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Neue EU-Regeln: Nerviges Warten auf den Heizungsableser – damit ist bald Schluss

Der Besuch vom Heizungsableser soll standardmäßig von der Fernablesung abgelöst werden. Ein weiteres Ärgernis bleibt den Mietern erhalten: Sie sollen weiterhin die Kosten fürs Ablesen tragen.

Der Heizungsableser dürfte in einigen Jahren der Vergangenheit angehören

Der Heizungsableser dürfte in einigen Jahren der Vergangenheit angehören

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Wenn sich der Heizungsableser ankündigt, geht das Spielchen für Mieter wieder los. Dann heißt es: Ist irgendjemand an dem Tag zu Hause? Vielleicht ein freundlicher Nachbar, der die Tür öffnen kann? Wer niemanden findet, muss wohl oder übel selbst zu Hause bleiben, selbst wenn das einen halben Arbeitstag kostet.

Doch damit dürfte es in absehbarer Zeit vorbei sein. Die novellierte Energieeffizienz-Richtlinie der EU, die Anfang des Jahres in Kraft trat, sieht vor, dass der Hausbesuch des Heizungsablesers in Zukunft durch eine Fernablesung ersetzt wird. Vom 25. Oktober 2020 an sollen nur noch neue Zähler und Heizkostenverteiler eingebaut werden, die aus der Ferne abgelesen werden können, sofern dies technisch machbar und kosteneffizient möglich ist. Bis 2027 sollen die fernablesbaren Zähler die alten Geräte dann flächendeckend ablösen. 

Schon jetzt setzen einige Ablesedienste die Datenübertragung per Funk in großem Stil ein. Ista, einer der größten Anbieter, muss nach eigenen Angaben nur noch in jedes zweite Gebäude einen Mitarbeiter schicken, um die Daten auszulesen.

Detaillierte monatliche Verbrauchsdaten

Hintergrund der bevorstehenden Umstellung ist nicht primär, dass man Mietern den jährlichen Ablesebesuch ersparen will, sondern dass sie die Möglichkeit erhalten sollen, ihren Verbrauch auch zwischen den Jahresabrechnungen selbst einsehen zu können.

Im Gesetz vorgesehen ist für Mieter zunächst eine vierteljährliche Verbrauchsinformation, ab 2022 soll es sogar jeden Monat frische Daten geben. Sowas geht nur mit smarter Heizungsablesung. Derart aufgeklärt, sollen die Bürger dann besser Energie einsparen können, um dazu beizutragen, die Energieeffizienz-Ziele der EU zu erreichen.

Mieter müssen weiter zahlen

Von einem weiteren Ärgernis neben dem unbeliebten Hausbesuch befreit die EU-Novelle die Mieter aber nicht. Auch nach der Umstellung auf Fernablesung müssen sie weiter die Kosten für das Ablesen zahlen. Denn obwohl die Vermieter den Ablesedienst beauftragen, landet die Rechnung am Ende bei den Mietern. Das ist Mieterschützern schon lange ein Dorn im Auge. Denn der Heizungsablesemarkt wird hierzulande von einigen wenigen großen Firmen wie Techem und Ista bestimmt, die hohe Preise verlangen können – weil dem Vermieter ja egal sein kann, was die Dienstleistung kostet.

Auch die Bundesregierung plant bei der Umsetzung der EU-Verordnung in nationales Recht nicht, daran zu rütteln. "Die Umlagefähigkeit von Betriebskosten ist nicht Gegenstand der Novellierung des Energieeinsparrechts für Gebäude und der anstehenden Novelle der Heizkostenverordnung", erklärte das Bundeswirtschaftsministerium der Süddeutschen Zeitung.

Immerhin will das Ministerium laut SZ für die neuen fernablesbaren Zähler festschreiben, dass nicht mehr jeder Ablesedienst sein eigenes geschlossenes System verbauen darf, das von anderen Anbietern nicht genutzt werden kann. So soll der Anbieterwechsel erleichtert und der Wettbewerb gefördert werden.

Quellen: Süddeutsche Zeitung / Bundeswirtschaftsministerium / Ista

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