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Medienbericht: Bahlsen-Chef spricht über Zwangsarbeiter-Äußerung: "Verenas Aussage war ein Fehler"

Seine Tochter Verena Bahlsen löste mit Äußerungen über NS-Zwangsarbeiter einen Skandal aus, nun äußert sich Firmen-Patriarch Werner Michael Bahlsen erstmals in einem Interview zu dem Vorfall. Der Bahlsen-Chef distanziert sich von ihrer Aussage - und kündigt eine Aufarbeitung an.

Bahlsen

"Wir müssen uns stellen": Werner Michael Bahlsen, Firmen-Patriarch und Chef des Verwaltungsrats

DPA

Verena Bahlsen (26), Erbin des gleichnamigen Keksimperiums, sorgte mit Äußerungen über NS-Zwangsarbeiter bei Bahlsen in der vergangenen Woche für einen Skandal. In der "Bild"-Zeitung sagte Bahlsen über die NS-Zwangsarbeit: "Das war vor meiner Zeit und wir haben die Zwangsarbeiter genauso bezahlt wie die Deutschen und sie gut behandelt." Der Bahlsen-Konzern habe sich "nichts zuschulden kommen lassen".

Zwangsarbeiter? Gut behandelt? Die Reaktionen auf Bahlsens Aussage ließen nicht lange auf sich warten. Die Keks-Erbin wurde scharf kritisiert, unter anderem wurde ihr Geschichtsvergessenheit vorgeworfen. Medien weltweit berichteten. Bahlsen hat sich für ihre Aussage mittlerweile entschuldigt. Nichts liege ihr ferner, "als den Nationalsozialismus und seine Folgen zu verharmlosen", erklärte sie in einer Mitteilung.

In einem Interview mit der "Bild am Sonntag" (BamS) spricht nun erstmals der Chef des Keksherstellers, Werner M. Bahlsen, über die umstrittene NS-Aussage und kündigt eine schonungslose Aufarbeitung der Unternehmens-Geschichte an.

Bahlsen-Chef zeigt sich selbstkritisch

"Meine Tochter hat etwas gesagt, was falsch ist. Das hat sie eingesehen und sich dafür öffentlich entschuldigt. Wir haben darüber auch miteinander gesprochen", erklärte der Chef des Bahlsen-Verwaltungsrats gegenüber der "BamS". Die Diskussion um die Behandlung von Zwangsarbeitern sieht er als Anlass für eine schonungslose Aufarbeitung der NS-Geschichte des Familienunternehmens. "Der Stein ist ins Rollen gekommen und wir müssen uns stellen. Ich sehe es sogar so: Es ist gut, dass jetzt alles auf den Tisch kommt", sagte Bahlsen. "Es soll nichts verklärt, nichts weißgewaschen werden."

Wie das Unternehmen am Donnerstag mitgeteilt hatte, wurde der Göttinger Historiker Manfred Grieger damit beauftragt, ein unabhängiges Expertengremium zusammenzustellen. Grieger solle "alles aufdecken, auch die dunklen Seiten".

Der Bahlsen-Chef zeigt sich im Interview auch selbstkritisch: "Ich werfe mir vor, dass wir unsere Geschichte nicht früher haben aufarbeiten lassen, um der nachfolgenden Generation an dieser Stelle die Last zu nehmen." Seine Tochter habe mit ihren 26 Jahren "sicher nicht die gesamte Dimension gesehen".

Video: Bahlsen-Erbin entschuldigt sich


ikr
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