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China-Shopping: Wie gut funktioniert der smarte Einkauf über die "Wish"-App wirklich?

Fast unbemerkt hat sich unter Online-Shoppern ein Konkurrent zu Amazon und Ebay etabliert: Die App "Wish" erfreut sich auch in Deutschland wachsender Beliebtheit. Aber was taugen die Schnäppchen, die größtenteils aus China stammen? Und welche Gefahren birgt der Kauf über "Wish" auch?

Bestellung per Click in China: Die App "Wish" erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Online-Shoppern.

Bestellung per Click in China: Die App "Wish" erfreut sich wachsender Beliebtheit bei Online-Shoppern.

Turnschuhe für vier Euro, eine Smartwatch für acht oder ein Tablet für unter 50 Euro - das sind Preise, die die Herzen von Schnäppchenjägern höher schlagen lassen. Die "Wish"-App macht es möglich. Dass Qualität und Haltbarkeit der Produkte, von denen die meisten direkt aus China kommen, eher gering ist, stört scheinbar nur wenige. Auch die Wartezeit von teils mehreren Wochen und der extra berechnete Versand schrecken nicht ab. Denn "Wish" rangiert derzeit in den Download-Charts aller Apps auf den vorderen Rängen. Sie wurde allein hierzulande schon eine Million Mal heruntergeladen.

Nutzer von Wish sollen möglichst schnell zum Kauf verführt werden

stern TV-IT-Experte Tobias Schrödel kennt die Wish-App und weiß, warum der Kauf auf dieser Plattform so verlockend ist. Mit unglaublichen Rabatten, einem tickenden Timer und angeblich wenigen verfügbaren Produkten würden Kunden verführt. "Man soll möglichst schnell klicken und kaufen, ohne lange darüber nachzudenken", so Schrödel. "Da gibt es Produkte, die früher angeblich 1050 Euro gekostet haben, und da gibt es das dann für 23 Euro. das sind absurde Zahlen, die so ein Produkt auf dem Markt wahrscheinlich niemals gekostet hat." Wish selbst hat dafür sogar eine Erklärung: Wish repräsentiert, gewährleistet oder garantiert nicht, dass der Händler den Artikel tatsächlich zum durchgestrichenen Preis angeboten oder verkauft hat, schreibt das Unternehmen.

Fehlkäufe bleiben jedoch nicht aus: Enttäuschte Kunden berichten von "Schrott", minderwertigen Materialien, ausdünstenden Gerüchen. Wer unzufrieden ist, sollte sich den Rückversand allerdings gut überlegen, denn der Käufer zahlt das Porto und eventuelle Zusatzgebühren dann ein zweites Mal selbst. Laut Verbraucherschützer Peter Lassek von der Verbraucherzentrale Hessen sei die Umlage dieser Kosten zwar rechtens, er kritisiert allerdings die Gewährleistungsfrist von nur 30 Tagen bei Wish-Bestellungen. "Das deutsche Recht sieht eine Gewährleistungsfrist von mindestens zwei Jahren vor. Wish versucht sich damit rauszureden, dass sie nur der Vermittler sind, und nicht der eigentliche Vertragspartner."

Intransparent bei Händlern und Zusatzgebühren

stern TV wollte wissen: Was taugen die Schnäppchen, die man über "Wish" bestellt, wirklich? Tobias Schrödel hat es in einer Stichprobe für uns getestet und über Wish eingekauft: ein Tablet für 175 Euro, eine Smartwatch für 19 Euro, eine Actioncam für 34 Euro und einen Autostaubsauger für 18 Euro. Für jedes Produkt werden Versandkosten zwischen fünf und 11 Euro berechnet. Lieferzeit: circa vier Wochen. "Damit muss ich natürlich leben, wenn ich solche Schnäppchen mache. Aber bezahlt wird auch ganz einfach: Ein "Wisch" und das Ding ist erledigt."

Wer genau der Händler ist, erfährt der Kunde beim Kauf meist nicht, denn angegeben wird meist nur ein Nickname. "Da ist keine Adresse, keine Firmenbezeichnung. Ich habe also keine Ahnung, wo ich tatsächlich was einkaufe", kritisiert Tobias Schrödel. Was viele Käufer ebenfalls nicht wissen: Bei Produkten aus Nicht-EU-Ländern lauern ab einem bestimmten Preis noch Zusatzkosten. Produkte, bei denen der Warenwert plus Versandkosten unter 22 Euro liegt, sind bei der Einfuhr zoll- und steuerfrei. Bei allen anderen Artikeln zwischen 22 und 150 Euro wird eine so genannte Einfuhrumsatzsteuer von 19 Prozent fällig. Und bei manchen Waren wird auch noch der Zoll berechnet, etwa bei teurem Schmuck. Das kalkulieren viele Käufer bei Wish zunächst nicht ein.

Kaum ein Produkt ohne Fehlfunktion oder Qualitätsmängel

Die Artikel aus dem Testkauf sind bei Tobias Schrödel nach drei Wochen eingetroffen. "Auf den ersten Blick machen sie einen vernünftigen Eindruck", so der Experte. Schrödel hat sich aber auch die technischen Werte angesehen und alle Sachen ausprobiert. Fazit: bei der Smartwatch fiel ihm die schlampige Montage des Displays ins Auge, der Fitnesstracker sprang jeden Abend um 23:59 Uhr wieder auf Null, so dass keine Daten gespeichert wurden. Beim Tablet war die Kamera nicht zu gebrauchen und die Eingabe von Buchstaben ruckelte. "Das kann man eigentlich nur zum Surfen oder Streamen benutzen", sagt Tobias Schrödel. Auch bei den anderen Gegenständen fiel ihm eine billige Software oder schlicht die schlechte Verarbeitung auf. Der Autostaubsauger machte lediglich Geräusch, aufgesaugt hat er keinen einzigen Krümel.