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Projekt fürs Gemeinwohl Gegen Corona, für mehr Hygiene: Diese Firmen wollen mit Waschbecken to go ihre Existenz retten


Viele kleine und mittelständische Betriebe bangen wegen des Coronavirus um ihre Existenz. In einer Gemeinde in Baden-Württemberg haben sich nun mehrere Unternehmen für ein Projekt zusammengetan. Sie wollen damit ihre Existenz sichern – und gleichzeitig helfen, das Virus einzudämmen.

Als Johannes Veit vor wenigen Tagen nachts aufwacht, hat er einen Geistesblitz. Er kontaktiert am folgenden Tag einen seiner Kunden, den Geschäftsführer eines Schreiner-Betriebes. Sie tüfteln herum, arbeiten die Idee aus und haben "ein, zwei Tage" später ihren ersten Prototyp fertiggestellt: ein 1,60 Meter großes, weißes, mobiles Waschbecken mit kontaktlosem Wasserhahn.

Veit nennt es "mobile handWasch Station". "Beim Einkaufen im Supermarkt ist mir aufgefallen, dass fast alle Kunden Einweghandschuhe tragen“, sagt er dem stern am Telefon. "Das ist eine unglaubliche Ressourcenverschwendung. Stattdessen könnten die Leute sich doch einfach vor Ort die Hände waschen."

Ein mobiles Waschbecken gegen das Coronavirus

Das mobile Waschbecken soll, wenn es nach Veit geht, im Eingangsbereich von Supermärkten, Drogeriemärkten, Bäckereien, Metzgereien, Logistikern, Wareneingängen oder Apotheken stehen. Kurzum: Überall dort, wo derzeit noch viele Menschen herumlaufen. "Behörden, Politiker und Experten raten dazu, sich nun öfters die Hände zu waschen. Warum machen wir es also nicht direkt da, wo wir Gefahr laufen können, uns mit dem Virus anzustecken?"

Die Idee sei aus der Not heraus geboren worden. Veit kommt aus Großbettlingen, eine Gemeinde in Baden-Württemberg unweit von Stuttgart. Es gebe dort viele kleine und mittelständische Betriebe. Er selbst führt einen Handel für Handwerksbedarf. Das Coronavirus mache allen Unternehmen zu schaffen. "Uns brechen die Aufträge hier weg", verrät er. "Das ist existenzbedrohend."

Die "handWasch Station" soll helfen, den Schaden möglichst klein zu halten. Dem Projekt haben sich neben Veits Betrieb vier weitere angeschlossen. Es ist ein Joint Venture, mit dem lediglich die Kosten gedeckt und die Produktion weiterhin ausgelastet werden sollen, sagt Veit. "Wir wollen staatliche Hilfen und Kurzarbeit vermeiden."

Erste Unternehmen hätten bereits Interesse

Bisher sei die Idee gut angekommen. Zwei große Logistikunternehmen und eine Supermarktkette, deren Namen Veit nicht verraten möchte, hätten Interesse angemeldet. "Wir sind in der Lage, 100 bis 300 Stück pro Woche zu produzieren." Dabei stellt er auch noch einmal klar, dass es ihm nicht um Gewinne gehe. "Allein der kontaktlose Wasserhahn kostet 320 Euro." Der Preis von 1186 Euro pro mobilem Waschbecken sei deshalb "absolut fair".

Wichtig ist die Frage, ob die "mobile handWasch Station" von den Kunden überhaupt genutzt würde. Da sieht es bislang noch nicht so aus. "Wir haben in unserer Gemeinde bereits zwei  hingestellt", berichtet Veit. "Die Kunden nutzen sie bislang erst, sobald man sie darauf aufmerksam macht." Sie müssen sich vielleicht erst daran gewöhnen.


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