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Serie: Geldanlage für alle

Risiko minimieren: Aktien für Ängstliche - so können auch Sicherheitsbewusste Geld anlegen

Aktien kaufen? Geld in Fonds stecken? Das ist doch alles viel zu unsicher - oder? Gerade die Deutschen fürchten um das Risiko an den Märkten. Dabei gibt es eine einfache Strategie, die von Finanztest entwickelt wurde.

Keine Angst vor Aktien

Keine Angst vor Aktien - mit diesen Strategien klappt das

Getty Images

Die Börse ist ein Ort zockender Superreicher, Aktien sind sowieso nur für Profis geeignet und überhaupt, sicher ist das Geld ja nicht, wenn man es anlegt - so die landläufige Meinung. Laut einer repräsentativen Umfrage des Marktforschungsinstituts YouGov im Auftrag des Versicherungskonzerns Axa fürchten die rund 2000 befragten Erwachsenen die Börse als Zockerparadies. Dass sich durch Aktien ein Vermögen anhäufen lässt, scheint abwegig. Vor allem die vermögende Gruppe der 51-bis 64-Jährigen misstraut den Märkten und den "unkontrollierbaren Risiken", die Aktien mit sich bringen. 40 Prozent dieser Gruppe lehnen Aktieninvestments kategorisch ab.

Und diese Einstellung hat diese Alterskohorte nicht allein. Börsen-Investments erscheinen den meisten Deutschen als unsicheres Terrain, wenn es um die Altersvorsorge geht. Auch die jüngere Generation macht um Aktien oder Fonds einen Bogen. Zu wenig Ahnung haben die Jungen, zu unsicher scheint die Geldanlage.

Dabei sind Aktien unerlässlich, wenn es um Rendite geht. Das Sparbuch, früher ein Garant für Sicherheit mit kleinen Zinsen, wirft inzwischen nichts mehr ab. Doch wie kann man sich Rendite sichern - und Sicherheit?

Bei Finanztest lautet die Antwort: Pantoffel-Portfolio. Diese Anlagestrategie sei so bequem wie ein Paar Hausschlappen. Und man könne ein Leben lang so Geld anlegen. Die Experten empfehlen einen Mix aus einem Depot (also Aktien in Form von Fonds oder ETF) und einem Tagesgeldkonto. Je nach Risikobereitschaft, fallen die Erträge unterschiedlich aus: Defensiv würde bedeuten, dass 75 Prozent des Geldes auf dem Tagesgeldkonto landet und nur 25 Prozent in Aktien. Wer 50:50 anlegt, wählt den Mittelweg, während 75 Prozent in Aktien schon risikoreicher ist - aber auch mehr Rendite einbringt. Ob nun das "Pantoffel"-Portfolio oder eine eigene Strategie: Wer Geld anlegen will, sollte zuvor die eigene Risikobereitschaft klären. 

Fonds und ETF kaufen

Die Finanztester raten zu einem ETF. Diese Form des Fonds ist besonders günstig und Anleger können an der Wertentwicklung an den Börsen partizipieren. "ETFs beschränken sich darauf, die Entwicklung eines Börsenindex abzubilden. Das kann ein Aktienindex wie der DAX sein, aber auch ein Renten-Index wie der REX, der die Kursentwicklung deutscher Staatsanleihen abbildet. Für Anleger bedeutet das: Ihr ETF-Anteil entwickelt sich immer genauso wie der Index, den er abbildet. Abzüglich der Kosten, versteht sich, die bei Indexfonds in Form von Transaktionskosten und Verwahrungsgebühren entstehen", so Finanztest. Kurz gesagt. Wer einen ETF auf den Dax kauft, braucht nur die Entwicklung des Index beobachten und weiß, wie sich die Geldanlage entwickelt. 

Kritiker bemängeln, dass bei einbrechenden Kursen ein aktives Fondsmanagement fehlt, das gegensteuert. Allerdings zeigt die langfristige Entwicklung von DAX und Co., dass sich solche Schwankungen über die Jahre ausgleichen. Für Anfänger also eine gute Möglichkeit, sich vorsichtig mit der Börse vertraut zu machen, ohne täglich selbst Aktien zu kaufen oder zu verkaufen. Und: Anleger brauchen kein großes Vermögen, um mitzumachen. Sparpläne, bei denen eine fixe Summe in den ETF fließt, gibt es schon ab 25 Euro im Monat. 

Die Warentester haben durchgerechnet, dass ein Sparer, der ab 2008 bis 2018 200 Euro monatlich gespart hat, eine jährliche Rendite von mehr als elf Prozent erzielt hat und auf ein Endvermögen von rund 42.750 Euro kommt. Wer die gleiche Summe auf ein Tagesgeldkonto geschoben hat, erhält nur 24.308 Euro. Wer sogar schon 1988 angefangen hat zu sparen, kommt bei einem reinen Aktien-Portfolio auf rund 212.600 Euro. Wer ein gemischtes Portfolio (eine Hälfte in Aktien, die andere aufs Tagesgeldkonto) gesetzt hat, erhält rund 162.450 Euro. Besonders praktisch: Wird das Geld knapp, kann man die Sparerei stoppen. Rauscht eine Gelhaltserhöhung ins Haus, kann die Sparrate locker erhöht werden. "Ein Sparplan lässt sich jederzeit anpassen", so die Warentester. 

Für die Sicherheitsbewussten ist der zweite Teil des Pantoffel-Portfolios wichtig. Denn neben dem Aktien-Pantoffel setzen die Finanztester auf eine sichere Bank. In der Vergangenheit waren das Rentenfonds, die immer dann gute Rendite erzielen, wenn die Zinsen sinken. Da inzwischen eine weitere Zinssenkung nicht mehr möglich ist, setzen die Finanztester auf ein Tagesgeldkonto. Wie gewichtet wird, ist dem Anleger überlassen: Ausgeglichen 50:50 oder eine eher renditestärkere Gewichtung von 30 Prozent Tagesgeld zu 70 Prozent Aktien. Im August zogen die Experten ein Fazit nach fünf Jahren Pantoffel-Portfolio: Wer 2013 100.000 Euro in einen ETF auf den MSCI World, den weltgrößten Aktien-Index, gesteckt hatte, bekam fünf Jahre später mehr als 135.000 Euro heraus. Bei dem MSCI World SRI, der nur in nachhaltige Firmen weltweit investiert, waren es sogar mehr als 147.000 Euro.

Tagesgeld und Aktien als Mix

Für ängstliche Anleger empfehlen die Finanztester eine Gewichtung von 25 Prozent Aktien-Investment und 75 Prozent Tagesgeld. Dabei darf man zwar keine großen Sprünge erwarten. Nur 2,3 Prozent bringt diese Anlage. Da sind die Aktien die bessere Alternative - auch wenn es an der Börse mal bergab geht. "Wer in solchen Phasen schlecht schlafen würde, sollte lieber einen ausgewogenen oder defensiven Sparplan nehmen. Über­triebene Angst vor zwischen­zeitlichen Verlusten sollten Sparer aber nicht haben. Bisher ging es nach einer Krise früher oder später wieder nach oben. Deswegen können gerade junge Sparer auch höhere Aktien­anteile verkraften als Sparer, die später einsteigen", so die Finanztester. "Fallende Börsen­kurse sind für Sparplan-Sparer gerade am Anfang sogar ein Grund zur Freude. Klingt komisch, aber wenn die Kurse fallen, bekommen sie für ihr Geld mehr Fonds­anteile, da diese nun billiger sind. Je mehr Fonds­anteile sie haben, umso mehr profitieren sie davon, wenn es später mit den Kursen wieder berg­auf geht."

Die Finanztester haben für ein ausgewogenes, also ein 50:50 gewichtetes Aktien- und Tagesgeldkonto-Investment nachgerechnet. Wer im Jahr 1970 mit 35 Lebensjahren umgerechnet 200 Euro pro Monat gespart hätte, würde zum Renteneintritt rund 418.000 Euro erhalten - davon wären selbst nur 72.000 Euro eingezahlt worden. Der Rest wäre saftige Rendite. 

Bei der Frage für wen sich welche Strategie anbietet, können Anlage-Interessierte sich auch beraten lassen. Die Verbraucherzentralen bieten Termine an, auch unabhängige Vermögensberater können weiterhelfen. Vorsichtig sollten Sparer bei Terminen bei Banken sein. Statt das beste Produkt zu bekommen, empfehlen die Mitarbeiter dort meist nur Fonds aus dem eigenen Haus - und die können sehr teuer sein. 

Lesen Sie hier weitere Teile aus der stern-Serie Geldanlage für alle:

- Was ist ein Depot? Und wie finde ich das richtige?

- Warum sich Aktien lohnen

- So kaufen Sie Fonds und ETF

Wie viel Geld muss man für die Rente zurücklegen - und ab wann sollte man beginnen?

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