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Mieterschutz: Wie man sich gegen Vermieter wehren kann

Mieter fühlen sich manchmal der Vermieter-Willkür ausgeliefert. Doch hilflos sind sie nicht, erklärt der Rechtsexperte Rolf Bosse. Nur einige Fehler sollten sie besser vermeiden.

Von Katharina Grimm

Mal tropft es durch die Decke, andere haben im Badezimmer mit Schimmel zu kämpfen - und bei anderen wird die Miete fast verdoppelt, weil das Haus gedämmt wurde: Mieter müssen sich mitunter einiges gefallen lassen. Wenn es zum Streit mit dem Vermieter kommt, stehen sie allerdings schnell allein da. Denn ausgefuchste Vermieter nutzen den rechtlichen Spielraum aus - und die Mieter wissen meist gar nicht, welche Rechte sie haben. Was also tun, wenn die Kündigung oder eine saftige Mieterhöhung ins Haus flattert? Rolf Bosse vom Mieterverein zu Hamburg unterstützt als Rechtsexperte täglich Mieter im Kampf gegen horrende Mietsteigerungen, Schimmelwände - und ausgebuffte Vermieter.

Herr Bosse, wann kommt es zum Streit zwischen Mietern und Vermietern?

"Ein Klassiker ist die Betriebskostenabrechnung. Teilweise ist die Rechnung kaum nachvollziehbar und auch nicht transparent. Aber auch Mängel an der Mietsache führen zu Problemen. Das kann ein nicht schließendes Fenster sein, abgebrochene Fliesen oder Schimmel an den Wänden. Auch Modernisierungen sind ein Thema. Wird energetisch saniert, erhöht sich die Miete meist schlagartig. Teilweise wird die Wohnung dann so teuer, dass die Mieter ausziehen müssen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können."

Arbeiten Vermieter mit Tricks?

"Aber ganz sicher! Viele Vermieter kämpfen mit harten Bandagen. Jede gesetzliche Möglichkeit wird genutzt, alles was geht, wird umgesetzt. Das erklärte Ziel heißt: Höhere Mieten durch wenig Aufwand. Bei der Neuvermietung beispielsweise wird gern die maximal zulässige Höchstmiete verlangt. Der Vermieter könnte auch einen Mittelwert ansetzen, das passiert aber nicht. Und das Gesetz kommt dem Vermieter häufig entgegen. Sicherlich sind nicht alle Vermieter so – aber wir beobachten da mitunter ganz schlimme Fälle von Trickserei am Rande der Legalität."

Gibt es Unterschiede zwischen Vermietern, die nur wenige Wohnungen im Bestand haben, und großen Wohnkonzernen?

"Gehören dem Vermieter nur wenige Wohnungen, ist er meist auch näher dran an seinen Mietern. Dort beobachten wir, dass die Vermieter sich anders bemühen und unbürokratischer agieren. Aber natürlich gilt das auch nicht für alle. Große Wohnungsunternehmen, wie die Deutsche Annington, behandeln Mieter sicherlich anonymer. Der Mieter ist eben nur einer von tausenden. Und dort ist auch deutlicher, dass Vermietung ein florierendes Geschäft ist. Hinter der Geschäftspolitik steht zunächst eine Kostenpolitik. Sicherlich bemühen sich auch die großen Wohnkonzerne um Nähe zum Kunden, aber die haben noch viel vor sich."

Was können Mieter tun, wenn sie Ärger mit dem Vermieter haben?

"Im Grunde hilft nur ein Experte. Die Fragen, die Mieter in schwierigen Situationen haben, sind komplex und juristisch nicht eindeutig. Das überfordert Laien. Will der Vermieter die Miete erhöhen oder droht sogar die Kündigung, sollten Mieter ihre Rechte prüfen lassen. Am Schluss ist es vielleicht nicht immer möglich, einen Sieg auf voller Linie für den Mieter zu erzielen. Aber Dank eines Experten kann die Erhöhung günstiger ausfallen und auch bei Kündigungen können bessere Fristen rausgeholen werden. Aber dafür müssen sich Mieter erstmal informieren, beispielsweise bei Mietervereinen, dem Mieterbund oder Fachjuristen."

Was machen Mieter falsch, wenn sich Probleme mit dem Vermieter ankündigen?

"Großer Fehler der Mieter: Ungeprüft Erhöhungen oder Vereinbarungen unterschreiben. Damit verkompliziert man sich als Mieter das weitere Vorgehen. Denn wer unterschrieben hat, kann sich später nur schwer beschweren. Spezielle Vereinbarungen sind für Vermieter ein praktisches Instrument, wenn die Rechtslage unklar ist."

Was raten Sie Mietern, die bereits Stress mit dem Vermieter haben?

"Eigentlich sollte man direkt Hilfe holen, bevor es eskaliert. Aber Mieter zögern zu lange, auch wenn das Recht auf ihrer Seite ist. Beispielsweise bei Bauarbeiten am Haus. Wird es laut, darf die Miete gemindert werden. Doch das sollte man gleich durchsetzen und nicht warten, bis Monate später die Arbeiten schon fast zu Ende sind. Mieter verschenken da Geld.

Wer auf einen handfesten Streit mit dem Vermieter zusteuert, sollte eine einfach Faustformel beachten: Nicht alles glauben, nichts ungeprüft unterschreiben – und nicht darauf warten, dass sich von allein etwas bessert."

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... lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des stern Dort finden Sie auch eine Übersicht der Hilfsangebote in Mietrechtsfragen .

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