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Meinung

Homeoffice per Gesetz: Arbeitet doch, wo ihr wollt!

Das Arbeitsministerium will das Homeoffice gesetzlich verankern. Doch Firmen tun sich schwer, die Präsenzkultur in Unternehmen verträgt sich nicht mit Heimarbeit. Dabei hat Homeoffice für alle Seiten Vorteile. Und faul kann man auch im Büro sein.

Homeoffice

Tschüss Büro, Hallo Garten: Homeoffice macht es möglich

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Der Arbeitstag in der Microsoftzentrale in München endet immer mit Aufräumen. Unterlagen, Notizen, Geräte - alles muss vom Schreibtisch verschwinden. Clean desk heißt das. Dem Tech-Unternehmen geht es nicht darum, die Mitarbeiter zu mehr Ordnung zu zwingen - sondern um Pragmatismus. Denn am nächsten Morgen sitzt wahrscheinlich ein anderer Kollege an dem Platz. Und der möchte sich nicht erst um alte Kaffeetassen kümmern und Unterlagen-Stapel wegräumen. Schreibtisch-Sharing, das ist der Trend.

Microsoft hat sich beim Bau der neuen Zentrale nicht verrechnet, sondern rigoros Arbeitsplätze reduziert. 800 Plätze wurden gestrichen, 1100 sind geblieben. Denn zwei Drittel der Mitarbeiter arbeitet eh nicht mehr dort. Sie sitzen beim Kunden - oder zu Hause.

Homeoffice - ein Wunsch vieler Arbeitnehmer

Dass bei Microsoft der "Vertrauensarbeitsort" in einer Betriebsvereinbarung festgehalten wurde, zeigt: Der Tech-Gigant vertraut seinen Angestellten. Sie dürfen überall arbeiten. Zu Hause, im Büro oder im Café - der Ort ist dem Arbeitgeber ziemlich egal. Der Begriff erinnert absichtlich an die "Vertrauensarbeitszeit", die ohne Stechkarte oder Arbeitszeiterfassung festhält, dass der Mitarbeiter selbst verantwortlich dafür ist, wann er beginnt - aber auch, wann er die Arbeit beendet. 

Von dieser Freiheit träumen bisher die meisten Deutschen nur. Nicht einmal jeder Fünfte darf zu Hause arbeiten. Knapp die Hälfte könnte sich das aber vorstellen. Der Wunsch nach Heimarbeit ist auch der nach mehr Selbstbestimmung, mehr Work-Life-Balance, mehr Kind und trotzdem Karriere. Gerade die Millanials fordern solche Modelle inzwischen ein. Doch Deutschlands Unternehmen tun sich schwer mit der Einführung des Homeoffice. Einer der Gründe: Chef würden immer noch zu sehr auf Überwachung setzen, hieß es schon vor einigen Jahren beim Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft. Der Chef, der morgens seine Runden über die Flure dreht und Anwesenheit überprüft, mag so gar nicht zu neuen Arbeitsmethoden passen. Doch dieses angestaubte Verhalten scheint in vielen Firmen noch Alltag zu sein. Was Vorgesetzte dabei allerdings übersehen: Sie können mit dem Präsenzzwang nur die Anwesenheit kontrollieren. Faul und unproduktiv kann man auch im Büro sein.

Großraumbüro

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Nun könnte das Recht auf Homeoffice von der Politik auf den Weg gebracht werden. Das Arbeitsministerium hat einen solchen Vorschlag jüngst ins Gespräch gebracht. Eigentlich eine traurige Entwicklung. Statt freiwillig neue Arbeitsmodelle auszuprobieren, bleiben die Firmen in Deutschland starrhalsig. Und müssen am Ende wohl von der Politik zu mehr Modernität verdonnert werden. Denn im Vergleich zu unserer europäischen Nachbarschaft stehen deutsche Firmen recht altbacken dar: In Island und den Niederlanden (wo es bereits ein Recht auf Homeoffice gibt) arbeitet jeder Dritte von zu Hause aus, in Norwegen sind es sogar 38 Prozent, in Frankreich immerhin rund ein Viertel aller Angestellten. 

Homeoffice bietet Vorteile

Deutschland ist beim Thema Homeoffice Entwicklungsland - dabei könnten alle Seiten profitieren. Allerdings müssten einige Betonköpfe in den Führungsetagen umdenken. Dann würden sie merken, dass sie durch Homeoffice teure Bürofläche einsparen. Bislang geht das zwar auch - allerdings zu Lasten der Mitarbeiter, die in nachverdichtete Großraumbüros gestopft werden. Wo sie bitte genauso produktiv (wenn nicht noch mehr) arbeiten sollen. Besser wären funktionale Arbeitsplätze, die je nach Anforderung Ruhe bieten für komplizierte Aufgaben oder Flächen für Teams, die gemeinsam an einem Projekt arbeiten. Kommt dazu noch die Möglichkeit, im Homeoffice Dinge in Ruhe abarbeiten zu können, würden die Chefs schnell merken: Dadurch erhöht sich die Mitarbeiterzufriedenheit. 

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Denn die Lösung kann weder das eine noch das andere Extrem sein. Festgekettet in zu großen, nicht-funktionalen Büroflächen zu schuften, scheint in Zeiten der digitalen Revolution wahnsinnig antiquiert. Auf der anderen Seite verlieren Menschen, die dauerhaft im Homeoffice sitzen auch den Bezug zum Arbeitgeber und zu den Kollegen. Denn viele Jobs brauchen eben auch den kreativen Austausch der Mitarbeiter untereinander. Und einen Zwang zum Homeoffice darf es nicht geben. Der Mix der Möglichkeiten macht es also. 

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