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So übersteht man eine Scheidung – sieben Ratschläge einer Top-Anwältin

Die Trennungen der Reichen und Schönen sind das Revier von Ayesha Vardag. Aber die teuerste Anwältin Großbritanniens weiß auch, woran normal verdienende Frauen denken müssen, damit eine Trennung nicht zum Desaster wird.

Wenn es nicht mehr läuft, braucht eine Frau einen guten Anwalt oder einen Ehevetrag.

Wenn es nicht mehr läuft, braucht eine Frau einen guten Anwalt oder einen Ehevetrag.

Ayesha Vardag ist die teuerste Scheidungsanwältin in Großbritannien. Die 49-Jährige berechnet 795 Pfund die Stunde für ihre Mühen. Durch ihre wilden Kämpfe in Promi-Scheidungen ist sie inzwischen eine britische Berühmtheit geworden. Den Leserinnen der "Daily Mail" gibt die Anwältin ausnahmsweise umsonst Ratschläge, wie man am besten eine Scheidung überstehen könne. 

Die gute Nachricht: Heute ist es nicht schwer, eine zu erreichen. Wenn sich beide Parteien einig sind, sei es ein Kinderspiel, meint Vardag. Doch sobald Werte im Spiel seien, ist es meist mit der Fairness vorbei. Dann muss eine Frau etwas im Rücken haben, um sich durchzusetzen. Ein solider Ehevertrag etwa oder einen "verdammt guten" Anwalt.

Natürlich merkt man, welche Klientel Ayesha Vardag vertritt. In ihren Scheidungen geht es um sehr viel Geld. Ihre Bemühungen sind darauf gerichtet, ihren Klienten einen fairen Anteil am gemeinsamen Besitz zu sichern. Umgekehrt gilt leider: Wer arm ist, wird auch durch eine Scheidung nicht reich werden.

Opfer für die Familie absichern

Doch auch Frauen, die nicht aus dem Kreis der Superreichen stammen, können von ihren Ratschlägen profitieren. Auf die gesetzlichen Unterhaltsregeln dürfen Frauen heute weder in noch in Deutschland bauen. "Heute dient der Unterhalt nur dazu, sich ein neues Leben nach einer Scheidung aufzubauen. Es erlaubt einer Frau nicht, fortan nur Essen zu gehen und Tennis zu spielen."

Frauen müssen sich absichern, wenn sie in ihrem Erwerbsleben besondere Opfer für die Familie bringen. Das trifft auf eine Frau zu, die ein repräsentatives Haus mit Angestellten führt. Das gilt aber auch für eine Normal-Verdienerin, wenn das Paar übereinkommt, dass sie wegen der Kinder beruflich kürzer tritt. Ein typischer Fall in , mit seinem hohen Anteil an Frauen in Teilzeittätigkeiten.

Sieben Tipps von Ayesha Vardag

1. Ein Ehevertrag ist ein Muss

"Es ist naiv auf so einen Vertrag zu verzichten. Das ist, als wenn man auf die Feuer-Versicherung verzichtet, weil man denkt, das eigene Haus wird schon nicht abbrennen. Ein Ehevertrag sollte so selbstverständlich sein, wie ein Testament." Es sei auch nicht teurer, als ein Testament zu hinterlegen. "Es ist langweilig und fühlt sich ein wenig unangenehm an, aber es ist sehr wichtig."

2. Geld ist wichtig und Geld ist ein Thema

"Wenn man zu Beginn einer keine gemeinsamen Nenner beim Thema Geld findet, wird es auch auf den anderen, tieferen Ebenen der Beziehung nicht funktionieren", sagt Vardag.

3. Sei nicht zu vertrauensselig

Mach dich nicht finanziell abhängig, indem du erlaubst, dass eheliches Vermögen nur unter einem – seinem - Namen läuft. Wenn du schon während der Ehe nicht auf euer Geld zugreifen kannst, wirst du es während einer Scheidung erst recht nicht können. Jedenfalls nicht ohne einen teuren Rechtsstreit.

4. Wappne dich fürs Schlimmste 

Denk daran, dass eine Scheidung schmutzig werden kann. Bei großem Besitz oder bei Streit um die Kinder kann es sich leider auszahlen, sich gegenseitig mit Dreck zu bewerfen.

5. Höre nie ganz auf, in deinem Beruf zu arbeiten

Es ist sehr viel schwerer, wieder finanziell unabhängig zu werden, wenn du mit deiner Karriere komplett aufgehört hast. Die Zeiten, in denen Unterhaltszahlungen eine Frau ein Leben lang versorgt haben, sind lange vorbei.

6. Geld tröstet über manches hinweg

Es wird schwer, auf eigenen Beinen zu stehen, wenn du als Nur-Hausfrau gelebt hast. Tröste dich ein wenig damit, dass dir ein fairer Teil am gemeinsamen Vermögen zusteht. Das ist nicht in allen Ländern so.

7. Mach dich nicht fertig, weil deine Ehe nicht funktioniert hat

Auch wenn es schwer fällt, gebt euch nicht gegenseitig die Schuld. Verhandelt fair – und zieht dann weiter. "Ich habe so viele Menschen so schwer leiden sehen, weil sie das Scheitern ihrer Ehe nicht ertrugen. Während ihr Leben in Wirklichkeit nur in eine andere Phase getreten ist."

Gefühle im Zaum halten 

Ayesha Vardag kennt sich in der Sache aus. Die Scheidungen schnellen ihrer Meinung nach nicht nach oben, weil die Leute heute gemeiner und selbstsüchtiger als früher sind. Nun leben die Menschen sehr viel länger, daher kann das Leben sie auch in unterschiedliche Richtungen führen. Ihre Motivation stammt aus ihrer Kindheit: "Ich bin in einer kleinen Familie mit lauter Scheidungen groß geworden. Ich werde angetrieben von dem Wunsch, Kindern diese Art von Bitterkeit zu ersparen."

Das Haupthindernis, eine gute Einigung zu erzielen, sind die Gefühle der Ex-Partner. "Wir werden zu emotional. Du wirst von Eifersucht gequält und hast Angst, dein Leben allein zu verbringen. Dann muss man aufpassen, dass man keine falschen Entscheidungen trifft. Schlimm wird es, wenn das Recht dazu führt, die Beziehungen zu vergiften. In Großbritannien kann die finanzielle Situation durch das Waschen schmutziger Wäsche verbessert werden. In Deutschland führt der erbitterte Kampf um Sorgerechte und Besuchszeiten häufig zu einer Schlammschlacht vor Gericht.

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