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Mehrgenerationenhaus: Steigende Immobilienpreise - wann sich der Hauskauf gemeinsam mit den Eltern lohnt

Eltern und Kinder leben unter einem Dach? Das erschreckt die meisten Deutschen. In den USA ist das Mehrgenerationenhaus dagegen ein Trend im Immobilienmarkt. Der Grund liegt in den finanziellen Vorteilen für die Jüngeren.

Eine Familie am Gartentisch

Neben familiären Gefühlen machen finanzielle Vorteile die neue Gemeinsamkeit attraktiv.

Getty Images

Seit Jahren werden Mehr-Generationen-Häuser propagiert, doch die Vorstellung eventuell mit den Eltern wieder unter einem Dach zu leben, schreckt viele ab. Auch wenn die Vorteile von den Finanzen bis zu Kinderbetreuung offensichtlich sind, fand die Studie "Wohnen im Alter 2017" von ThyssenKrupp mit dem Marktforschungsinstitut Innofact heraus, dass 60 Prozent der Deutschen sich nicht vorstellen können, mir den Eltern unter einem Dach zu leben. Bei den Schwiegereltern ist die Ablehnungsquote mit 67 Prozent noch etwas größer. Doch angesichts steigender Immobilienpreise und stagnierender Einkommen sehen junge Familien häufig kaum noch die Möglichkeit, Immobilieneigentum zu erwerben – das macht das "Eltern-Kinder-Haus" wiederum attraktiv.

Besser neu bauen

Häufig geschieht das in Deutschland, in dem die Kinder im Haus von Eltern oder Schwiegereltern ein Geschoß ausbauen oder anbauen. In den USA gibt es einen anderen Trend: Dort finanzieren Eltern- und Kindergeneration gemeinsam eine Immobilie mit zwei vollwertigen Wohnungen. Dann kann die Wohnung der Älteren bereits seniorengerecht geplant werden. Und die jüngeren übernehmen häufig Führung und Verantwortung. Sie haben daher eine stärkere Rolle, als wenn sie nur ins Haus ihrer Kindheit zurückkehren, das berichtet das "Wall Street Journal".

Ganz einfach ist es nicht, denn in den USA sind meist nicht beide Parteien Eigentümer, sondern die Eltern Mieter der Kinder. Banken in den USA stufen diese Häuser inzwischen nicht mehr als Anlageobjekt, sondern wie selbst genutzten Wohnraum ein – trotz der Teilvermietung. Der Vorteil: Die prozentuale Anzahlung kann kleiner sein, die Zinsen sind niedriger und die Kreditsumme kann größer werden – schließlich müssen zwei Wohnungen errichtet werden.

Mehr Menschen leben bei den Eltern

Obwohl nicht jeder aus der Sandwich-Generation mit seinen Eltern zusammenlebt, ist es ein wachsendes Phänomen in den USA: Dort leben heute 20 Prozent der Bevölkerung in Mehrgenerationenhäusern, in denen mindestens zwei erwachsene Generationen unter einem Dach leben. Das sind immerhin 64 Millionen Menschen. 1980 waren es nur 12 Prozent. Die Zahl steigt also, vor allem wenn man berücksichtigt, dass es auch in den USA eine Abwanderung aus der Fläche gibt. In ländlichen Regionen waren solchen Wohnformen traditionell stärker vertreten. Es ist zu vermuten, dass finanzielle Motive den neuen Trend zur Gemeinsamkeit antreiben - und auch in urbane Regionen bringen.

Adaptiert man den US-Trend auf Deutschland, stehen den Planern von diesen Häusern zwei Wege offen: Beide Wohnungen sind im Grundbuch getrennte Immobilien, Eltern- und Kindergeneration finanzieren je eine Einheit. Der Vorteil liegt hier darin, dass eine Wohnung billiger sein wird, als ein ganzes Haus. Nicht nur in den USA ist ein anderes Modell für die jüngere Generation attraktiver: Die Jungen werden Eigentümer des neu errichteten Gebäudes, die ältere Generation wohnt mietfrei oder gegen einen geringen Mietzins, bringt dafür aber das Kapital mit in die Unternehmung, das häufig aus dem Verkauf der elterlichen Wohnung stammt.

Form des frühen Erbes

Die Steuergesetzgebung in den USA und Deutschland unterscheiden sich, doch die entscheidenden Vorteile für die Sandwich-Generation liegen bei diesem Modell nicht in Steuertricks, sondern im Management der innerfamiliären Finanzen. Wenn die Eltern ihr Kapital in den Mehrgeneration-Hausbau stecken, könnte man von einem vorgezogene "Erbe" sprechen. Die Sandwich-Generation profitiert dann von der Finanzkraft der Eltern, wenn sie es selbst am meisten benötigt. Nämlich, wenn sie nach dem Start in den Beruf, Kinder kommen. Angesichts der heutigen Lebenserwartung tritt der reguläre Erbfall häufig ein, wenn die Begünstigten selbst im Seniorenalter sind.

Wählt man das Mehrgeneration-Modell, kann bei entsprechender Anzahlung eine Doppel-Immobilie früh abbezahlt sein. Zum Zeitpunkt, an dem ein reguläres Erbe anfallen würde, ist es daher wahrscheinlich, dass die Jüngeren im Mehrgeneration-Haus bereits in einer belastungsfreien Wohnung leben und beim Tod der Eltern ein Mieteinkommen aus der zweiten Wohnung beziehen können.

Doch bei allen finanziellen Vorteilen: Zerbricht die familiäre Harmonie, dann wird das Wohnen unter einem Dach für alle zur Belastung.

Immobilie kaufen - die chinesische Lösung

In China ist man in der Beziehung weiter. Dort werden sogar Eigentumswohnungen in Hochhäusern angeboten, bei denen mehrere Generationen unter einem Dach leben. Sie erstrecken sich über mehrere Etagen und haben häufig eine Besonderheit: Weil die Eltern das Landleben gewöhnt sind, gibt es eine große Terrasse – nicht zum Sonnenbaden, sondern zum Gärtnern.

Quelle: WSJ

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