haben somit durchaus Chancen auf eine Lehrerlaufbahn. Unter Umständen auch mit Verbeamtung.


Welche Voraussetzungen braucht man für einen Quereinstieg in den Lehrerberuf?

Man sollte studiert haben und einen Masterabschluss in einem gerade gesuchten Fach nachweisen. In vielen Fällen sind das die Fächer der Sprachen, Hauptfächer wie Deutsch und Mathematik; an weiterführenden Schulen sind es derzeit häufig die so genannten MINT-Fächer: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Darüber hinaus sollte man in einem zweiten Fach ausreichende fachliche Kenntnisse mitbringen und nachweisen können – etwa einen Bachelorabschluss oder eine Zwischenprüfung. In mindestens einem dieser beiden Fachbereiche sollte man mehrjährige Berufserfahrung mitbringen, idealerweise in dem ausschlaggebenden Fach. Je nach Bundesland unterscheiden sich die noch einmal, eine Übersicht finden Sie weiter unten. Einige Bundesländer senken die Hürden derzeit und bieten in speziellen Programmen Qualifizierungsmaßnahmen, um auch Seiteneinsteigern bessere Zugangsmöglichkeiten zu eröffnen. 

Kann man auch ohne Studium Lehrer werden?

Bundesweite Voraussetzung ist zumindest ein universitärer Master oder vergleichbarer Hochschulabschluss – und eine fachliche Qualifikation bzw. Berufstätigkeit. Wer das (noch) nicht hat, sollte eine Qualifizierungsmaßnahme zu mindestens einem schulischen Fach machen. Durch ein berufsbegleitendes Studium muss dann die für ein 2. Lehramtsfach erworben werden.

Gibt es eine Altersbeschränkung?

Nein. Zwar gibt es in der Regel für die Verbeamtung eine Altersgrenze, für eine Beschäftigung im Tarifbeschäftigungsverhältnis aber nicht. Kurz vor der Rente sollte man allerdings auch nicht gerade stehen.

Ich erfülle die Voraussetzungen soweit: Wie läuft der Quereinstieg konkret ab?

Wenn Sie die geforderten Qualifikationen nachweisen können, können Sie sich auf eine Stelle bewerben. Eine Übersicht über die Ausschreibungen der einzelnen Länder finden Sie hier.

Quereinsteiger starten direkt mit dem Vorbereitungsdienst, sprich: dem Referendariat an einer Schule. Das dauert in der Regel 18-24 Monate. Sie erleben den Lehreralltag und sammeln erste praktische Erfahrungen in Unterrichtseinheiten. Zusätzlich werden Sie als angehender Lehrer an speziellen Ausbildungszentren im Umgang mit Schülern, der Notengebung und der Unterrichtsgestaltung geschult. Die fehlende Pädagogik müssen Sie also noch erlernen. Den Vorbereitungsdienst schließen Sie nach anderthalb bis zwei Jahren mit der Prüfung zum zweiten Staatsexamen ab.

Ausführliche Informationen über Voraussetzungen, Möglichkeiten und Wege erhalten Sie auf der Internetseite des "Deutschen Bildungsservers". 

Welche Chancen hat man derzeit überhaupt als Quereinsteiger?

Zu Beginn des letzten Schuljahres mangelte es vor allem in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen an Lehrkräften. Auch in Berlin waren zahlreiche Stellen offen, die zum Schulstart zum Glück noch besetzt werden konnten – und zwar mit Quereinsteigern: Somit sind 40 Prozent der neuen Lehrkräfte in der Hauptstadt jetzt Quereinsteiger, in Sachsen sind es 52 Prozent und in Brandenburg 36 Prozent.

Da weiterhin akuter Lehrermangel herrschen wird, stehen die Chancen auch in den nächsten Jahren nicht schlecht: Eine aktuelle Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt zu dem Ergebnis, dass es bis 2025 rund 1,1 Millionen mehr Schüler in geben wird, als die Kultusministerkonferenz erwartet hat.

Das bedeutet: Es fehlen mehr als 50.000 Lehrer, fast 25.000 zusätzliche für die Grundschulen und 27.000 für die weiterführenden Schulen.

In welchem Bundesland gelten welche Voraussetzungen?

Die Voraussetzungen, Einstellungsverfahren und Möglichkeiten sind je nach Bundesland verschieden. Auf der Seite des "Deutschen Bildungsservers" finden Sie Informationen, wie Quer- oder auch Seiteneinstiege in den einzelnen Bundesländern derzeit geregelt sind.

Wo kann ich mich nach verfügbaren Stellen erkundigen?

Wenn Sie die geforderten Qualifikationen nachweisen können, können Sie sich auf eine Stelle bewerben. Eine Übersicht über die Ausschreibungen der einzelnen Länder finden Sie hier. 

Was kommt mit dem Lehrerberuf auf mich zu?

Wichtig ist, dass Sie den Lehrerberuf nicht als Notnagel sehen. Nicht jeder Mensch ist dafür gemacht, Kindern und jungen Menschen Inhalte altersgerecht zu vermitteln. Auch die pädagogischen Anforderungen sind nicht zu unterschätzen, zudem viele Schüler der kommenden Jahrgänge erst die deutsche Sprache und Kultur erlernen müssen und/oder aus schwierigen Verhältnissen kommen. Zudem ist Arbeitsbelastung für Quereinsteiger am Anfang hoch: Unterricht methodisch planen und durchführen, Hefte durchsehen, Klassenarbeiten konzipieren, Klausuren korrigieren, Lernziele erreichen – all das kostet Ungeübte unglaublich viel Zeit und Energie. Weitere Arbeitsbereiche wie Konferenzen, zeitaufwändige oder schwierige Elterngespräche, Zusatzengagements im Lehrerteam oder auch Schulentwicklungsarbeit gehören ebenso zum Job und sind für viele Quereinsteiger unterschätzte Zusatzbelastungen.