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Kolumne: Hier spricht der Boomer Die neue Lust auf Aktien: Wird Deutschland doch noch ein Land der Anleger?

Aktienhandel findet vermehrt über Smartphones statt
Aktienhandel findet vermehrt über Smartphones statt
© EPA / DPA
Die Deutschen sind ein ängstliches Volk. Vor allem, wenn es um Geld geht. Doch ausgerechnet in diesen unsicheren Zeiten schnellt die Zahl der Anleger nach oben. Ein erfrischendes Zeichen von Optimismus, findet unser Kolumnist Frank Schmiechen.

Was ist denn plötzlich in die Deutschen gefahren? Es gibt ein deutliches Zeichen von Zuversicht! Wer hätte das gedacht? Und das inmitten all dieser Krisen und Unwägbarkeiten: Corona, Flüchtlinge, Rezession, Putin. Doch die Deutschen scheinen das alles für lösbar zu halten, sie kaufen plötzlich Aktien wir selten zuvor. Das zeigt eine Analyse der Direktbank ING.

Die Deutschen entdecken die Börse

Ausgerechnet während des historischen Einbruches der Wirtschaft deckten sich die Deutschen mit Wertpapieren ein. Auch bei den Depoteröffnungen gab es Rekordzahlen. Das Land der Zögerer und Ängstlichen liegt beim Kauf von Aktien in diesem Jahr ganz vorne in Europa. Finanz-Experten sprechen von einer "sensationellen Entwicklung".

Wertpapiere sind ja immer Wetten auf die zukünftige Entwicklung. Übersetzt könnten man also sagen: Die Deutschen sind optimistisch, was ihre Zukunft angeht. Sie gehen davon aus, dass sich die Wirtschaft wieder erholt, die Kurse weiter steigen. So wie sie das vor der Krise getan haben.

Und die Neulinge dürfen sich auf Anhieb wie Börsenprofis fühlen. Denn Aktien kauft auch der Auskenner in der tiefsten Depression. Wenn die Kurse und die Stimmung im Keller ist. Wenn niemand mehr Lust hat einzusteigen. Das war im Frühjahr zweifellos der Fall. Den anschließenden Aufschwung haben viele Neuanleger voll mitgenommen. Glückwunsch!

Vor einigen Wochen sprach mich eine junge Kollegin an und fragte, ob es sinnvoll sei, einen Aktien-Sparplan anzufangen. Ich war verblüfft und riet ihr dringend dazu. Eine junge Frau und Aktien? Das war bisher keine weit verbreitete Kombination in meinem Umfeld. Aber die Analyse zeigt, dass gerade junge Deutsche an der Börse dabei sein wollen und Depots eröffnen.

Digitalisierung beflügelt Aktienkäufe

Aktien handelt man heute per Smartphone. Es gibt sogenannte "Robo-Advisor", die die Anleger durch den Dschungel der Entscheidungen führen oder alles per Algorithmus erledigen. Eine Bank muss niemand mehr betreten. Vielleicht ist die digitale Generation auch eine Generation der Aktien-Anleger.

Doch es liegen immer noch 40 Prozent des Vermögens der Deutschen auf Girokonten oder unter der Bettwäsche im Kleiderschrank. Es ist also noch viel Luft nach oben in Sachen Börse. Ein wichtiger Schritt wäre, wenn an Schulen der Umgang mit Geldanlagen und Aktien gelehrt würde. Das ist mindestens so wichtig wie der Zitronensäurezyklus in Biologie – und macht viel mehr Spaß im Portemonnaie.

wue

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