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Versteckte Kostentreiber: Ein Drittel des Einkommens fließt in die Wohnung - darum ist Wohnen so teuer

Das Wohnen lassen sich die Deutschen ganz schön was kosten: Ein Drittel ihres Geldes fließt in die Wohnung. Die Schuld schieben viele einzig auf die hohen Mieten in Städten - doch so ganz stimmt das nicht.

Wohnkosten in Deutschland

Wohnkosten in Deutschland: Warmmieten treiben den Preis

Wohnen in ist teuer. 859 Euro hat ein durchschnittlicher deutscher Haushalt 2015 für Wohnen, Energie und Instandhaltungsarbeiten ausgegeben. Damit war laut Statistischem Bundesamt die eigene Unterkunft mit 36 Prozent der größte Posten im monatlichen Ausgabenbudget von rund 2400 Euro. Einen großen Einfluss auf den Anteil der Wohnkosten hatte die Größe des Haushalts: Während Alleinstehende durchschnittlich 41 Prozent ihres Budgets für das Wohnen aufbringen mussten, lag der Anteil für Haushalte mit fünf und mehr Personen nur bei 31 Prozent. 

Jeder dritte Euro, den man zum Ausgeben in der Tasche hat, wird also fürs Wohnen aufgewendet - damit bestätigt die Statistik die Faustregel. Doch die hat sich in den vergangenen Jahrzehnten verändert. Errechneten die Eltern noch, dass nur ein Viertel des Nettoeinkommens für und Co. ausgegeben werden sollte, hat sich dieser Kostenfaktor deutlich verteuert. Doch woran liegt das?

Energiekosten als Kostentreiber

Die Untersuchungen der vergangenen Jahre sind sich uneins. Der Maklerverband IVD errechnete vor rund zwei Jahren, dass die prozentualen Kosten sogar rückläufig seien. Laut dem Verband musste man 1994 noch 19,13 Prozent des Haushaltsnettoeinkommens für Wohnen ausgeben, 2014 seien es nur noch 15,72 Prozent gewesen. Doch die Untersuchung geht von Mittelwerten aus. Zum einen sorgen sinkende Mieten in strukturschwachen Städten und Regionen für ein verzerrtes Bild. Denn in nahezu allen deutschen Großstädten steigen die Mieten rasant. Zum anderen sind die Energiekosten ein enormer Treiber der Ausgaben.


Entwicklung der Kaltmieten

Wie sehr sich das Verhältnis von Kaltmiete und Energiekosten verändert hat, zeigt die Statistik. Ging man 1962 davon aus, dass rund elf Prozent des Haushaltseinkommens für die Miete ausgegeben werden mussten, lag der Anteil für Strom, Gas und Heizung bei nur vier Prozent, berichtete die "Zeit". Hier haben die Preise mächtig angezogen: Seit dem Jahr 2000 haben sich die Strompreise mehr als verdoppelt. Umlagen, Steuern und Co. trieben in den vergangenen Jahren die Preise. Auch die Ausgaben für Gas, Fernwärme oder Öl sind ähnlich gestiegen. Das wirkt sich enorm auf die Gesamtausgaben fürs Wohnen aus.

Immobilienstudie: Wohnungsnot 2030: In diesen zehn Regionen wird es besonders eng
In der Region Düsseldorf wurde in den vergangenen Jahren vergleichsweise viel gebaut. Daher fehlen dort bis 2030 "nur" rund 10.000 Wohnungen. In anderen wirtschaftlich starken Gebieten ist es deutlich mehr.

In der Region Düsseldorf wurde in den vergangenen Jahren vergleichsweise viel gebaut. Daher fehlen dort bis 2030 "nur" rund 10.000 Wohnungen. In anderen wirtschaftlich starken Gebieten ist es deutlich mehr.

Mehr Alleinstehende in Deutschland

Und noch einen Grund gibt es für die gestiegenen Kosten: Die Wohnungen sind größer geworden. Heute leben wir auf mehr Quadratmetern pro Kopf - auch das macht Wohnen teurer. Bis zu 3,18 Euro pro Quadratmeter kommen durch die Betriebskosten als zweite Miete zur Kaltmiete dazu. Ein weiterer Faktor ist der stetig steigende Anteil von Einpersonenhaushalten. Lebten Anfang der 1990er rund 12 Millionen Menschen allein, sind es 2015 schon knapp 16 Millionen. Prozentual gesehen geben Alleinstehende mehr für Wohnen und Energie aus.

kg
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