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Geld in der Ehe: Ehevertrag nur für Promis? Warum Eheleute früh über Geld reden sollten

Nach der Hochzeit ist vor der Scheidung? Fakt ist, dass knapp jede zweite Ehe in Deutschland geschieden wird. Und auch wenn es unromantisch ist: Wer heiratet, sollte frühzeitig über Geld sprechen.

Hochzeit: Was bringt ein Ehevertrag?

Als sich Kim Kardashian und Kanye West 2014 das Ja-Wort gaben, war die Tinte auf dem  schon trocken. West, der schätzungsweise über 100 Millionen Dollar verfügen soll, wollte zwar keinen Kontrakt, der im Falle einer Scheidung die finanziellen Angelegenheiten regelt. Doch offenbar setzten sich seine Anwälte durch. Kim behält nach einer möglichen Scheidung das Haus und bekommt pro Ehejahr 720.000 Dollar, maximal allerdings zehn Millionen Doller. Geschenke und Schmuck darf sie ebenfalls behalten. 

Ein Ehevertrag ist doch nur für neurotische Promis und Superreiche, möchte man meinen. Außerdem gilt das Schreiben als unromantisch: Noch bevor man Ja sagt, soll man sich für das Aus der Ehe wappnen? Nein, über Geld mögen die wenigsten Brautpaare reden. Ein Riesenfehler, wie auch die Stiftung Warentest berichtet. Denn die Regelungen, die der Gesetzgeber für Eheleute im Falle einer Scheidung vorsieht, sind wenig individuell - und auch oftmals antiquiert. 

Fakt ist: In Deutschland wird jede zweite geschieden. Dass man ausgerechnet zu den 50 Prozent gehört, die bis an ihr Lebensende glücklich verheiratet bleiben, ist kaum anzunehmen. Ein Ehevertrag regelt die Aufteilung des Eigentums, damit sich nach dem Beziehungsende keiner als Verlierer fühlen muss. 

Petra Ecclestone und James Stunt

Zugewinngemeinschaft? Gütertrennung?

Mit der Eheschließung tritt automatisch die Regelung der Zugewinngemeinschaft für das Brautpaar in Kraft. "Der Zugewinn wird ermittelt, in dem das Vermögen zum Zeitpunkt der Eheschließung mit demjenigen zum Zeitpunkt der Zustellung des Scheidungsantrags verglichen wird", so Stiftung Warentest. Hat ein Ehepartner mehr Geld erwirtschaftet, muss die Hälfte der Differenz aufbringen. Das klingt alles sehr veraltet - und lehnt sich noch an die Zeit an, als der Mann für das Einkommen und die Frau für Haushalt und Kinder sorgte. Da Ehefrauen kaum oder gar kein Einkommen hatten, waren sie auch die Leidtragenden einer Scheidung. Das sollte so verhindert werden.

Gütertrennung nach Scheidung

Alternativ zu diesem Modell können Eheleute andere Aufteilungen vertraglich festhalten, beispielsweise die Gütertrennung. Bei diesem Vertragsmodell bleiben die Eheleute finanziell unabhängig von einander. Jeder behält das Vermögen, was er in die Ehe eingebracht hat als auch das, was er während der Ehe hinzugewonnen hat. Einen Zugewinnausgleich im Scheidungsfall gibt es nicht. 

Allerdings: Vertragsklauseln, die einen Ehepartner übermäßig benachteiligen, sind unwirksam. Wer nach der keinerlei Versorgungausgleich zahlen will oder für Alter oder Krankheit gar nichts berappen möchte, begibt sich rechtlich auf dünnnes Eis.

1. Tipp: Ehevertrag für Doppelverdiener und Vermögende

Viele Ehen sehen heute anders aus als bei der Elterngeneration. Sind beide Eheleute schon beruflich gefestigt, bietet sich ein Ehevertrag an, der regelt, dass im Falle einer Scheidung keiner der beiden finanzielle Nachteile befürchten muss. Weder der Versorgungs- noch der Zugewinnausgleich sind dann nötig. Ist einer der beiden Eheleute sehr vermögend, der andere quasi mittellos, ist ebenfalls ein Vertrag ratsam. Das gilt auch, wenn ein Unternehmen mit in die Ehe eingebracht wird.

2. Tipp: Zugewinn im Ehevertrag regeln

Eheleute können den Zugewinn in der Ehe abweichend von Gesetz regeln. So kann eine abweichende Ausgleichsquote vereinbart werden. Oder eine Zugewinn - beispielsweise eine Erbschaft oder Betriebsvermögen - ausgeklammert werden. Wichtig: Eheleute sollten per Vertrag das Anfangsvermögen festhalten, damit es im Scheidungsfall nicht zu Streitigkeiten kommt, wann welches Vermögen in die Ehe eingebracht wurde.

3. Tipp: Altersversorgung klären

Die pauschale Versorgung des Ehepartners kann in der Praxis schnell ungerecht werden. Ein Beispiel: Der Ehemann ist selbstständig und zahlt nur wenig oder gar nichts in die Altersvorsorge ein, während seine Frau in Teilzeit arbeitet und sich um die kümmert. Sie zahlt in die Rentenkasse und erwirbt damit Rentenanwartschaften. Im Falle einer Scheidung müsste sie - trotz geringem Gehalt - diese ausgleichen. Keine gerechte Verteilung. 

Dreiecksbeziehung