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Werden Tampons teurer?: Nach Senkung der Tamponsteuer droht die Preiserhöhung – das sorgt für (unbeantwortete) Fragen

Gerade erst konnten wir den Erfolg jahrelanger Begehren feiern: Die Mehrwertsteuer auf Periodenprodukte wurde gesenkt. Doch nun sollen einige Hersteller ihre Preise anheben wollen. Was ist dran?

Hand hält Tampon

Preiserhöhung nach Steuersenkung: Werden Tampons wieder teurer?

Getty Images

Die Nachricht verbreitete sich am vergangenen Wochenende vor allem in den sozialen Netzwerken wie ein Lauffeuer: Nachdem mit dem Jahreswechsel auch die heiß erkämpfte Ermäßigung der Mehrwertsteuer auf Periodenprodukte kam, streben einige Hersteller von Periodenprodukten an, ihre Produkte in der näheren Zukunft teurer zu machen. Insbesondere Johnson & Johnson, Hersteller des Marktführers o.b., wurde in diesem Zusammenhang genannt.

Seither hat NEON versucht, weitere Informationen zur Preiserhöhung zu sammeln. Wir wollten wissen: Was hat es mit den Plänen auf sich? Wie wird der Schritt gerechtfertigt? Wieso folgt die Preiserhöhung unmittelbar nach der Steuersenkung, nachdem man uns bei Johnson & Johnson ja noch im letzten Jahr versichert hatte, dass das Unternehmen viel Wert auf Gleichberechtigung lege und in der Steuersenkung einen symbolischen Schritt erkenne? Wir müssen zugeben: Sehr viel schlauer sind wir in den vergangenen Tagen nicht geworden. Die Preisstrategien der Tamponindustrie werden offensichtlich besser bewacht als das ein oder andere Staatsgeheimnis.

Laut der "Lebensmittelzeitung" soll die Preiserhöhung richtig reinhauen. Dort heißt es, in der Branche sei von einer Erhöhung im zweistelligen Prozentbereich die Rede. Natürlich liegt da die Vermutung nahe, dass es sich bei diesem zweistelligen Betrag um eben jene zwölf Prozent handelt, die die Produkte nach der Ermäßigung der Steuer günstiger geworden sind. Womit wir beim Problem wären: Denn auch wenn die Mehrwertsteuer nie in den Taschen der Händler oder des Herstellers landeten, wäre diese Situation natürlich perfekt, um eine ordentliche Portion mehr Gewinn rauszuschlagen, ohne dass die Kundinnen etwas bemerkten. Eine Befürchtung, die wir bei der Planung unserer #keinLuxus-Petition auch hatten, weshalb wir uns von einigen Herstellern und Händlern schriftliche Bestätigungen haben geben lassen, in denen sie uns zusicherten, dass es im Rahmen der Steuersenkung keine Erhöhung des Verkaufspreises geben würde.

Dass Menstruierende den Verkaufspreisen alternativlos ausgeliefert sind, war bereits ein wichtiger Bestandteil unserer Kampagne, denn wir haben nun einmal keine andere Wahl, als diese Produkte zu kaufen. 

Eine Preiserhöhung würde die Symbolkraft der Steuersenkung minimieren

Auf Nachfrage bei Johnson & Johnson sagte man NEON zunächst: "Wir haben die Herstellerabgabepreise zum Jahreswechsel nicht erhöht. Es gibt keinen Zusammenhang zwischen unseren Herstellerabgabepreisen und der Steuersenkung." Eine Aussage, die man als problematisch einstufen kann, denn: Der Jahreswechsel mag ein paar Wochen zurückliegen, doch wir befinden uns noch immer am Anfang des Jahres. Eine Preiserhöhung zu diesem Zeitpunkt wird in den Gedanken der Verbraucherinnen immer auf die Steuersenkung zurückgeführt werden und damit die Symbolkraft der Ermäßigung minimieren.

Laut Informationen des "Tagesspiegel" sind einige Hersteller sogar bereits mit ihrer Preiserhöhung an die Händler getreten. Die Supermarktkette Kaufland bestätigte dem Blatt: "Auch wir haben Preiserhöhungen für Monatshygieneprodukte erhalten." Man könne diese allerdings nicht nachvollziehen und sei diesbezüglich noch in Verhandlungen. Wie eine Preiserhöhung zu rechtfertigen wäre, ist bislang nicht ersichtlich. Und auch Johnson & Johnson hält sich diesbezüglich bedeckt: "Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir […] unsere Preisstrategie nicht kommentieren." Laut NEON-Informationen sind zumindest die Preise für den benötigten Rohstoff Cellulose, den Johnson & Johnson laut Website für ihre Tampon-Herstellung nutzen, nicht angestiegen.

Ein junger Mann in rotem Sweathirt und eine junge Frau in schwarzem Top betrachten ein Supermarktregal voller Periodenprodukte

Am Dienstag äußerte sich der Marktführer in Sachen Tampons dann erneut: "Als Hersteller von o.b. begrüßt die Johnson & Johnson GmbH die Steuersenkung auf Menstruationsprodukte. Wir haben unsere Preise nicht erhöht und werden im Zusammenhang mit der Steuersenkung unsere Tampon-Preise nicht erhöhen." Was zunächst wie ein Erfolg wirkt, wirft weitere Fragen auf: Ja, noch wurden die Preise nicht erhöht, aber das schließt nicht aus, dass die Firma dies in näherer Zukunft plant. Und dass sie es zumindest nach außen nicht in den Zusammenhang mit der Steuersenkung stellen werden, hatte der Marktführer ja bereits angekündigt. Auf weitere, wiederholte Nachfragen von NEON hat die Firma bislang nicht reagiert.

In den sozialen Medien macht sich bereits massiver Protest breit – an einigen Stellen ist sogar von einem o.b.-Boykott die Rede. Ob es dazu kommen wird oder ob Johnson & Johnson es sich doch noch einmal anders überlegen, wird sich noch zeigen. Aber wir können versprechen: NEON wird das Thema weiterhin begleiten.