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Krankenhaus in Herne: Muslimische Studentin darf wegen ihres Kopftuchs ihr Praktikum nicht antreten

An ihrem ersten Praktikumstag in einem Krankenhaus in Herne wurde eine junge Frau wieder nach Hause geschickt. Das Krankenhaus forderte von der Muslimin, ihr Kopftuch abzulegen.

Studentin mit Kopftuch im Hörsaaä

An der Uni ist das Kopftuch für Frauen muslimischen Glaubens erlaubt. Viele Arbeitgeber fordern aber ein neutrales Auftreten.

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Wegen ihres Kopftuchs durfte eine Studentin offenbar nicht ihr Praktikum in einem Krankenhaus im nordrhein-westfälischen Herne absolvieren. Wie die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, erschien die 20 Jahre alte Frau mit Kopftuch in der Klinik, um ihr Praktikum anzutreten. Von der Leitung wurde die Studentin aus Bochum sofort wieder nach Hause geschickt.

Entweder müsse sie ihr Kopftuch ablegen – oder die Uniklinik könne sie nicht als Praktikantin aufnehmen, wurde der Frau mitgeteilt. Die abgewiesene Studentin weigerte sich, ohne Kopftuch zu arbeiten, und reagierte verärgert. "Das ist pure Diskriminierung", sagte sie der "WAZ". Das Verhalten des Krankenhauses habe sie als unverschämt, unmenschlich und entwürdigend empfunden. 

Kopftuch am Arbeitsplatz: Arbeitgeber fordert neutrales Auftreten

Theo Freitag, Geschäftsführer des Krankenhauses, erklärte der "WAZ", dass in dem Haus ein neutrales Erscheinungsbild von den Mitarbeitern erwartet werde. Die junge Muslimin studiert Ergotherapie in Bochum und wollte in der Klinik ein fünftägiges Pflichtpraktikum absolvieren. Daraus wird nun wohl nichts: Sie trage das Kopftuch "aus religiöser Überzeugung" und wolle es daher nicht ablegen, sagte die Frau. Die Reaktion des Krankenhauses bezeichnete sie als "sowohl moralisch als auch menschlich äußerst verwerflich".

DISKUTHEK: Kopftuch und Feminismus – ist das ein Widerspruch?

Laut einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) aus dem Jahr 2017 ist es Arbeitgebern erlaubt, ihren Mitarbeitern das Tragen religiöser Symbole – beispielsweise eines Kopftuchs – zu untersagen. Wie im Fall der Herner Klinik können sie von ihren Beschäftigten ein "neutrales Auftreten" verlangen, wenn diese Tätigkeiten erfüllen, die für das Unternehmen repräsentativ sind. Dazu zählt zum Beispiel der Kontakt mit Kunden, Klienten oder Patienten.

Im Fall der Klinik in Herne kommt noch hinzu, dass es sich um ein Krankenhaus in katholischer Trägerschaft handelt. Das Bundesarbeitsgericht entschied 2014 in einem ähnlichen Fall, dass das Selbstbestimmungsrecht der Kirchen einen höheren Stellenwert genießt als die individuelle Religionsfreiheit. Die in dem Krankenhaus abgelehnte Studentin wird sich somit wohl einen neuen Praktikumsplatz suchen müssen.

Quellen: "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (Bezahlinhalt) / Europäischer GerichtshofBundesarbeitsgericht 

epp