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Lukrative Erbschaft: Reichtum geerbt - und was nun?

Rund eine Million Bundesbürger erben jährlich. Im Schnitt rund 100.000 Euro. Nach Abzug der Erbschaftssteuer stellt sich die Frage, was tun mit dem Geld? Diese fünf Regeln geben Orientierung.

Durchs Erben plötzlich reich geworden

Das Alter der typischen Erben in Deutschland liegt zwischen 40 und 65 Jahre

stern-online

Darf man sich beim Tod eines lieben Menschen freuen? "Natürlich nicht" , wird jeder schnell antworten. "Man trauert doch!“ Aber wenn der Verstorbene einem Geld vererbt, können die Gefühle schon mal durcheinander gehen: Wer würde sich nicht über, sagen wir, 50.000 Euro in bar freuen.

Dieses Dilemma erleben bei rund 580.000 Erbfällen mit in der Regel mehreren Begünstigten über eine Million Menschen im Jahr. Der typische Erbe ist in Deutschland zwischen 40 und 65 Jahre alt. Und er bekommt – wenn man die zwei Prozent der Superreichen abzieht – um die 100.000 Euro.

Das klingt viel, aber es handelt sich meist nicht um Bargeld. Ein großer Teil des Vermögens steckt oft in Immobilien. Außerdem gibt es noch die Erbschaftssteuer: Etwa 4,5 Milliarden Euro kassiert der Fiskus vom Vermögen Verstorbener im Jahr. Die Steuersätze liegen zwischen 7 und 50 Prozent, je nach Verwandtschaftsgrad. Für Firmenerben gelten Sonderregeln, die gerade überarbeitet werden. Nach dem Finanzamt wartet das nächste Problem auf die Erben: Was tun mit dem Vermögen in einer Zeit, in der die Sparzinsen abgeschafft sind? Fünf Regeln können Orientierung geben:

Fünf Regeln zur Orientierung für Erben 

1. Ruhe bewahren

Kein Geld ausgeben, das man noch nicht sicher hat. Denn ganz so plötzlich wie die Nachricht vom Erbe ist das Geld nicht auf dem Konto. Erst muss das Amtsgericht die Ansprüche klären und den Erbschein ausstellen. Wichtig ist auch, ob man Haupterbe ist oder ein Vermächtnis bekommt. Dann muss man seinen Erbanspruch nämlich erst gegen den Haupterben durchsetzen. Das ist ein bürokratischer Akt und dauert in der Regel einige Wochen, manchmal sogar Monate. Auch wenn es mehrere gleichberechtigte Erben gibt, die anteilig bedacht worden sind, vergeht Zeit, bis das Geld auf dem Konto ist.

2. Reichtum parken

Bereits vor der Auszahlung kann man ein Tagesgeldkonto einrichten. Auch wenn die Leitzinsen bei null stehen, so gibt es dennoch Banken, die ein paar Zehntel Prozent Zinsen springen lassen: Zurzeit bietet etwa die Audi-Bank 1,25 Prozent aufs Tagesgeld, die ING-Diba 1 Prozent oder die Renault-Bank 0,90 Prozent. Und ein Prozent von 50.000 Euro sind immerhin 500 Euro. Selbst wenn man das Geld nur vier Wochen zwischenparkt, kommen so gut 40 Euro zusammen. Immerhin ein Abendessen,das man nicht leichtfertig verschenken sollte.

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3. Schulden tilgen

In Zeiten niedriger Sparzinsen lohnt zunächst der Blick auf die eigenen Kredite. Schließlich ergibt es keinen Sinn, für relativ mickrige Erträge riskante Anlagen zu suchen, wenn man gleichzeitig für das überzogene Konto acht, neun oder gar zehn Prozent Dispo-Zinsen zahlen muss. Dann ist es Zeit, auf eine "Guthaben-Wirtschaft" umzustellen: also das Konto auszugleichen und immer mit ein-, zweitausend Euro im Plus zu steuern. Das erfordert allerdings Ausgabendisziplin – nur weil Geld auf dem Konto ist, darf man es dann nicht sofort ausgeben.

Auch andere, teure Kredite kann man mit einem Erbe möglicherweise zurückzahlen: Alte Hypotheken werden oft noch mit drei oder vier Prozent verzinst. Hier sollte man prüfen, ob Sondertilgungen möglich sind. Man investiert dann das Erbe in die eigene, bereits vorhandene Immobilie, ist schneller schuldenfrei und kann die bisherige Zinszahlung anderweitig verwenden (siehe Punkt 5). Gleiches gilt auch für Autofinanzierungen oder Konsumentenkredite.

4. Ans Alter denken

Wer noch berufstätig ist und einen größeren Geldbetrag erbt, hat die Möglichkeit, seine Altersvorsorge aufzupolstern. Dafür bieten sich langfristigen Geldanlagen (siehe Punkt 5) oder private Rentenversicherungen gegen Einmalbetrag an. Mit 50.000 Euro kann sich zum Beispiel ein 60- Jähriger eine sofortige Zusatzrente von rund 150 Euro sichern. Ein gutes Geschäft wird das allerdings nur, wenn man weit über 80 Jahre wird.
Eine pfiffige Alternative ist, sich ein Altersdomizil zuzulegen: eine kleinere, seniorengerechte Wohnung mit Aufzug und Tiefgarage, in der richtigen Lage; gedacht für die Zeit, in der die Kinder aus dem Haus sind. Mit den 50.000 Euro Eigenkapital und Immobilienzinsen von gerade mal 1,5 Prozent lässt sich sicher etwas Attraktives finden. Bis man selbst dort einzieht, wird die Wohnung vermietet und zahlt sich weiter ab. So ein Modell senkt die eigene Steuerlast und baut ohne Zusatzbelastung weiteres Vermögen auf. Der Clou: Dadurch, dass man in der Wohnung irgendwann einmal selbst wohnen will, spielen Preisschwankungen am Immobilienmarkt kaum eine Rolle. Denn die ändern den Nutzen der Wohnung ja nicht. Wertverluste werden erst für die eigenen Erben wieder wichtig.

5. Richtig investieren

Geld vermehrt sich nur, wenn es arbeitet: entweder in Immobilien (siehe Punkt 4) oder in einem Unternehmen. Auch die Sparzinsen bei der Bank stammen letztlich von den Zinsen, die Unternehmen und Häuslebauer für ihre Kredite zahlen. Die einfachste Form einer Firmenbeteiligung sind Aktien.
Und mit den angenommenen 50.000 Euro lässt sich bereits ein ausgewogenes Portfolio zusammenstellen, bei dem die Risiken auf mehrere Branchen, Regionen und Anlagezeiträume verteilt sind. An sich geht so etwas mit professionell verwalteten Fonds oder Indexfonds, die sich fest an Wertpapierkörben wie zum Beispiel dem deutschen Dax orientieren. Solche Fonds werden ebenfalls an der Börse gehandelt und heißen neudeutsch Exchange Traded Funds oder kurz ETFs.

Neueinsteiger sollten sich unbedingt beraten lassen. Aber Achtung: Banken und Finanzberater leben oft von den Provisionen. Deswegen sollte man immer nach den Gebühren und Ausgabeaufschlägen fragen, die beim Kauf anfallen. Die können nämlich bei ein und demselben Fonds je nach Bank sehr unterschiedlich sein.

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Die "gesetzliche Erbfolge" tritt immer dann ein, wenn der Verstorbene keine Regelung getroffen hat.
Sie orientiert sich an den Versorgungsansprüchen: Zuerst erben Ehe- oder eingetragene Lebenspartner und Kinder, erst danach die Enkel. Diese bezeichnet man als die Erben erster Ordnung (siehe Grafik Seite 76). Beispiel: Ein Ehepaar mit zwei Kindern hat ein gemeinsames Vermögen von 80.000 Euro. Der Mann stirbt. Sein Anteil Vermögen beträgt 40 000 Euro. Davon erbt seine Frau die Hälfte, also 20.000 Euro. Die Kinder teilen sich die andere Hälfte und erhalten je 10.000 Euro. Sollte auch ein Kind bereits verstorben sein, so erben dessen Nachkommen, also die Enkel. Bei zwei Enkelkindern würde jedes 5000 Euro erhalten.

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