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Tipps zu Zoll, Sicherheit und Garantien: Das sollten Sie beim Einkauf über Wish und chinesische Online-Shops wissen

Das Einkaufen über Wish und andere China-Shopping-Seiten wird immer beliebter. Damit das vermeintliche Schnäppchen kein Reinfall wird, sollten Sie diese Dinge vorher wissen: Die wichtigsten Hinweise für den Einkauf im Ausland.

Bestell-Ware aus China: Viele der Pakete landen bei der Einfuhr zunächst beim Zoll.

Bestell-Ware aus China: Viele der Pakete landen bei der Einfuhr zunächst beim Zoll.

Es gibt im Internet inzwischen zahlreiche Portale, über die man Artikel direkt bei chinesischen Händlern kaufen kann. Unüberschaubar ist das Angebot für technische Artikel, auch Ersatz- und Kleinteile, die vor allem für Bastler interessant sind. Aber auch Kleidung, Schmuck und Sportartikel gibt es in endloser Auswahl direkt aus Fernost. Die entscheidende Frage ist: Lohnt sich das?

Schnäppchen beim China-Shopping macht man durch den Kauf von No-Name-Produkten, die - darauf sollte man achten - in etwa die gleiche Qualität wie bekannte Markenprodukte haben. Wer dagegen beispielsweise einen neuen Prozessor  für den Computer oder ein bestimmtes Datenkabel sucht, kann recht günstig einkaufen. Bei Bekleidung allerdings sollte man sich das genau überlegen. Im Internet kursieren unzählige Fotos von vermeintlichen Designerkleidern, die in China günstig nachgeschneidert wurden – das Ergebnis auf diesen Bildern ist ernüchternd. Zudem kann ein Abendkleid für 25 Euro, das auch noch importiert werden muss, kaum etwas taugen. Daran verdient kein Mensch etwas. Nicht zu vergessen sind mögliche Schadstoffe in Farben oder Fasern. Wem solche Qualitätskriterien gänzlich egal sind, der kann auch in Deutschland ziemlich billig einkaufen. 

stern TV hat das Online-Shopping über die immer beliebter werdende "Wish"-App und bei verschiedenen anderen China-Shopping-Seiten getestet. Bei der Bewertung der bestellten Test-Produkte kritisiert IT-Experte Tobias Schrödel vor allem die zum Teil schlampige Montage, Funktionsstörungen, schlechte Kamera und billige Software der technischen Geräte. Wer die Erwartungen etwas herunterschraube, bekomme aber durchaus brauchbare Geräte zum kleinen Preis, so Schrödel.

Fazit: Das sollten Sie vor einer Bestellung wissen: 

Bezahlung

Einige Nutzer berichten von Problemen mit der Zahlung per Rechnung. Ist das Paket noch nicht angekommen und die Rechnung somit noch nicht bezahlt, kommt relativ schnell ein Inkasso-Schreiben, was viele Kunden verunsichert. Empfehlenswert ist eine Bezahlung per Paypal oder Kreditkarte. Im Storno-Fall wurde im stern TV-Test das Geld wenige Tage später wieder zurückgebucht.

Versandkosten

Die Versandkosten werden extra berechnet und kommen auf den Produktpreis oben drauf. Wer mehrere Teile kauft, spart hier nicht unbedingt, da die Produkte zum Teil von unterschiedlichen Händlern angeboten und verschickt werden.

Zusatzgebühren

Auf Produkte, die auch für den privaten Gebrauch in die EU geschickt werden, fallen unter Umständen Einfuhrumsatzsteuer und Einfuhrabgaben (Zollgebühren) an. Die zusätzlichen Kosten werden in der Regel vom Paketdienst erhoben. Wie viel das ist, muss man sich selbst ausrechnen, denn ausgewiesen ist es beim Kauf nicht. Ob die Gebühren tatsächlich anfallen, hängt davon ab, wie der Versender den Inhalt des Pakets deklariert und ob der Zoll die Lieferung stoppt. Im stern TV-Test wurde kein Paket gestoppt, was daran liegen könnte, dass der angegebene Warenwert oft nicht wahrheitsgemäß war (z.B. 6 Euro statt tatsächlich 28 Euro). Offiziell gilt eine nicht erfolgte Abgabe als Ordnungswidrigkeit oder gar Steuerhinterziehung und kann mit hohen Bußgeldern (bis 50.000 Euro) geahndet werden. Die Gebühren und etwaige Strafen trägt der Käufer.

Die Berechnung der Einfuhrabgaben – landläufig als Zollgebühren bezeichnet – ist kompliziert: Bei der Berechnung wird jede anfallende Abgabenart (z.B. Tabaksteuer, Zoll und Einfuhrumsatzsteuer) einzeln berechnet und zu einer gesamten Einfuhrabgabe aufsummiert. Je nach Produkt, Beschaffenheit und Wert kann die ganz unterschiedlich ausfallen, etwa 12 Prozent bei Kleidungsstücken oder 0 bis 14 Prozent bei technischen Geräten – je nach Wert. Das ist nach festen Abgabensätzen geregelt.  Detaillierte Informationen dazu finden Sie auf dieser Seite des Zolls.

Kostenlose Berechnungs-App

Mit dieser kostenlosen App "Zoll und Post" vom Bundesfinanzministerium können Sie individuell errechnen, was bei einer Bestellung aus dem Ausland an Zusatzkosten voraussichtlich anfällt bzw. anfallen würde. Zudem gibt die App für die unterschiedlichsten Warengruppen Hinweise auf wichtige zollrechtliche Bestimmungen - und warnt Sie vor den Gefahren, die von manchen Produkten ausgehen können.

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Lieferzeit

Im stern TV-Test kamen viele der bestellten Produkte eher an, als laut Voraussage angekündigt. Insgesamt muss man sich aber in Geduld üben, da der Versand aus China oder anderen weit entfernten Ländern und der Weg über den Zoll schon mal zwei bis drei Wochen dauern können. "Wish" hat mittlerweile einen Express-Service eingeführt, der eine Lieferung innerhalb von sechs Tagen verspricht. Das kostet je nach Produkt aber einen ordentlichen Aufschlag.

Stornierung

Die Verbraucherzentrale moniert, dass auf dem Portal auch nichts zum Widerrufsrecht steht: "Ich werde nicht darauf hingewiesen, dass mir ein 14-tägiges Widerrufsrecht zusteht", so Peter Lasset von der Verbraucherzentrale Hessen. "Hier fehlt es an einigen Verbraucherstandards." Aus diesem Grund haben die Verbraucherschützer das Unternehmen "Wish" mittlerweile abgemahnt.

Reklamation und Rückgabe

Porto und Zollgebühren muss der Kunde auch auf dem Rückweg wieder selbst bezahlen – auch bei Nichtgefallen. Beim Hin- und Herschicken als ein Minus auf Seiten des Käufers. Bei einem Paket nach China können das nämlich schon mal 16 Euro sein. Die Erstattung ist den stern TV-Erfahrungen nach aber problemlos erfolgt. Doch Achtung: Die Händlergewährleistung beträgt anders als in Deutschland (2 Jahre) lediglich 30 Tage. Und einen konkreten Ansprechpartner in Reklamationsfällen sucht man vergeblich. Verbrauchschützer warnen deshalb davor, hochwertige Produkte zu kaufen. Denn: Geht ein Gerät oder Produkt kaputt, kann man es eigentlich nur wegschmeißen oder selbst reparieren.

Qualität der Ware

Hier darf man keine Wunder erwarten, die Produkte sind brauchbar aber eben preiswert hergestellt. Abstriche bei der Qualität sind unabdingbar. In vielen Fällen gehen gerade technische Geräte nach kurzer Zeit kaputt.

CE-Kennzeichnung

Eine weitere Hürde bei der Einfuhr von (meist technischen) Artikeln in die EU könnte eine fehlende CE-Kennzeichnung sein. Die CE-Kennzeichnung soll die Übereinstimmung eines Produkts mit den in der EU geltenden Produktsicherheitsvorschriften sicherstellen. Artikel, für die eine CE-Kennzeichnung verpflichtend ist, aber keine haben, dürfen offiziell nicht importiert werden. Sie werden beim Zoll entweder zurückgeschickt oder vernichtet. Das kann beispielsweise gerade bei Notebooks ein Problem werden. In den China-Shops ist in der Regel nicht erkennbar, ob ein Gerät mit einem CE-Zeichen ausgestattet ist. Und selbst wenn ein CE-Zeichen auf dem Karton angebracht ist – es muss streng genommen auch auf den Produkten sein. Da die Beamten bei der großen Menge an Waren aber nur Stichproben machen können, sind auch im stern TV-Test einige Pakete ohne Prüfung durch den Zoll und somit angekommen. Wenn durch ein nicht CE-gekennzeichnetes Gerät ein Schaden entsteht (z.B. Feuer), haften Versicherungen nicht. Kleidung benötigt übrigens kein CE-Zeichen.

In diesen Internet-Shops hat stern TV für die Tests eingekauft:

Weitere Shops finden Sie über eine simple Suche über eine Suchmaschine, zum Beispiel mit der Eingabe China+Shopping. Auf einigen Seiten lässt sich die Sprache auf "Deutsch" umstellen, andere bieten nur Englisch an.

Wish

wish.com und die entsprechende App stammen von einem amerikanischen Anbieter, vergleichbar mit Amazon. Bei Wish allerdings werden die Produkte von meist chinesischen Händlern angeboten.

Aliexpress
Aliexpress ist eine chinesische Homepage. Sie ist das Endkundenportal der Konzernmutter Alibaba, die den Großhandel bedient und ein global Player ist.

DealExtreme
Der Firmensitz von DealExtreme (abgekürzt: dx.com) ist nicht auszumachen, aber die Produkte kommen weitgehend aus China.

Banggood
Banggood.com hat seinen Sitz laut Homepage in London, allerdings kommen die Produkte auch hier fast alle aus China.

Gearbest
Gearbest.com hat lt. Homepage seinen Sitz in Alicante. Aber die Produkte kommen trotzdem fast alle aus China.


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