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Einnahmen brechen ein: Kleinunternehmer in der Corona-Krise: Die Mieten sind das größte Problem

Hunderttausende Selbstständige und Kleinunternehmer fürchten in der Corona-Krise um ihre Existenz: Ihre Einnahmen fallen drastisch, oft auf Null. Ihre Kosten bleiben. Was belastet sie besonders? Der stern fragte nach.

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"Meine Vermieter sagen: Wir sind auf jede Miete angewiesen", berichtet Christian Peters*, der ein Restaurant und eine Bar in einer Kleinstadt nördlich von Dortmund betreibt. Beide Läden sind wegen der Corona-Pandemie seit gut einer Woche geschlossen, er hat keine Einnahmen mehr. "Wenn ich die Mieten jetzt zahle, wären meine Reserven Ende April weg und ich wüsste nicht, wie ich meine Familie über Wasser halten kann", sagt er. "Die machen sich das zu leicht, gehen eben nicht zur Bank und fragen selber nach Stundung ihres Kredites."

Wie Christian Peters geht es zur Zeit vielen Selbstständigen und Kleinunternehmern in Deutschland. Das zeigt eine Umfrage, die der stern zusammen mit dem Internetunternehmen Jimdo, das Webseitenbaukästen für kleine Unternehmen anbietet, gemacht hat. Mehr als 1000 der Jimdo-Kunden beteiligten sich über das vergangene Wochenende daran. Die Teilnehmer wurden nicht repräsentativ ausgewählt, bilden aber einen guten Querschnitt der Betroffenen ab: Drei Viertel der Befragten sind selbstständig, die anderen führen Kleinunternehmen. Etwa die Hälfte der Befragten beschäftigt maximal neun Mitarbeiter. Männer und Frauen halten sich in etwa die Waage und der Altersschnitt liegt zwischen 40 und 50 Jahren.

Große Existenzsorgen bei kleinen Unternehmen

Die überwiegende Mehrheit der Befragten hat große Existenzsorgen angesichts der durch das Coronavirus ausgelösten wirtschaftlichen Krise. Immerhin knapp 60 Prozent hoffen aber, dass ihnen das für Kleinunternehmen angekündigte Hilfspaket der Bundesregierung in Höhe von 50 Milliarden Euro helfen wird. Nur neun Prozent erwarten das nicht.

Während der Zeit des Stillstandes von Unternehmen laufen viele Kosten weiter. Diese "Fixkosten" entziehen den kleinen Unternehmen Geld, dass dann beim Neustart in Wochen oder gar Monaten fehlt. Aus Sicht der Befragten sind der bedeutendste Kostenblock die Abgaben an die Sozialversicherungen. Er liegt sogar noch vor den Personalkosten, denn in vielen Kleinunternehmen arbeiten hauptsächlich Eigentümer und Familienmitglieder, deren Löhne aus dem Gewinn gezogen werden. Doch für die Sozialversicherungen gibt es inzwischen bundesweit großzügige Stundungsregelungen. Auch die Vorauszahlungen können relativ unbürokratisch angepasst werden.

Die Miete macht 40 Prozent der Fixkosten aus

Zweitwichtigster Kostenblock sind die Mieten für Gewerberäume. Bei den Befragten mit gemieteten Gewerberäumen macht der Mietanteil rund 40 Prozent der Fixkosten aus. Rund die Hälfte von Ihnen fürchtet, dass die Mieten in den nächsten Monaten ihre Selbstständigkeit bedrohen.

Zwar enthält das Rettungspaket der Bundesregierung auch eine Gesetzesänderung, nach der Vermieter momentan ihre Mieter, die wegen der Corona-Krise nicht zahlen können, auch nicht vor die Tür setzen dürfen. Doch die faktische Mietstundung gilt nur für drei Monate. Danach hat man knappe zwei Jahre Zeit die Schulden zu begleichen. Gerade wenn die Geschäfte bei Wiedereröffnung nur schleppend starten, dürfte das viele überfordern.

In der Praxis bedeutet das, dass ein Großteil der vom Bund ausgezahlten Soforthilfen für kleine Unternehmen am Ende an die Vermieter weiterfließen dürfte. Diese kämen damit zunächst relativ unbelastet durch die Krise. Ihnen entstünde erst ein Schaden, wenn viele der Mieter trotz aller Hilfen zahlungsunfähig werden.

Wenig Entgegenkommen bei Vermietern

Haus- und Grundbesitzerverbände und auch große Gewerbevermieter wie die Hamburger ECE pochten gegenüber dem stern darauf, dass die Mieten gezahlt werden müssen – notfalls vom Staat (siehe stern-Ausgabe 15/20). Auf die Frage an die Gewerbetreibenden, ob sie ein Entgegenkommen der Vermieter erwarten würden, antworteten 64 Prozent mit Nein. Nur sieben Prozent waren sich sicher, dass ihr Vermieter ein Einsehen haben würde.

Verfassungsrechtler sehen hier durchaus Möglichkeiten für den Staat, nachzubessern. Sie berufen sich dabei auf Artikel 14 des Grundgesetzes: "Eigentum verpflichtet." Professor Franz Mayer von der Universität Bielefeld sagt: "Daraus kann man ableiten, dass in einer außergewöhnlichen Notlage die Lasten zwischen Mieter und Vermieter geteilt werden müssen." Mayer fordert die Regierung ausdrücklich zum mutigen Handeln auf: "In dieser Situation darf man sich nicht von verfassungsrechtlichen Bedenkenträgern leiten lassen. Das Grundgesetz ist hinreichend offen."

*Name geändert