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Fleischlieferant von McDonald's: Schockierende Bilder aus einem Schlachthof erschüttern Burger-Fans

Aktivisten von "Soko Tierschutz" haben stern TV Aufnahmen aus einem Schlachthof zugespielt, die massive Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung dokumentieren. Den Rindern wurde dort wiederholt unnötiges Leid zugefügt. Erschütternd: Der Fleischlieferant produziert für McDonald's.

Wenn wir schon Tiere für unsere Nahrung schlachten, dann doch wenigstens so, dass sie nicht leiden. Diesen Satz würde jeder Fleischesser unterschreiben. Und auch die Gesetze schreiben vor, wie die Tiere im Schlachthof behandelt werden sollten, um ihnen unnötiges Leid zu ersparen. Wenn Rinder bei unzureichender Betäubung zum Entbluten an den Haken gehängt werden, ist das nicht vorgesehen. Auch nicht, dass die Tiere mit Elektrotreibern an empfindlichen Körperstellen malträtiert oder besonderer Gewalt ausgesetzt werden. Doch ebensolche Vorgänge haben Aktivisten von Soko Tierschutz in einem OSI-Schlachthof in Tauberbischofsheim dokumentiert. OSI ist ein international agierender Fleischlieferant, von dem McDonald's exklusiv die Burger-Patties für deutsche Filialen bezieht.

Mehr Produktionsdruck – schlechtere Zustände?

Die Aufnahmen der Tierschützer zeigen, wie Mitarbeiter des Schlachthofs wiederholt gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung verstoßen und die Rinder vor der Schlachtung quälen. "Schlimmere Bilder kann man sich nicht vorstellen. Aus meiner Sicht müsste man die Schlachtung dort sofort einstellen und das Personal austauschen", beurteilt Dr. Kai Braunmiller, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Fleischhygiene, Tierschutz und Verbraucherschutz, die Aufnahmen. Tierschützer Friedrich Mülln prangert die Zustände in deutschen Schlachthöfen insgesamt an: "Das ist jetzt die vierte Aufdeckung von Soko Tierschutz innerhalb von einem Jahr. Die Zustände sind katastrophal. Schlachthöfe in Deutschland sind ein rechtsfreier Raum und ein Totalversagen des gesamten Systems", so der Vereinsgründer von Soko Tierschutz. Es stimmt, dass immer wieder Verstöße gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung bekannt werden, zuletzt deckten die Tierschützer Missstände in einem Schlachthof in Düren auf, von dem McDonald's ebenfalls Fleisch bezog.

Der Schlachthof in Tauberbischofsheim gehört seit gut einem Jahr zu OSI, dem Exklusivlieferanten der Fastfood-Kette McDonald’s. Ein Mitarbeiter, der schon seit Jahren in dem Schlachthof arbeitet, berichtet von sich seitdem verschlechternden Zuständen: "Wenn mehr geschlachtet wird, dann ist auch mehr Druck da. Das Tier ist gestresst, die Arbeiter sind gestresst, und dann kommen eben solche Dinge zustande, dass es mit dem Bolzenschuss nicht klappt, und dass die Tiere aufgehängt werden, obwohl sie nicht betäubt sind", so der Insider, der unerkannt bleiben will. "Die Arbeiter müssen sehen, dass sie im Zeittakt bleiben, sonst läuft das Band ja quasi leer."

Veterinäramt schließt nach stern TV-Recherche Schlachthof von McDonald’s-Zulieferer

Bei einem Dreh am betreffenden Schlachthof traf das stern TV-Team am Montag auf den Europachef von Betreiber OSI, Erik Schöttl, der vor Ort aber nichts Konkretes zu den Aufnahmen sagen wollte. In einer darauffolgenden schriftlichen Stellungnahme teilte das Unternehmen mit: Wir haben Hinweise auf eine exzessive Elektrotreiber-Nutzung und unangemessene Treiber-Platzierung. Außerdem haben wir Fälle gesehen, bei denen der generelle Umgang von Mitarbeitern mit Tieren entweder nicht angemessen oder ineffektiv war.

stern TV hatte auch das zuständige Veterinäramt des Main-Tauber-Kreises informiert und McDonald's die Aufnahmen, die an mehreren Tagen im Januar in dem Schlachthof in Tauberbischofsheim entstanden waren, im Vorfeld der Ausstrahlung mit der Bitte um Stellungnahme gezeigt. McDonald’s kündigte daraufhin an, die Missstände aktiv aufzuklären und den Fleischbezug durch den betreffenden Schlachthof einzustellen. Die uns vorgelegten Aufnahmen aus dem Schlachthof beinhalten auch aus unserer Sicht gravierende Verfehlungen in dem Schlachtbetrieb. Dies ist für uns nicht akzeptabel. Wir haben den Bezug von Fleisch von besagtem Schlachthof unmittelbar nach Kenntnis der Vorwürfe bis auf Weiteres einstellen lassen, erklärte das Unternehmen schriftlich. 

Laut Veterinäramt wurde die sofortige Schließung des Schlachthofs Tauberbischofsheim verfügt. Abgesehen von bereits auf dem Schlachthof angelieferten Tieren dürfen dort keine Tiere mehr angenommen und geschlachtet werden, schrieb das Landratsamt Main-Tauber-Kreis. Diese Regelung gelte so lange, bis der Betreiber einen entsprechenden Maßnahmenkatalog vorlege und die Umsetzung durch das Veterinäramt überprüft werde.

Inwiefern das in Zukunft eine Besserung bewirkt, ist fraglich – die Aufnahmen mit den schweren Verstößen gegen die Tierschutz-Schlachtverordnung waren ebenfalls unter Aufsicht amtlich bestellter Veterinäre entstanden. Auch das zeigen die Bilder der Tierschützer. 


Rindfleisch- und Burger-Fakten

Bei Mastrindern handelt es sich hauptsächlich um Jungbullen, also um nicht kastrierte männliche Rinder. Einen wesentlich kleineren Anteil an der Fleischproduktion haben Tiere aus der Kälbermast, der Ochsenmast und der Milchviehhaltung.

Die Mastzeit der Rinder beträgt durchschnittlich anderthalb Jahre, wobei die Tiere mit einem Gewicht von gut 700-750 Kilogramm zur Schlachtbank geführt werden.

Ausgemusterte Milchkühen werden meist zu Hackfleisch verarbeitet, sie haben einen Anteil von etwa einem Drittel an unserem Hack. Nach eigenen Angaben verarbeiten die McDonald's-Lieferanten "überwiegend das Fleisch von Milchkühen".

Von den gut 12 Millionen Rindern, die in Deutschland leben, werden jährlich mehr als 3 Millionen Tiere geschlachtet.*

Insgesamt werden in Deutschland pro Jahr über eine Million Tonnen Rind- und Kalbfleisch zum Verzehr verarbeitet.*

Ein 700 Kilogramm schweres Rind ergibt etwa 1500 Burger-Patties.

Bei McDonald's landen jedes Jahr etwa 40.000 Tonnen Rind, wofür rund 50.000 Rinder geschlachtet werden müssen. Nach eigenen Angaben stammen 93 Prozent aus Deutschland.

Allein in Deutschland gibt es knapp 1.500 McDonald's-Filialen. 


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