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500 US-Dollar im Monat Funktioniert Grundeinkommen? Eine Stadt in Kalifornien will es bewiesen haben

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Befürworter eines bedingungslosen Grundeinkommens erhoffen sich mehr Freiheit und Zufriedenheit
© Getty Images
500 Dollar im Monat – einfach so. 125 Bewohner einer kalifornischen Stadt erhielten ein Jahr ein monatliches Grundeinkommen. Das Ergebnis: mehr Jobs, weniger Depressionen.

125 Bewohner der kalifornischen Stadt Stockton bekommen zwei Jahre lang 500 US-Dollar im Monat– und können damit machen, was sie wollen. Laut einer Studie beglichen die Teilnehmer des Programms mit dem Geld ihre Schulden, bekamen Vollzeitjobs und fühlten sich psychisch gesünder.

Finanzierung durch private Förderer

Mit einem garantieren monatlichen Einkommen soll Menschen aus der Armut geholfen werden. Gegner des Grundeinkommens befürchten, dass diese bedingungslose Finanzspritze Arbeit überflüssig und Menschen vom Staat abhängig machen könnte. Die Stadt Stockton im Bundesstaat Kalifornien könnte Kritikern nun das Gegenteil beweisen.

Mit dem Programm "Stockton Economic Empowerment Demonstration" (SEED) soll getestet werden, wie sich Menschen entwickeln, die jeden Monat einen festen Betrag erhalten. Ins Leben gerufen wurde das Ganze von der gemeinnützigen Organisation "Bürgermeister für ein garantiertes Einkommen", das Michael Tubbs, selbst Ex-Bürgermeister von Stockton, gegründet habe. Dabei seien zufällig Menschen aus Bezirken ausgewählt worden, in denen das Haushaltseinkommen gleich oder unter dem Stadt-Durchschnitt von rund 46.000 Dollar lag. Bei den dazu erforderlichen drei Millionen Dollar habe es sich nicht um Steuergelder, sondern um private Spenden gehandelt. Ein Drittel davon habe das "Economic Security Project" beigetragen.

Nach einem Jahr: "signifikante Verbesserungen"

Zwei Forscherinnen der University of Tennessee und der University of Pennsylvania veröffentlichten nun die Ergebnisse für das erste Jahr des Experiments. Als das Programm im Februar 2019 startete, seien 28 Prozent der Teilnehmer vollzeitbeschäftigt gewesen. Zwölf Monate später sei die Zahl auf 40 Prozent angestiegen. Damit hätten die Empfänger "mehr als doppelt so häufig eine Vollzeitbeschäftigung erhalten wie Nicht-Empfänger", heißt es in einer Erklärung der SEED. Im Vergleich zu einer Kontrollgruppe seien die Teilnehmer auch weniger ängstlich und depressiv gewesen. Sie hätten "signifikante Verbesserungen bei der emotionalen Gesundheit, dem Erschöpfungsgrad und dem allgemeinen Wohlbefinden" gezeigt, heißt es dort weiter.

"Diese Zahlen waren unglaublich. Ich habe sie selbst kaum geglaubt", sagte Stacia West, eine der beiden Wissenschaftlerinnen, dem "Guardian" zufolge. Das Grundeinkommen habe Menschen mit Teilzeitjobs eine Auszeit ermöglicht, um sich auf Vollzeitstellen zu bewerben. Arbeitslosen wiederum hätte das Geld dabei geholfen, überhaupt zu Vorstellungsgesprächen anzureisen. Außerdem hätten nach einem Jahr 62 Prozent der Teilnehmer ihre Schulden abbezahlt – verglichen mit den 52 Prozent zuvor. Die Menschen hätten das Geld fast vornehmlich für Grundbedürfnisse wie Lebensmittel oder Kleidung ausgegeben. Weniger als fünf der 500 Dollar seien monatlich in Tabak oder Alkohol geflossen.

Grundeinkommen in Deutschland

Außerdem seien sie besser auf unerwartete Ausgaben vorbereitet – was, angesichts des Beginns der Corona-Pandemie am Ende des Untersuchungszeitraums, besonders wichtig war. "SEED gab den Menschen die Würde, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, die Fähigkeit, ihr Potenzial auszuschöpfen, und verbesserte die wirtschaftliche Stabilität in den Turbulenzen der Pandemie", so der ehemalige Bürgermeister Tubbs. 2022 würden die vollständige Untersuchung des gesamten Zeitraums veröffentlicht.

Grundeinkommen: ein Gedanke der Demokraten

Laut "Businessinsider" will Tubb die Vergabe eines Grundeinkommens zur nationalen Politik machen. Mindestens 40 Kollegen verfolgten mit "Bürgermeister für ein garantiertes Einkommen" dasselbe Ziel – darunter unter anderem die Bürgermeister von Metropolen wie Los Angeles, Atlanta und Seattle. Allerdings stammten die Befürworter ausschließlich aus den Reihen der Demokraten. Auch Twitter-CEO Jack Dorsey habe mit einer Spende von 18 Millionen US-Dollar die Initiative unterstützt. Durch Stocktons Programm inspiriert, hätten bereits drei weitere Städte ähnliche Programme gestartet.

Die Idee eines universellen Grundeinkommens erfuhr auch durch den Unternehmer Andrew Yang Aufmerksamkeit. Yang, der 2020 Präsidentschaftskandidat für die Demokraten war, versprach im Fall seiner Wahl jedem US-Bürger über 18 Jahren 1000 US-Dollar im Monat.

Quellen: "The Guardian"; "Businessinsider"; "The Atlantic"; Mitteilung "SEED"


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