HOME

Wildtiere in Gefahr: Doppelte Population: Warum viele verwaiste Igel vor dem Winterschlaf unsere Hilfe brauchen

Unsere heimischen Igel haben in diesem warmen Jahr gleich zwei Mal Nachwuchs bekommen. Das Problem: Die Baby-Igel finden kaum genug Futter, um sich den nötigen Winterspeck anzufressen. stern TV zeigt, wie wir in Not geratenen Igelchen sinnvoll helfen.

So niedlich! Dieses kleine Igel-Kind wird von Jennifer Kaniewski in ihrer privaten Igel-Auffangstation wieder aufgepeppelt.

So niedlich! Dieses kleine Igel-Kind wird von Jennifer Kaniewski in ihrer privaten Igel-Auffangstation wieder aufgepeppelt.

Zahlreiche Videos und Fotos unserer Zuschauer zeugen davon, wie viele junge Igel derzeit auf Futtersuche sind. Unsere heimischen Igel haben in diesem Jahr wegen des warmen Wetters im Herbst noch einmal Nachwuchs bekommen. Die Herbst-Igelkinder sind erste vor wenigen Wochen zur Welt gekommen und sind noch anfällig und schwach. Die meisten Jungtiere dieses Wurfs werden es womöglich nicht über den Winter schaffen, denn es wird eigentlich höchste Zeit, sich jetzt den Speck für ihren Winterschlaf anzufuttern und sich dann im Wortsinne irgendwo einzuigeln.

Kleine Igel müssen dringend noch zunehmen

Vor allem die Kleinen sind nun auf menschliche Hilfe angewiesen, denn sie finden kaum noch genug zu Fressen. Damit ein junger Igel den Winterschlaf gut übersteht, muss er mindestens 600 Gramm auf die Waage bringen. Viele der kleinen Igel wiegen im Moment nicht einmal 100 Gramm. Ein junger Igel kann aber höchsten 10 Gramm pro Tag zunehmen, sagt Dr. Kirsten Tönnies. Die Tierärztin aus Hattersheim am Main ist auf Wildtiere spezialisiert. Momentan werden ihr zahlreiche Igel in die Praxis gebracht, die sie kostenlos behandelt. Und sie gibt den Menschen Tipps, wie sie einen Igel daheim richtig versorgten. "Igel fressen Hunde- und Katzenfutter aus der Dose oder Insekten", so die Tierärztin. "Zu trinken darf man ihnen nur Wasser in einer Schale hinstellen. Aber keinesfalls Milch, Obst oder Getreide geben!" Falls ein Tier Zecken hat, lassen sich diese selbst mit einer Zange entfernen. Man solle aber keine chemische Floh-Kur verwenden, da die für Igel gefährlich ist, sagt Kirsten Tönnies.

stern TV traf auch Jennifer Kaniewski, die bei sich zu Hause eine private Igel-Auffangstation betreibt und dort momentan 14 Igel beherbergt und aufpeppelt, um sie möglichst noch rechtzeitig in der Natur wieder auszusetzen. Die 27-jährige Hochschulsekretärin nimmt Notfälle bei sich auf und darf sie in Absprache mit Tiermedizinern sogar professionell verarzten. Ihr Fachwissen hat sie sich selbst angeeignet, nachdem sie durch einen Zufall selbst zur Igelmutter wurde: "Ich habe 2016 meinen ersten Igel bei uns vor der Haustür gefunden. Ich war damit erstmal total überfordert, wie glaube ich jeder Finder eines kranken Igels. Danach dachte ich: Wenn mir das nochmal passiert, will ich besser vorbereitet sein."

Schwachen und kranken Igeln ein Winterquartier geben

Die Igel-Auffangstationen und Wildtierhilfen haben momentan alle Hände voll zu tun, denn es werden ungewöhnlich viele kleine und schwache Igel aufgelesen. Denn: Auch die Unterschlupfmöglichkeiten sind bei doppelt so vielen Tieren in diesem Jahr knapp. Wenn der erste Frost kommt, brauchen die Igel ein Heim für den Winterschlaf. Wer vorsorglich helfen will, lässt Laubhaufen und anderen Baumschnitt am besten über den Winter liegen. Tiere die unter 600 Gramm wiegen, brauchen menschliche Hilfe über den Winter, zum Beispiel in einem Nagerkäfig mit einem Unterschlupf oder in einem Schuhkarton mit Zeitungspapier. Wer keinen Platz hat, sollte sich an eine Wildtier- oder eine Igel-Hilfe wenden.

Jennifer Kaniewski ist mittlerweile Profi in Sachen Igel-Notversorgung und bietet sogar ein kostenloses Info-Telefon an (0800 723 57 50). Da sich die Igel-Pflegestellen untereinander gut kennen, können über das Notfalltelefon bundesweit Igel weitervermittelt werden. Wenn es den Igeln dann wieder gut geht, entlässt die 27-Jährige die Igel wieder in die Natur – spätestens nach ihrem Winterschlaf. Auch Dr. Tönnies sagt: "Igel sind keine Heimtiere, Igel gehören immer wieder raus in die Natur, es sei denn sie sind sehr schwer verletzt."

Aktuelle Igel-Pflegestellen

Aktuelle Anlaufstellen können Sie bundesweit über diese Karte finden oder über die Liste dieser Facebook-Seite. Weitere Anlaufstellen finden Sie im Kasten weiter unten.


Themen in diesem Artikel