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Anstieg der Sterbefälle "Wir sind schon am Limit": Bestatter berichtet von Corona-Belastungen

Sehen Sie im Video: Berliner Bestatter berichtet von den Belastungen durch Corona.




"Im Normalfall, das wissen die Wenigsten in Berlin, haben wir 2700 Sterbefälle. Ich schätze, im Dezember waren wir auf ungefähr 4000", sagt der Berliner Bestatter Rüdiger Kußerow. Seinem Beruf geht er seit Jahrzehnten nach, 1975 war er in das Bestattungsunternehmen seiner Eltern eingestiegen. Doch der Anstieg an Verstorbenen seit Dezember hat auch ihn und seine Mitarbeiter zuletzt an die Belastungsgrenze gebracht. "Also ich meine schon, dass es am Ende der Belastung ist, was wir im Dezember durchgemacht haben. Wenn das über Monate weiterging, dann, würde ich sagen, sind wir am Ende unserer Kräfte, und dann können wir auch selber bald nicht mehr. Also da muss man sich schon was einfallen lassen." Im vergangenen Frühling habe er schon viele Sterbefälle bearbeitet, die mit oder an dem neuartigen Coronavirus verstorben waren, sagt Kußerow. Im Sommer hätte sich die Lage dann diesbezüglich eher wieder etwas entspannt. Im Dezember sei die Anzahl an Sterbefällen in seinem Unternehmen plötzlich um 50 Prozent angestiegen. "Im Januar ebbt das jetzt so ein bisschen ab. Wir hatten über Weihnachten und Neujahr natürlich das Problem, dass die Ämter teilweise geschlossen hatten, wir keine Bestattungspapiere herausbekamen und es dadurch auch zu langen Kühlraum-Kapazitätsengpässen schon ein bisschen gekommen ist." Mit Blick auf das mögliche Ansteckungsrisiko müssten er und seine Mitarbeiter auf spezielle Schutzmaßnahmen zurückgreifen. Angehörigen müsse erklärt werden, dass es, wenn möglich, nicht zu einer Abschiedsnahme am offenen Sarg kommen könne, da immer noch unklar sei, wie lange ein Verstorbener noch ansteckend ist. Wissenschaftler hätten ihm bereits gesagt, dass bei jedem Anheben oder Umdrehen des Verstorbenen es zum Austreten dieser Gase komme, die immer noch ansteckend sein könnten, so Kußerow. Immer mehr Bestattungen stauten sich auf. Das Krematorium brauche laut Kußerow in der Regel rund 14 Tage für die Einäscherung, wenn die Papiere vom Arzt fertig und vom Standesamt bearbeitet worden seien. Auch durch Engpässe auf den Friedhöfen müssten Angehörige in der Stadt teils mit bis zu vier Wochen bis zur Beisetzung rechnen.
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Im Dezember hat es in Berlin laut dem Bestatter Rüdiger Kußerow einen drastischen Anstieg an Sterbefällen gegeben. Er sieht die Belastungsgrenze der ganzen Branche erreicht.

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