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Die Kluft wird größer: Die Gehälter der Top-Manager: Der Post-Chef verdient das 232-fache eines normalen Mitarbeiters

Ist es okay, wenn ein Konzernchef so viel verdient wie 232 normale Angestellte? Eine Studie zeigt, wie sehr sich die Gehälter deutscher Top-Manager von denen ihrer Belegschaft entfernen.

Frank Appel

Frank Appel, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post, auf der Hauptversammlung des Konzerns in Bonn

DPA

Dass der Chef eines Dax-Konzerns mit Hunderttausenden Mitarbeitern ein bisschen mehr verdient als der Durchschnittsangestellte, ist erstmal nicht ungerecht. Aber wieviel mehr ist angemessen? Das 10-fache? Das 100-fache? Das 232-fache? Auf jeden Fall haben sich die Gehälter deutscher Top-Manager in den vergangenen Jahren von denen ihrer Belegschaft deutlich entfernt. Dies ist das Ergebnis einer Studie des Instituts für Mitbestimmung und Unternehmensführung (IMU) der gewerkschaftsnahen .

Zum fünften Mal untersuchte das IMU die sogenannte "Manager to Worker Pay Ratio", also das Verhältnis der Bezahlung zwischen Chefs und Arbeitern. Es zeigte sich, dass die Vorstände in den Dax-Unternehmen - den 30 größten börsennotierten Konzernen - im Schnitt 71-mal so viel verdienen wie ein durchschnittlicher Beschäftigter in ihrer Firma. Das ist der höchste Wert, den das IMU je erhoben hat. 2014 hatten die Top-Manager im Schnitt das 57-fache kassiert, 2005 war es noch das 42-fache. "Die Schere öffnet sich weiter", sagt Studienautorin Marion Weckes.

Dax-Chefs verdienen im Schnitt das 97-Fache

Noch krasser fällt die Differenz aus, wenn man sich nur die Gehälter der Vorstandsvorsitzenden anschaut. So verdienten die CEOs der 30 im Geschäftsjahr 2017 im Schnitt sogar das 97-fache eines durchschnittlichen Untergebenen. Ein Vergleich zu den Vorjahren fehlt hier, weil die Vorstandsvorsitzenden erstmalig separat betrachtet wurden.

Auffällig ist, dass die Gehaltslücke je nach Konzern sehr unterschiedlich ausfällt. Spitzenreiter in dieser Disziplin ist der Chef der , Frank Appel, er bekam im vergangenen Jahr 232 Post-Durchschnittsgehälter überwiesen. Oder anders gesagt: Ein normaler Post-Angestellter müsste 232 Jahre arbeiten, um auf das Jahressalär des Oberpostmanns zu kommen.

Auf Rang zwei der Liste liegt der Vorstandsvorsitzende von Heidelberg Cement, Bernd Scheifele, mit dem 201-fachen Durchschnittsgehalt. Gefolgt wird er von Adidas-Chef Kasper Rorsted, der sich über das 192-fache eines gemeinen Adidas-Angestellten freuen darf. -CEO Martin Zielke dagegen muss sich mit dem 25-fachen Durchschnittsgehalt begnügen. Aber sein Unternehmen hat auch den geringsten Börsenwert der Dax-30 und droht gar, ganz aus dem Index zu fallen.

"Manager to Worker Pay Ratio" in den 30 Dax-Unternehmen

Konzern

Vorstands-vorsitzender (im Geschäftsjahr 2017)

Verdient so viel wie X durchschnittliche Angestellte

Deutsche Post

Frank Appel

232

Heidelberg Cement

Martin Scheifele

201

Adidas

Kasper Rorsted

192

Daimler

Dieter Zetsche

171

SAP

Bill McDermott

163

Thyssen Krupp

Heinrich Hiesinger

136

Siemens

Joe Kaeser

133

BASF

Martin Brudermüller

120

Fresenius Medical Care

Rice Powell

119

Vonovia

Rolf Buch

117

Continental

Elmar Degenhart

114

Henkel

Hans van Bylen

112

Merck

Stefan Oschmann

93

BMW

Harald Krüger

88

Lufthansa

Carsten Spohr

85

Deutsche Telekom

Timotheus Höttges

83

E.ON

Johannes Teyssen

81

Infineon

Reinhard Ploss

73

Munich Re

Joachim Wenning

64

Linde

Aldo Belloni

61

Bayer

Werner Baumann

58

Allianz

Oliver Bäte

58

Fresenius SE

Stephan Sturm

57

Beiersdorf

Stefan Heidenreich

53

Deutsche Börse

Carsten Kengeter

41

RWE

Rolf Martin Schmitz

36

Deutsche Bank

John Cryan

35

ProSieben Sat.1

Thomas Ebeling

35

Commerzbank

Martin Zielke

25

Quelle: Hans-Böckler-Stiftung



IMU fordert Transparenz und Nachhaltigkeit

Bei den einfachen Vorständen reicht die Spanne vom 20-fachen des Firmen-Durchschnittsgehalts bei der Commerzbank bis zum 159-fachen bei der Deutschen Post. Das IMU will mit der Studie für mehr Transparenz bei der Diskussion um die Verhältnismäßigkeit von Löhnen für Top-Manager sorgen. Zudem fordert das Institut die Unternehmen auf, die Messgröße von sich aus zu publizieren.

Für IMU-Direktor Norbert Kluge ist klar, dass die Gehaltskluft zwischen Top-Managern und Durchschnittsverdienern zu groß ist. "Managergehälter müssen leistungsgerechter werden", sagt Kluge. "Das nachhaltige Unternehmen mit Perspektiven für Arbeitsplätze und Standorte muss dafür der Maßstab sein - und nicht nur der Börsenwert eines Unternehmens." 

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bak