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F. Behrendt: Der Guru der Gelassenheit: Vor 48 Jahren schlug ich mir zum ersten Mal die Nacht um die Ohren

Am 8. März eines jeden Jahres denkt Frank Behrendt immer an ein ganz besonderes Ereignis zurück - den allerersten Boxkampf, den er gemeinsam mit seinem Vater im TV sah: Es war der "Fight of the Century" zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali.

Am 8. März 1971: Der "Fight of the Century" zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali

Am 8. März 1971: Der "Fight of the Century" zwischen Joe Frazier und Muhammad Ali

Getty Images

Mein Vater hat nie selbst geboxt, und er war eigentlich auch gar kein Fan dieser Sportart. Aber er war fasziniert vom amerikanischen Boxer Cassius Clay, der sich später Muhammad Ali nannte. Und er hat mich damit angesteckt.

Es wurde über Jahre ein wunderbares Ritual, dass mein Dad mich mitten in der Nacht weckte, wenn die Kämpfe im Fernsehen übertragen wurden. Dann saßen wir da, in unseren Trainingsanzügen, hatten Salzstangen gegen die Aufregung und Coca-Cola zum Wachbleiben vor uns. Der Rest der Familie schlief friedlich, es war unser exklusives Vater-Sohn-Ritual.

An jenem 8. März 1971 musste ich ein Mittagsschläfchen halten, um bei meinem ersten nächtlichen Kampf dabei sein zu dürfen. Mein Vater rüttelte mich rechtzeitig wach und wir verfolgten den schon im Vorfeld zum monumentalen Ereignis hochgeschriebenen "Kampf des Jahrhunderts" der beiden Schwergewichts-Ikonen. Die Erwartungen an die Fight-Night im Madison Square Garden waren gigantisch, beide Boxer erhielten eine für damalige Verhältnisse absolute Rekordgage in Höhe von jeweils 2,5 Millionen Dollar.

Es wurde das erwartete Spektakel. Frazier und Ali lieferten sich einen Fight auf höchstem Niveau. Anfangs dominierte der Herausforderer, doch mit zunehmender Dauer zeigte sich seine mangelnde Wettkampfpraxis, denn Ali wurde wegen seiner Weigerung, als Soldat in den Vietnam-Krieg zu ziehen, gesperrt. Der Kampf gegen Frazier wurde zu seinem Comeback. In der 15. Runde ging Muhammad Ali zu Boden. Er konnte zwar den K.O. vermeiden, aber nicht die Niederlage.

Joe Frazier gewann nach Punkten und verteidigte seinen Titel. Ali verlor erstmals einen Profikampf, und doch war er in den Augen der Fans der eigentliche Sieger. Seine charismatische Aura wirkte wie in früheren Zeiten, und er war back on stage.

Mein Vater und ich haben uns gemeinsam noch so manche Nacht um die Ohren geschlagen. Weitere legendäre Fights waren dabei, auch zwei weitere Duelle gegen "Smokin‘ Joe" Frazier, die unser Idol Ali beide gewann - darunter den legendären "Thrilla in Manila".

Meine Begeisterung für Muhammad Ali

Mein Vater war kein Lautsprecher und mahnte uns stets zur Bescheidenheit. Bei meinem Ali-T-Shirt mit dem Aufdruck "I am the greatest" drückte er allerdings damals milde beide Augen zu. Es ging schließlich um unseren Lieblingsboxer, und der war nun mal nicht nur ein großer Sportler, sondern auch ein ebensolcher Entertainer.

Der tänzelnde Ali, der Fighter Frazier und auch mein wunderbarer Vater sind allesamt inzwischen im Himmel. Aber die Erinnerung an wunderbare gemeinsame Box-Nächte bleibt. Ganz besonders am 8. März eines jeden Jahres.

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