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Hochzeit, Scheidung, Erbe Wem gehört was? Die größten Geld-Irrtümer über die Ehe

Hochzeit
Die Hochzeit hat auch wichtige rechtliche und finanzielle Implikationen
© Getty Images
Gehört nach der Hochzeit jedem die Hälfte des Vermögens? Wer bekommt was bei der Scheidung? Und hafte ich für Schulden meines Partners? Die Experten von "Finanztest" klären über die häufigsten Ehe-Irrtümer auf.

Trauzeremonie, Walzer, Party: Die Hochzeit ist ein Fest der großen Gefühle. Daneben gibt es aber auch noch die weniger romantischen Aspekte des Ehebundes. Schließlich bringt eine Heirat neben einem Ring am Finger auch noch zahlreiche rechtliche und finanzielle Konsequenzen mit sich.

Dass Verheiratete oft Steuern sparen können, das wissen viele gerade noch. Bei anderen fundamentalen Geld-Fragen herrschen dagegen oft Unwissenheit oder Irrglaube. Die Experten der Zeitschrift "Finanztest" räumen in der aktuellen Ausgabe daher mit den häufigsten Irrtümern auf. Welche dieser Punkte hätten sie gewusst?

Irrtum 1: Nach der Heirat gehört beiden Partnern alles gemeinsam

Das ist keineswegs der Fall. "Eine Heirat ändert nichts an den Vermögensverhältnissen der Partner", schreibt "Finanztest". Alles, was ein Partner mit in die Ehe bringt, gehört weiterhin ihm. Und das gilt nicht nur für die Plattensamlung, sondern auch für das Auto oder die Immobilie, in der nun beide gemeinsam wohnen. Und auch wenn ein Partner während der Ehe etwas anschafft, gehört dies erstmal ihm – es sei denn, es ist vor einem Notar ausdrücklich "Gütergemeinschaft" vereinbart worden, dann gehört alles während der Ehe Angeschaffte beiden.

Kommt es zur Scheidung, wird in der Regel der Wert aller während der Ehe angeschafften Vermögensgegenstände und erwirtschafteten Ersparnisse ermittelt und je zur Hälfte auf beide verteilt. Dieser sogenannte "Zugewinnausgleich" sorgt dafür, dass der Partner, der in der Ehe weniger Vermögen hinzugewonnen hat (weil er vielleicht weniger gearbeitet und mehr Kindererziehung geleistet hat), für diese Zeit finanziell nicht benachteiligt wird. Alles, was schon vor der Ehe da war, wird nicht mit eingerechnet.

Irrtum 2: Ein Partner haftet auch für die Schulden des anderen

Das gilt weder automatisch für die Schulden, die mit in die Ehe gebracht werden, noch für die Schulden, die ein Partner während der Ehe anhäuft. Nur wenn die Eheleute gemeinsam einen Kredit aufnehmen, zum Beispiel für einen Immobilienkauf, haftet jeder für das gesamte Darlehen. Schulden, die mit in die Ehe gebracht werden, werden übrigens bei einer Scheidung in der Berechnung des Zugewinnausgleichs berücksichtigt.

Irrtum 3: Getrennte Konten zu haben, bedeutet Gütertrennung

Nein, ob man ein gemeinsames Konto hat oder getrennte Konten, spielt dabei keine Rolle. Paare, die Gütertrennung wollen, müssen dies in einem notariell beurkundeten Ehevertrag festlegen. Dadurch wird festgelegt, dass die Vermögen vollständig getrennt sind. Bei einer Scheidung fände dann nicht der sonst übliche Zugewinnausgleich statt.

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Irrtum 4: Wenn ich etwas verkaufen will, muss mein Partner zustimmen

Da selbst bei gemeinsamem Haushalt und gemeinsamen Konten jeder Ehepartner über ein eigenes Vermögen verfügt (siehe Irrtum 1), kann auch jeder eigenmächtig verkaufen, was ihm gehört. Ausnahmen: Sein "Vermögen im Ganzen", also nahezu alles, darf man laut BGB nur verkaufen, wenn der Partner einwilligt. Auch für den Verkauf von Haushaltsgegenständen wie Fernseher oder Waschmaschine benötigt man die Zustimmung des anderen.

Irrtum 5: Beim Tod meines Partners erbe ich alles

Das gilt nur in Ausnahmefällen. Gibt es kein Testament, sind neben dem Partner immer auch die gemeinsamen Kinder erbberechtigt. Sind diese verstorben, begünstigt die gesetzliche Erbfolge Enkel und gegebenenfalls sogar Urenkel. Bei Kinderlosen können Eltern, Geschwister und deren Kinder als Erben zum Zug kommen. Wer will, dass sein Partner im Todesfall alles bekommt, muss diesen im Testament zum Alleinerben machen. Und selbst dann noch sieht das Gesetz Pflichtteile für die engsten Verwandten vor.

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bak

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