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"Überraschende Wendung" Flughafen Frankfurt-Hahn ist insolvent – Flugbetrieb soll weiterlaufen

Frankfurt-Hahn
Frachtmaschinen stehen auf dem Vorfeld des ehemaligen amerikanischen Militärflughafens Hahn im Hunsrück, der heute zivil genutzt wird. Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH meldet Insolvenz an.
© Thomas Frey / Picture Alliance
Die Flughafen Frankfurt-Hahn GmbH hat Insolvenz angemeldet. Zuletzt musste der Flughafen immer wieder Rückgänge beim Passagieraufkommen hinnehmen – auch schon vor der Corona-Pandemie. 

Der Flughafen Frankfurt-Hahn in Rheinland-Pfalz ist in die Zahlungsunfähigkeit gerutscht – nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters soll der Betrieb aber in vollem Umfang weiterlaufen. Er wolle sich nun vor Ort einen Überblick über die aktuelle Lage des Flughafens verschaffen und "die Möglichkeiten für die Sanierung des Unternehmens ausloten", erklärte Sanierungsexperte Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner, der vom zuständigen Amtsgericht Bad Kreuznach zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt wurde.

Amtsgericht eröffnet Insolvenzantragsverfahren für den Flughafen Frankfurt-Hahn

Das Amtsgericht hatte am Dienstag ein Insolvenzantragsverfahren für den Flughafen eröffnet, der mehrheitlich im Besitz der chinesischen HNA Airport Group ist. Auch das Bundesland Hessen hält Anteile an dem Flughafen, der 2019 vor der Corona-Krise 1,5 Millionen Passagiere verzeichnete und dank einer 24-Stunden-Betriebserlaubnis auch ein wichtiger Frachtstützpunkt ist. 2019 wurden dort nach Angaben des Flughafens mehr als 170.000 Tonnen Fracht umgeschlagen.

Plathner erklärte am Dienstagabend, der nächste Schritt werde nun sein, die Löhne und Gehälter der Beschäftigten "zunächst über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung kurzfristig auszuzahlen". Wichtig für alle Reisenden und Frachtspediteure ist nach Angaben des vorläufigen Insolvenzverwalters, dass der Betrieb des Flughafens Frankfurt-Hahn "in vollem Umfang" weiterläuft. Der Flugverkehr finde "wie von den Fluggesellschaften geplant statt", erklärte er. Fluggäste mit speziellen Fragen sollten sich direkt an ihre Fluggesellschaft wenden.

Ehemaliger US-Militärflugplatz

Entstanden war der Flughafen, auf dem im April 1999 erstmals eine Passagiermaschine des irischen Billigfliegers Ryanair gelandet und damit nach Flughafenangaben ein Zeitalter des "Low-Cost-Fliegens" eingeläutet worden war, auf einem ehemaligen US-Militärflugplatz. Er wurde früher mehrheitlich von Rheinland-Pfalz kontrolliert. Im Jahr 2017 übertrug das Land seine Anteile von 82,5 Prozent an die chinesische HNA Airport Group, die restlichen 17,5 Prozent sind im Eigentum des Landes Hessen.

Eine Sprecherin des hessischen Finanzministeriums teilte mit, die konkreten Auswirkungen der Insolvenzanmeldung würden derzeit seitens des Landes überprüft. Hessen halte weiterhin 17,5 Prozent und sei damit Minderheitsgesellschafter der Flughafen Frankfurt Hahn GmbH.

Forderung eines Sozialplanes 

Der luftfahrtpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im hessischen Landtag, Heiko Kasseckert, erklärte, die Insolvenz des Flughafens komme "überraschend". Zuletzt habe sich das Unternehmen aufgrund des gestiegenen Frachtgeschäfts noch "vermeintlich im Aufwind" gewähnt. Die Landesregierung werde sich nun "für eine schnelle und gute Lösung der Nachfolgeregelung im Sinne der Beschäftigten einsetzen".

Der Vorsitzende und finanzpolitische Sprecher der Linksfraktion im hessischen Landtag, Jan Schalauske, forderte das Land Hessen auf, sich im Insolvenzverfahren für die 300 Beschäftigten des Flughafens einzusetzen. "Es braucht einen Sozialplan, der den Betroffenen Sicherheit und eine Perspektive bietet", erklärte Schalauske. Er forderte außerdem ein Zukunftskonzept für den Flughafen. Das Konzept der Regionalflughäfen sei ökologisch nicht zu vertreten und wirtschaftlich nicht tragfähig.

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Der Generalsekretär der rheinland-pfälzischen CDU, Jan Zimmer, bezeichnete die Insolvenz des Flughafens als den "vorläufigen traurigen Höhepunkt einer völlig vermurksten Flughafenpolitik der Landesregierung" unter Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD). Die rheinland-pfälzische Landesregierung habe die Schieflage des Flughafens zu lange ignoriert. "Frau Dreyers Politik kostet unser Land Millionen Euro Steuergelder und den Bürgern Arbeitschancen", kritisierte Zimmer.

stz AFP

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