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Handwerk: Schwaben schreinern für königliche Yachten

Bill Gates, König Juan Carlos und Roman Abramowitsch - ein kleiner Familienbetrieb in der schwäbischen Provinz hat die Reichsten der Welt als Kunden. Für ihre exklusiven Yachten besorgt die Firma die Innenaustattung.

Weit weg von Mittelmeer und Atlantik ist ein Familienbetrieb in der schwäbischen Provinz erfolgreich mit dem Innenausbau von Exklusiv-Yachten. Die Brüder Josef und Dieter Fitz betreiben dafür in Mertingen bei Donauwörth eine Spezial-Schreinerei und Möbelwerkstätte. Die Kundschaft ist international, begütert und hat hohe Ansprüche. "Wir verkaufen nicht nur Ware, sondern ein Lebensgefühl", sagt Dieter Fitz.

Betuchte Kunden

Der 47-jährige kümmert sich um den kaufmännischen Bereich. Sein Bruder Josef (43) ist als Schreinermeister für alles Technische zuständig. Die Schwaben durften bereits Hand an die Yacht "Fortuna" des spanischen Königs Juan Carlos anlegen. Auch am Innenausbau der "Pelorus", einer der größten Luxus-Yachten der Welt, waren die Brüder Fitz beteiligt. Derzeitiger Eigner ist Roman Abramowitsch, russischer Milliardär und Besitzer des englischen Fußballclubs "Chelsea". Auch Microsoft-Chef Bill Gates war schon Kunde der nordschwäbischen Handwerker. Die Schreiner aus Mertingen bauten für ihn ein Appartement aus.

Illustre Namen flattern nicht von selbst in die Kundenkartei. Zum Geschäftserfolg gehören Qualität und Diskretion. "Da werden höchste Ansprüche gestellt", betont Fitz. Exklusives soll möglichst privat bleiben und nicht in bunten Blättchen auftauchen. Werbung hat das Unternehmen nicht nötig. Aufträge kommen hauptsächlich über Empfehlungen. Geld spielt bei den meisten Kunden keine Rolle.

Als kleine Bauschreinerei angefangen

Das Familienunternehmen war ursprünglich eine Bauschreinerei. Als die Brüder vor rund 20 Jahren in den väterlichen Betrieb einstiegen, erschien ihnen die Perspektive "Fensterbau" nicht sonderlich zukunftsträchtig. Sie wollten kreativ arbeiten. Die jungen Unternehmer spezialisierten sich auf Innenausbau und knüpften erste Kontakte. "Es war die richtige Entscheidung", weiß Fitz heute. "Wir setzen Lasertechnik ein", sagt der 47-Jährige. Es gebe kaum Schreinereien in Deutschland, "die diesen Standard anbieten". Der Laser ermöglicht exakte Schnitte und filigrane Muster.

43 Mitarbeiter - überwiegend Schreiner - planen, zeichnen und bauen die gewünschten Interieurs. Die Vorlagen liefern angesehene Yacht-Designer. Damit die edle Ausstattung später auch ins Steuerhaus eines Schiffes, in Bad oder Schlafzimmer passt, wird millimetergenau gearbeitet. Auf Bodenplatten werden die Räume zuerst in der neuen Produktionshalle in Mertingen wirklichkeitsgetreu nachgezeichnet.

Werften und Yachten als zweiter Arbeitsplatz

"Das ist unsere Spezialität", sagt Fitz. Danach passen die Mitarbeiter Schränke, Sofas, Fensterfronten, Wand- oder Deckenverkleidungen in die originalen Raummaße ein. Ist das luxuriöse Teil fertig, geht es in Container verpackt auf Reisen. Die schwäbischen Schreiner kennen viele Werften und Yachthäfen. Denn dort, wo das jeweilige Schiff liegt, ist dann ihr zweiter Arbeitsplatz.

Der Unternehmer Dieter Fitz, der seit seinem 16. Lebensjahr im Rollstuhl sitzt, misst Erfolg nicht allein in Zahlen. "Man lernt sehr viele interessante Menschen kennen", sagt er. Hinzu komme die berufliche Anerkennung bei Kunden, Designern und Künstlern. "Unsere Handwerkskunst wird da sehr geschätzt."

Christa Fünffinger/DPA / DPA