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Kritik an Schlachtbetrieben Corona-Skandal bei Tönnies: Sind Öko-Fleisch und Fleischersatz die großen Gewinner?

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Jörg Erchinger ist Fleischermeister alter Schule. Er will mit seinem nachhaltig produzierten und handwerklich verarbeitetem Fleisch von Neuland-Bauernhöfen ein Stück Lebensqualität anbieten, die in der Selbstverständlichkeit der Konsumgesellschaft verloren gegangen ist. Erchinger mit seiner Sicht auf das billige Fleisch und die damit verbundene Qual von Tieren: "Diese ständige Verfügbarkeit hat den Kunden dazu gebracht, dass er aufgehört hat, darüber nachzudenken, wo sein Fleisch oder seine Gurke, sein Obst, sein Gemüse, wo es eigentlich herkommt, und dadurch ist es ein in Aller-Welt-Artikel gewesen wie ein Päckchen Schrauben oder Nägel." Für ihn ist der Respekt vor dem Tier und der Verzehr von Fleisch kein Widerspruch sondern ein Ausdruck von Lebensqualität für alle Beteiligten, Mensch und Tier. Seine Kunden kommen ganz bewusst für etwas anderes, sagt Erchinger. "Ganz, ganz selten haben wir Spontankäufe bei uns, aber zu 90 Prozent kommen die Kunden zu uns, weil sie bewusst sich für Neuland entscheiden und bewusst zum Metzger gehen und bewusst auf Konservierungsstoffe verzichten, auf eine Vielzahl von Allergien verzichten wollen. Auf eine ehrliche Wurst haben die Leute richtig Bock." Seine Kunden machen sich entsprechende Gedanken, bevor sie hier einkaufen: "Ja, es ist Absicht, weil mir die Qualität des Fleisches wichtig ist und ich nicht einfach so ein Massenproduktions-Fleisch kaufen möchte für mich und die Familie, zum Wohle der Kinder und der Familie, aber auch zum Wohle des Tieres." Schon vor der Krise hat es einen deutlichen Trend zugunsten von nachhaltig produziertem Fleisch und Fleischersatzprodukten gegeben. Die Corona-Pandemie und die Corona-Krise bei Großschlachtbetrieben könnten diesen Trend verstärken, vermutet GFK-Experte Robert Kecskes: "Der hält durchaus an. Veggie steigt, also vegetarische Fleischwarenersatzprodukte, um mehr als 50 Prozent, auch in den Corona-Monaten. Also, das ist ein deutlicher Trend. Fleisch hat durchaus auch Wachstumsimpulse. Das liegt aber vor allem daran, dass Outofhome nicht mehr gegessen wird, sondern In-home gegessen wird und wir den privaten Konsum betrachten. Da gibt es Steigerungen, aber generell sehen wir den Trend weg vom günstigen Fleisch, hin zu höherwertigen und zu Ersatzprodukten. Der klassische Flexitarier, den gibt es immer mehr." Die GFK bestätigt auch, dass in Deutschland die Fleischpreise insgesamt sehr niedrig sind im Vergleich zu anderen Ländern. Daher ist es vermutlich auch einfacher für viele Menschen, mehr Geld für entsprechend höherwertiges Fleisch auf die Theke zu legen. Und die Zahlen zeigen laut GFK, dass 2019 die verkaufte Fleischmenge zwar zurückging, aber ein Trend zu höherwertigen Produkten vorhanden war.
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Die Zahlen der GFK zeigen, dass 2019 die verkaufte Fleischmenge zurückging und ein Trend zu höherwertigen Produkten vorhanden war.

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