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Wenn der Steuerberater schlampt

Formularwust, Abschreibungstabellen, Doppelbesteuerung - unser Steuersystem wird immer unübersichtlicher. Viele Steuerzahler leisten sich da lieber einen Berater - doch auch die sind nicht unfehlbar. Wir erklären, wann der Steuerberater für entstandene Schäden haften muss.

Böse Überraschungen lassen sich vermeiden, wenn Sie Ihren Steuerberater mit Bedacht wählen

Böse Überraschungen lassen sich vermeiden, wenn Sie Ihren Steuerberater mit Bedacht wählen

Die Steuererklärung auf dem Bierdeckel - das ist noch Zukunftsmusik. Bis auf weiteres müssen sich viele Steuerzahler noch durch einen Wust von Formularen und Paragrafen zu Abschreibungstabellen, Pauschalen, Doppelbesteuerung oder Werbungskosten kämpfen. Viele greifen deswegen auf die professionelle Hilfe eines Steuerberaters zurück. Doch auch die sind nicht unfehlbar: Anke B. staunte nicht schlecht über die Rechnung ihres Steuerberaters. 100 Euro mehr als vereinbart wollte er haben, obwohl er ohne nachvollziehbaren fachlichen Grund vier Monate länger als versprochen für die Bearbeitung gebraucht hatte. Zudem hatte er in einem Formular zu Vermietungseinkünften die Namen der Besitzer vertauscht und diesen Fehler auch nach einer Reklamation nicht vollständig korrigiert.

Die Chemie muss stimmen

Doch die Klienten können sich vor solchen bösen Überraschungen schützen. Das beginnt schon bei der richtigen Wahl des Steuerberaters. "Der Berater muss ein Mann oder eine Frau meines Vertrauens sein", sagt Aenne Riesenberg von der Verbraucherzeitschrift "Finanztest". Schließlich übergebe man ihm eine Reihe sehr persönlicher Informationen. "Wenn die Chemie nicht stimmt, sollte man den Berater wechseln", empfiehlt sie. Bei der Suche nach dem passenden Berater mit etwaigen Spezialgebieten helfen der Steuerberaterverband und die Steuerberaterkammern.

Grundsätzlich haftet der Steuerberater und ist deswegen per Gesetz verpflichtet, eine Versicherung gegen die sich aus seiner Berufstätigkeit ergebenden Haftpflichtgefahren abzuschließen. Wenn dem Mandanten etwa eine Steuererstattung wegen eines Fehlers des Beraters verloren geht, kann der Mandant Schadenersatz fordern, wie Riesenberg erklärt. Trotzdem raten Verbraucherschützer und der deutsche Steuerverband (DStV), vor Erteilung des Mandats einen schriftlichen Steuerberatungsvertrag abzuschließen. In diesem werden Auftragsumfang, Pflichten und Rechte des Beraters und des Mandanten sowie Honorar, Dauer und Haftung festgelegt werden.

Möglich: Außerordentliches Kündigungsrecht

Sollten sich während der Bearbeitung Zweifel an der Eignung des Steuerberaters einstellen, so hat der Kunde mit dem Verweis auf das Fehlen eines Vertrauensverhältnisses - ähnlich wie bei einem Rechtsanwalt - ein außerordentliches Kündigungsrecht, wie Carel Mohn, Sprecher des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbz) erklärt. Bei Zweifeln an der Rechtmäßigkeit der Rechnung sollten die Kunden zwar bezahlen, die Zahlung allerdings nur unter Vorbehalt bis zur Klärung des Sachverhalts leisten, rät Mohn.

In solchen Fällen vermitteln die Steuerberaterkammern als neutrale Körperschaften des Öffentlichen Rechts zwischen Mandanten und Beratern. Oft hilft jedoch schon ein sachliches Gespräch. Im Fall von Anke B. korrigierte der Berater nach einer Unterredung die Formulare und stellte eine niedrigere Rechnung aus. Zufriedene Kunden seien das A und O seines Berufs, schließlich sei er von guter Mund-zu-Mund-Propaganda abhängig, erklärte der Berater.

Stephan Köhnlein, AP/AP/DPA

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