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Bezahlbare Wohnungen: Mieten wird immer teurer? Stimmt gar nicht, sagt diese Studie

Wohnen zur Miete ist seit 2014 in weiten Teilen Deutschlands erschwinglicher geworden, sagt das Institut der deutschen Wirtschaft. Das gilt laut der Studie sogar in vielen Großstädten.

Wohnen in Hamburg ist teuer. Allerdings: Zwischen 2014 und 2018 stiegen die Löhne hier stärker als die Mieten, rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft vor

Wohnen in Hamburg ist teuer. Allerdings: Zwischen 2014 und 2018 stiegen die Löhne hier stärker als die Mieten, rechnet das Institut der deutschen Wirtschaft vor

Getty Images

Steigende Mieten sind eines der großen Aufregerthemen der vergangenen Jahre. Eine Studie des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) behauptet nun aber: Wohnen zur Miete ist seit 2014 in weiten Teilen Deutschlands erschwinglicher geworden – und das nicht nur im Osten und in ländlichen Gegenden, sondern sogar in vielen Großstädten.

Zu diesem Ergebnis kommen die Wirtschaftsforscher, weil sie nicht nur die Entwicklung der Mieten betrachten, sondern diese mit der Lohnentwicklung in der jeweiligen Region vergleichen. Die Logik dahinter lautet: Steigen die Löhne in einer Region stärker als die Neuvertragsmieten im selben Zeitraum, ist Wohnen pauschal bezahlbarer geworden. Dies gilt laut Auswertung der Jahre 2014 bis 2018 für 269 der insgesamt 401 Kreise im Land, also für zwei Drittel.

In ganz Deutschland ist der durchschnittliche Bruttolohn (Median) zwischen 2014 und 2018 laut Daten der Arbeitsagentur um 9,4 Prozent auf 3312 Euro gestiegen. Die Wiedervertragsmieten stiegen im gleichen Zeitraum nur um 8,5 Prozent auf eine durchschnittliche Nettokaltmiete von 7,44 Euro den Quadratmeter, wie das Institut F+B anhand standardisierter Werte berechnet hat.

Dreigeteilte Deutschlandkarte

 Quelle: IW Köln

Mit Blick auf die Deutschlandkarte erkennen die Ökonomen eine dreigeteilte Entwicklung:

  • Im gesamten Osten sind die Löhne im Betrachtungszeitraum stärker gestiegen als die Mieten – die einzige Ausnahme ist Berlin. Besonders positiv ist die Entwicklung im Landkreis Leipzig sowie in Jena, Rostock oder Gera.
  • In weiten Teilen Westdeutschlands liegt die Entwicklung von Mieten und Löhnen recht nah beisammen, in vielen Kreisen dominiert auch hier die Lohnentwicklung, wenn auch nicht so stark wie im Osten.
  • In Süddeutschland dagegen wurde Wohnen zur Miete in den meisten Kreisen teurer. Am ungünstigsten ist die Entwicklung in Kempten, Rosenheim sowie den Landkreisen München, Fürstenfeldbruck und Ebersberg. In diesen Kreisen sei der Wohnungsmarkt wegen fehlender Neubauten besonders angespannt, schreiben die IW-Experten.

Und wie ist  die Lage in den Großstädten? Dort sind in den vergangenen Jahren die Mietpreise besonders stark gestiegen. Da aber gleichzeitig auch die Löhne im Schnitt deutlich stiegen, ist die Entwicklung in einigen Metropolen - zumindest statistisch gesehen - sogar positiv. In Hamburg etwa stiegen laut Auswertung die Löhne zwischen 2014 und 2018 im Schnitt wesentlich stärker als die zum Vergleich herangezogenen Neuvertragsmieten (wobei dem eine standardisierte Mietpreisberechnung zugrunde liegt, die von den tatsächlich bei Immobilienportalen aufgerufenen Mietpreisen abweichen kann). Allerdings waren die Mietpreise in der Hansestadt auch schon 2014 auf einem hohen Niveau.

Auch in Köln, Frankfurt und Düsseldorf wurde Wohnen rechnerisch erschwinglicher. Was nicht heißt, dass der Einzelne, der keine Lohnerhöhung bekommen hat, aber trotzdem eine höhere Miete zahlen muss, nicht unter der Entwicklung leidet. In München half den Menschen sogar die starke durchschnittliche Lohnentwicklung von plus 11 Prozent nur wenig: Denn die Mieten stiegen im gleichen Zeitraum um fast 20 Prozent.

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