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Beipackzettel für Finanzprodukte: Wie Anleger geschützt werden sollen

Die Regierung will Beipackzettel für Finanzprodukte einführen, damit Anleger ausreichend über alle Risiken aufgeklärt sind. Verbraucherschützer kritisieren die Vorgaben als "zu lasch". Welche Daten die Informationsblätter enthalten sollen.

Risiken bei Geldanlagen: Künftig sollen Beipackzettel die Anleger mit allen wichtigen Infos versorgen

Risiken bei Geldanlagen: Künftig sollen Beipackzettel die Anleger mit allen wichtigen Infos versorgen

Ähnlich wie bei Medikamenten sollen künftig "Beipackzettel" Verbraucher auch über Finanzprodukte informieren. Die Bundesregierung will mit einem entsprechenden Gesetz Lehren aus der Finanzkrise ziehen und den Anlegerschutz stärken.

Verbraucherschützer begrüßen den Beschluss, halten die Vorgaben allerdings für nicht streng genug. Die zuständige Referentin Dorothea Mohn vom Bundesverband der Verbraucherzentralen kritisierte die neuen Bestimmungen als "zu lasch". Viele schärfere Regeln, die in einem ursprünglichen Entwurf des Bundesfinanzministeriums enthalten gewesen seien, seien wieder herausgenommen worden. Zwar seien die Infoblätter zu begrüßen, aber für sie gebe es zu wenige Vorgaben, bemängelte Mohn.

Die sogenannten Produktinformationsblätter geben Anlegern auf höchstens drei DIN-A4-Seiten Überblick über die wichtigsten Eigenschaften von Geldanlagen - und mögliche Nebenwirkungen. Folgende Informationen sollen auf den Zetteln vermerkt sein:

1. Die Art des Finanzinstruments

Die Finanzinstitute werden Verbrauchern auf den Informationsblättern zunächst grundlegende Informationen zu einer Geldanlage geben. Dazu gehören der Name des Produkts und die Produktart, also zum Beispiel Sparbrief oder Aktienfonds. Vermerkt werden dürfte hier auch der Name einer Bank, die das Produkt ihrem Kunden anbietet, sowie der Name des Anbieters, der ein Wertpapier aufgelegt hat. Das Bundesverbraucherschutzministerium hatte der Branche vor einem Jahr entsprechend Vorschläge gemacht.

2. Die Funktionsweise der Anlage

Die Produktbeschreibung soll erklären, wie genau eine Geldanlage konstruiert ist und wie sie funktioniert. Enthalten seien können hier auch Angaben zur genauen Laufzeit oder Art und Weise der Verzinsung, zum Beispiel, ob es einen festen oder flexiblen Zinssatz gibt.

3. Die Risiken

Da durch die Finanzkrise auch viele deutsche Anleger Geld verloren haben, sollen die Beipackzettel einen raschen Überblick über die Risiken geben, die mit einem Finanzprodukt verbunden sind: Ist die Geldanlage von Börsenkursen abhängig ist und drohen dadurch Verluste? Auch werden die Blätter informieren, wie Verbraucher und ihre Geldanlage bei der Pleite ihrer Bank oder des Wertpapieranbieters geschützt sind - also etwa, ob die Einlagensicherung greift wie bei Sparguthaben. Erwähnt werden können auch Währungsrisiken, wenn der Wert einer Geldanlage von einer fremden Währung abhängt.

4. Die Rendite

Die genaue Rendite einer Geldanlage für Verbraucher soll künftig klar ersichtlich sein. Bei einem Sparbrief könnte hier die feste jährliche Verzinsung angegeben sein - oder eine Staffelung der Zinsen über die Jahre. Bei Fonds können mögliche Kursgewinne als Renditechance dargestellt werden und auch feste jährliche Zahlungen, die Fondsbesitzern zustehen, weil ihr Fonds Dividenden für Aktien von Unternehmen bekommt, die er für die Anleger verwaltet.

5. Die Kosten

Geldanlagen sind häufig auch mit Kosten verbunden. Banken und Sparkassen müssen ihren Kunden künftig klar machen, ob Berater etwa Provisionen für den Verkauf eines Finanzproduktes erhalten - oder ob für den Anleger Kosten für den Kauf und Verkauf der Papiere sowie deren Verwaltung im Depot anfallen.

AFP / AFP