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Interview

"Höhle der Löwen"-Juror: Jochen Schweizer verrät die wahren Gründe für seinen Ausstieg

In der vierten Staffel muss die "Höhle der Löwen" erstmals ohne Erlebnisunternehmer Jochen Schweizer auskommen. Im Interview spricht der Ur-Löwe über die wahren Gründe seines Ausstiegs, seinen eigenen 100-Millionen-Deal und neue Projekte.

Jochen Schweizer

Jochen Schweizer wird die neue Staffel "Höhle der Löwen" nur als Zuschauer erleben

Wenn am 5. September wieder die Höhle der Löwen startet, wird ein Mann nicht mit dabei sein, der das Format von Beginn an mitgeprägt hat. Jochen Schweizer kam mit seiner lockeren Art beim Publikum gut an und wurde in einer Umfrage zum beliebtesten Löwen gewählt. Zum Ende der vergangenen Staffel verkündete er seinen Rücktritt aus der Show und lieferte sich zum Abschied noch ein kleines Scharmützel mit dem Kollegen Frank Thelen.

Schweizer begründete den Ausstieg damals mit dem Bau seiner Erlebnisarena bei München, die ihn zeitlich zu sehr einspanne. Was zu dem Zeitpunkt niemand wusste: Hinter den Kulissen verhandelte der Unternehmer über den Verkauf seines Gutscheinimperiums für Erlebnisgeschenke an ProSiebenSat1, der den Konkurrenten Mydays betreibt. Der Deal, dem ein Unternehmenswert von rund 100 Millionen Euro zugrunde liegt, wurde im Juni abgeschlossen.

"Die Höhle der Löwen" ist für Jochen Schweizer Geschichte, doch wenn man mit ihm spricht, merkt man, dass ihm die Sendung immer noch sehr am Herzen liegt. Auf eine -Anfrage, was aus den Investments der letzten Staffel geworden ist, antwortet Schweizer nicht kurz und knapp per Mail. Stattdesssen nimmt er sich eine Stunde Zeit für ein Gespräch, um zu erklären, warum er wirklich ausgestiegen ist und was er nun vorhat.

Jochen Schweizer über die Hintergründe des Ausstiegs aus der Höhle der Löwen:

"Viele Leute haben mit Unverständnis auf den Ausstieg reagiert. Ich war in einer schwierigen Situation. Der Bau und die Eröffnung der Arena haben mich sehr beansprucht, das war ein Riesenprojekt. Alleine deswegen wäre ich aber nicht ausgestiegen. Aber daneben habe ich im Hintergrund an einem großen Exit gearbeitet, den ich noch nicht kommunizieren konnte. Als Unternehmer muss man sich auf ein oder zwei Projekte fokussieren, ich hatte aber drei: Die Höhle der Löwen, den Bau der Jochen Schweizer Arena und den Verkauf meiner Digitalsparte. Ein Projekt alleine hätte schon gereicht, um mich auszulasten. Für die Höhle der Löwen muss man sich schon Zeit nehmen als Investor. Es macht keinen Sinn, sich in die Sendung zu setzen und dann keine Zeit für die Gründer zu haben. Das wäre auch nicht fair den Gründern gegenüber."

Über den Verkauf der Digitalsparte:

"So einen Deal verhandelt man nicht nebenher. Schon vor der Ausstrahlung der letzten Staffel Höhle der Löwen saß ich nächtelang in Verhandlungen. Unsere Ausschreibung hatte mehrere dreistellige Millionengebote für meine Digitalsparte und drei Startups ergeben. Ich musste in langen Verhandlungen abwägen, mit wem ich den Deal mache. Letztlich hat den Zuschlag bekommen, obwohl es rein finanziell betrachtet nicht das höchste Gebot war. Für die Firma, die Marke Jochen Schweizer, die Mitarbeiter und auch für mich persönlich war es aber das beste Paket. Denn: über eine Rückbeteiligung bleibe ich nicht nur an dem von mir aufgebauten Internetportal für Erlebnisse beteiligt, sondern bin zukünftig auch am Erlebnisgeschenkeanbieter Mydays beteiligt." (Anmerkung: Jochen Schweizer hält an der fusionierten Jochen Schweizer Mydays Holding zehn Prozent der Anteile.) 

Darüber, was er mit dem Erlös tun wird:

"Ich werde weiterhin jungen Gründern helfen, daran ändert sich nichts. Ich habe jetzt noch bessere Voraussetzungen, um Start-ups zu fördern und eigene unternehmerische Projekte zu verwirklichen. Ich werde sicher nicht die Bodenhaftung verlieren, nur weil mir ein signifikanter Betrag zugeht. Andere kaufen sich Jachten, Flugzeuge oder noch ein weiteres Ferienhaus, das interessiert mich nicht. Ich besitze bereits, was ich besitzen will und mehr brauche ich nicht…"

Über erfolgreiche und weniger erfolgreiche DHDL-Investments:

"Die Frooggies-Gründer machen mir sehr große Freude, weil sie ein gutes Produkt in hoher Qualität entwickeln. Alleine vom Jochen Schweizer Protein Power Shake wurden bisher 250.000 Päckchen verkauft. Demnächst kommt der Jochen Schweizer Super Fruit Riegel auf den Markt. Ich persönlich ernähre mich schon seit Jahrzehnten von sogenannten Superfrüchten.

Bei Foreverly haben wir die Markenbekanntheit extrem gesteigert. Es gibt jetzt einen kostenlosen Hochzeitsplaner und es wird kontinuierlich weiterentwickelt.

HipTrips hat sich sehr gut entwickelt und ich habe beim aktuellen Exit ein Mehrfaches dessen erlöst, was ich investiert habe.

Bei eBall bin ich ausgestiegen, weil die Patentsituation mit zu hohen Risiken verbunden war. Ich hatte keine Lust auf einen kräftezehrenden Patentstreit mit internationalen Konzernen."

Über neue Projekte:

"Wir bauen die Jochen Schweizer Arena in Taufkirchen bei zu einem Tagungszentrum aus, mit einem Resort und einem Hotel für Firmenveranstaltungen und als touristische Freizeitdestination."

Über ein mögliches Comeback in der Höhle der Löwen:

"Das steht derzeit nicht zur Debatte. Ich liebe diese Sendung, ich habe das Format mit geprägt und finde es nach wie vor super. Aber ich bereue den Ausstieg nicht. Als beliebtester Löwe und mit dem gemeinsam an alle Mitwirkenden gegebenen deutschen Fernsehpreis abzutreten, ist nicht die schlechteste Variante. Ich bin schon gespannt auf die neue Staffel. Die erste Folge werde ich verpassen, weil ich dann im Ausland bin, aber ab der zweiten werde ich zuschauen."

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