HOME

stern-Logo Alles zum Coronavirus

Finanzielle Unterstützung in Corona-Krise: Schnell und einfach spenden: Das Projekt "Kiezretter" will Unternehmen in Not helfen

Viele Unternehmen müssen wegen der Corona-Krise um ihre Existenz bangen. Über das Projekt "Kiezretter" können sie sich online für Spenden registrieren – User haben so die Möglichkeit, schnell und unkompliziert zu helfen.

Hochgeklappte Tische stehen in der Fußgängerzone vor einer Gastwirtschaft.

Clubs, Kneipen, Cafés und Restaurants müssen schließen – so wie hier in Speyer. Für viele von ihnen ist das Coronavirus existenzbedrohend.

DPA

Seit das Coronavirus auch in Deutschland grassiert, ist nichts mehr wie vorher – ganz besonders gilt das für die Betreiber von Bars, Restaurants oder Clubs. Um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, mussten sie schließen. Für viele Inhaber bedeutet das echte Existenzsorgen, vor allem, weil niemand weiß, wann dieser Ausnahmezustand vorbei ist.

Das Projekt "Kiezretter" will in Not geratenen Unternehmen in diesem Sektor unter die Arme greifen. Oder besser: eine Plattform dafür bieten, dass möglichst viele Menschen genau das tun können – indem sie Lokale und Geschäfte in ihrer Nähe finanziell unterstützen. Über die Seite kiez-retter.de können sich Unternehmen registrieren, die Hilfe benötigen. Die User können diesen dann unkompliziert online Geld zukommen lassen.

Kiezretter: Schnelle Spenden für Unternehmer in Not

"Wir wollten den Unternehmen einen schnellen Geldmittelzufluss zur Verfügung stellen und dafür sorgen, dass das Geld auch bei den Hilfesuchenden ankommt", beschreibt Mitgründer Richard Maier die Ursprungsidee im Gespräch mit dem stern. Der Berliner ist Teil eines Teams, das sich im Rahmen des von der Bundesregierung ins Leben gerufenen Hackathons gefunden hat. Unter dem Motto "WirvsCorona" steckten technikversierte Menschen mit guten Ideen ein Wochenende lang virtuell die Köpfe zusammen, um Projekte im Kampf gegen die Corona-Krise zu starten.

Die Idee zu den Kiezrettern hatten drei junge Männer, die bereits gemeinsam die politische Meinungsplattform Plurapolit entwickelt haben. Maier und andere schlossen sich an. In Chats und Videokonferenzen entwickelten sie ein Konzept und setzten es um: Domain sichern, programmieren, Design, Ideen für die Öffentlichkeitsarbeit. "Das war eine geniale Stimmung", erinnert sich Maier. An dem Wochenende wurde durchgearbeitet, am Montagabend gegen 22.30 Uhr stand das Projekt.

Mitarbeiter der Initiative Kiezretter

Das Team der Initiative Kiezretter steuert sein Projekt über Chats und Videokonferenzen

Keine Gegenleistung nötig

Die meisten der Mitarbeiter kannten sich nicht, bevor sie zu den Kiezrettern stießen, und haben sich noch nie persönlich gesehen. Bis zu 20 Leute arbeiten mit, Menschen, die sich für die Idee begeistern, gefährdeten Unternehmen aus der Patsche zu helfen. Inhaber, die sich registrieren wollen, müssen eine Kopie von Gewerbeschein und Personalausweis einschicken. Eine Gegenleistung müssen die Geldempfänger nicht erbringen. "Es ist eine Spende", sagt Richard Maier.

Andere Akteure mit ähnlichen Zielen arbeiten mit Gutschein-Modellen, bei denen Kunden jetzt etwas kaufen und die Gegenleistung erst nach der Krise – wenn sie auch wieder erbracht werden kann – erhalten. Dazu gehört beispielsweise die Initiative LongLiveTheBlock.org, die Shops, Gastronomen, Betriebe des Handwerks und der Kultur unterstützt. "Das ist eine so wichtige Aktion! Wir brauchen unsere Lieblingsrestaurants, Eckkneipen, Bars und Cafés vor Ort. Und sie brauchen uns. Jetzt mehr denn je", sagt Sternekoch Johann Lafer, der das Projekt unterstützt. "Wer heute einen Gutschein kauft, unterstützt nicht nur sein Lieblingsrestaurant, sondern kann sich nach der Krise auf ein leckeres Essen in seiner liebgewonnenen Umgebung freuen."

Schon circa 1800 Euro Spenden

Die Angebote kommen gut an, es gibt nicht nur viel Bedarf, sondern auch viel Hilfsbereitschaft. Auf der Plattform der "Kiezretter" haben sich binnen einer guten Woche schon 1870 Unternehmen angemeldet. Insgesamt wurden circa 1800 Euro gespendet.

Um weitere Menschen zu erreichen und damit die Hilfe bei noch mehr Unternehmen ankommt, arbeiten die Kiezretter seit kurzem auch mit anderen Portalen zusammen, die auf unterschiedliche Weise Gastronomen und Unternehmen unterstützen wollen. Auf ihrer Seite weisen sie auch auf Crowdfunding-Aktionen hin. Drei bis vier Stunden täglich investiert Richard Maier neben seinem eigentlichen Job in einem Start-up in das Projekt, manchmal arbeitet er bis in die Nacht. Geld wolle das Team damit aber nicht verdienen, sagt er. Im Gegenteil, eigentlich arbeiten er und seine Mitstreiter leidenschaftlich daran, sich selbst überflüssig zu machen: "Im Idealfall sollte nach der Krise unsere Plattform obsolet sein, weil die Menschen unsere Hilfe nicht mehr benötigen."

Sie wollen mit einer Spende helfen?

Sie können Menschen, die gerade besonders schwer von der Corona-Krise betroffen sind, auch mit einer Spende helfen. Die Stiftung stern leitet Ihr Geld an ausgewählte Hilfsprojekte weiter. IBAN DE90 2007 0000 0469 9500 01; BIC DEUTDEHH; Stichwort: Corona Solidarität; www.stiftungstern.de

Themen in diesem Artikel

Wissenscommunity