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Bruttogehalt: Der Staat verdient mit

Zwischen Brutto- und Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers liegen Welten. Vor allem Alleinstehende müssen nicht selten über die Hälfte des Bruttoverdienstes für Steuern und Abgaben verwenden.

Der Bund der Steuerzahler aus Berlin hat ermittelt, dass dieBelastung der Arbeitnehmer durch Steuern und Sozialabgaben auch im internationalen Vergleich sehr hoch ist. Hierzulande besteht ein System der sozialen Sicherung für Arbeitnehmer. Jeder, der einen sozialversicherungspflichtigen Job ausübt, leistet seinen Anteil daran. Er zahlt Beiträge zur Sozialversicherung und erwirbt sich dadurch Ansprüche für Leistungen im Bedarfsfall. Im einzelnen fallen Beiträge zur Renten-, Kranken-, Pflege und Arbeitslosenversicherung an.

Krankenkassen verteilen die Beiträge

Diese Versicherungsbeiträge werden je zur Hälfte vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer gezahlt. Grundlage für die Berechnung ist der Bruttolohn des Arbeitnehmers. Die volle Summe wird vom Arbeitgeber an die zuständige Krankenkasse überwiesen, die dann die entsprechenden Anteile an die Rentenversicherungsträger und die Bundesagentur für Arbeit weiterleitet.

Aktuell belaufen sich die Sozialversicherungsbeiträge insgesamt auf etwa 41,7 Prozent des Bruttolohns. Sie schlüsseln sich wie folgt auf: Für Beiträge zur Krankenversicherung sind rund 14 Prozent fällig, die Höhe variiert bei einzelnen Krankenkassen. Für die Rentenversicherung werden 19,5 Prozent des Bruttolohnes aufgewendet, für die Pflegeversicherung 1,7 Prozent, Kinderlose zahlen 0,25 Prozent mehr. Die Arbeitslosenversicherung schlägt mit 6,5 Prozent zu Buche.

<Bis 7664 Euro im Jahr steuerfrei

Zusätzlich zahlt der Arbeitnehmer von seinem Bruttolohn eine Lohnsteuer. Ab 2005 gelten neue Mindest- und Höchst-Steuersätze. Einkommen bis 7664 Euro jährlich sind steuerfrei. Dieser Grundfreibetrag ist für jeden Arbeitnehmer gleich. Danach greifen - je nach Höhe des Einkommens - unterschiedliche Steuersätze. Je höher das Einkommen, desto mehr Steuern müssen an das Finanzamt gezahlt werden. Der Eingangssteuersatz beträgt aktuell 15 Prozent, der Höchststeuersatz 42 Prozent.

Die Höhe des Steuersatzes hängt von den sozialen Verhältnissen ab. Familien mit Kindern werden grundsätzlich weniger belastet als Alleinverdiener. So zahlt ein alleinstehender Arbeitnehmer ohne Kinder für einen Jahresbruttolohn in Höhe von 40.000 Euro genau 8512 Euro Lohnsteuer. Ein verheirateter Familienvater mit zwei Kindern braucht bei gleichem Bruttoeinkommen nur 668 Euro abzuführen.

Geld zurück mit Einkommensteuererklärung

Zusätzlich zur Lohnsteuer sind Solidarzuschlag und Kirchensteuer fällig, deren Höhe von der Einkommenssteuer abhängt. Nach Abzug von Lohnsteuer, Solidaritätszuschlag und gegebenenfalls Kirchensteuer sowie aller Sozialversicherungsbeiträge ergibt sich der Nettolohn. Das ist das Einkommen, das der Arbeitnehmer wirklich für seinen Lebensunterhalt verwenden kann.

Das deutsche Steuersystem ist kompliziert und enthält viele Ausnahmeregelungen. Um die individuellen Gegebenheiten jedes einzelnen Arbeitnehmers berücksichtigen zu können, muss für jedes Jahr eine Einkommensteuererklärung abgegeben werden. Darin können Sonderausgaben, außergewöhnliche Belastungen, Werbungskosten und andere Aufwendungen geltend gemacht werden, die im betreffenden Kalenderjahr angefallen sind. Das Finanzamt erkennt diverse Kosten an, zum Beispiel für Weiterbildung, doppelte Haushaltsführung, Fahrten von und zur Arbeit. Diese Kosten mindern letztlich die Steuerlast des Arbeitnehmers und erhöhen sein Nettoeinkommen.

Reiner Fischer/DDP/DDP

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