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Arbeitsrecht Emails, Browserverlauf, Webcam: So weit dürfen Chefs bei der Überwachung im Homeoffice gehen

Homeoffice Überwachung
Wie weit darf Überwachung im Homeoffice gehen?
© FORGEM / Getty Images
Manche Chefs wollen gerne kontrollieren, was ihre Leute im Homeoffice treiben. Aber darf der Arbeitgeber auf das Mail-Postfach zugreifen? Auf Log-in-Daten, Browserverlauf und Webcam-Aufnahmen? Manches ist erlaubt, anderes geht zu weit.

Manch ein Chef, dessen Mitarbeiter auf einmal im Homeoffice verschwunden sind, macht sich so seine Gedanken. Sind die wirklich alle mit vollem Einsatz am Werk? Oder verdaddeln sie ihre Arbeitszeit mit privaten Dingen? Klar, Vertrauen ist gut, aber ist Überwachung nicht vielleicht besser?

Technische Möglichkeiten dazu sind in der Regel vorhanden. Wer seine Angestellten mit Arbeitslaptops ausstattet, kann auch kontrollieren, welche Software darauf läuft. Und im Betriebsnetzwerk hinterlässt man als Mitarbeiter seine digitalen Spuren, ganz egal, wo man das Notebook aufklappt.

Aber natürlich ist längst nicht jede Überwachung erlaubt. Die Stiftung Warentest erklärt in ihrer aktuellen Ausgabe, wie weit Arbeitgeber mit ausgeprägtem Kontrollbedürfnis gehen dürfen. Grundsätzlich sei eine permanente Überwachung ohne Anlass nicht zulässig, sagt Alexander Bredereck, Fachanwalt für Arbeitsrecht, im Warentest-Interview. "Der allgemeine Verdacht, im Homeoffice macht doch sowieso jeder private Dinge, reicht nicht." 

Log-in-Kontrolle erlaubt

Doch das Arbeitsrecht räumt Arbeitgebern durchaus auch Möglichkeiten der Kontrolle ein. So dürfen sie anhand von Log-in-Daten nachvollziehen, zu welchen Zeiten sich Mitarbeiter ins Firmennetzwerk ein- und ausloggen, um die Arbeitszeit zu kontrollieren. Dies sei vergleichbar mit dem klassischen Einstempeln am Firmeneingang, schreibt Warentest.

Browserverlauf kann ausgewertet werden

Wie umfangreich Unternehmen auswerten dürfen, was ihre Mitarbeiter auf dem Rechner treiben, hängt vom Arbeitsvertrag oder anderen betrieblichen Regelungen ab. Ist etwa die private Nutzung des Internets verboten, so darf der Arbeitgeber den Browserverlauf seines Angestellten auswerten, um Verstöße festzustellen – und diese Informationen laut Rechtsprechung auch in einem Kündigungsprozess verwenden. Ist privates Surfen erlaubt, geht das nur bei einem konkreten Verdacht, dass es jemand übertreibt. 

Homeoffice

Emails sind kein Tabu

Auch das dienstliche Email-Postfach ist keineswegs immer tabu. Ist klar geregelt, dass das Postfach nur für dienstliche Belange genutzt werden darf, kann der Arbeitgeber dieses stichprobenartig einsehen. Er muss die Beschäftigten und den Betriebsrat aber vorher informieren. Gilt hingegen die Nutzung auch für private Mails als erlaubt, ist eine Überwachung laut Stiftung Warentest meist unzulässig. Der Arbeitgeber darf zwar Einsicht in dienstliche Korrespondenz verlangen, eine eigenmächtige Überwachung ist aber nur erlaubt, wenn der konkrete Verdacht einer Straftat besteht.

Spionage per Webcam

Da die meisten Laptops heutzutage mit Kamera ausgestattet sind, bieten sie technisch die Möglichkeit, Mitarbeiter sogar im Video zu überwachen. Dieser Eingriff in die Privatsphäre ist nur in Ausnahmefällen zulässig, zum Beispiel bei einem konkreten Verdacht auf Arbeitszeitbetrug, und auch dann nur zeitlich eng begrenzt. Noch umfassender lässt sich ein Computer mit Hilfe eines Keyloggers ausspionieren, der jede Tastatureingabe und jede Mausbewegung protokolliert. Solche Geheimdienstmethoden sind aber grundsätzlich verboten.

Mehr Informationen zum Thema finden Sie bei Stiftung Warentest


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