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Test in Schweden: Nur 6 Stunden am Tag arbeiten: Ist das Experiment gescheitert?

Nur sechs Stunden arbeiten - bei vollem Gehalt: In Schweden wurde dieses System ausprobiert. Doch nun zeigt sich: Das Modell funktioniert nicht wie erhofft. Ist das das Ende des Arbeitnehmer-Wunschtraums?

Arbeiten, aber nur 6 Stunden am Tag: Experiment geplatzt?

Ist das 6-Stunden-Experiment gescheitert?

Es war der wahr gewordene Arbeitnehmertraum: Statt acht Stunden nur noch sechs arbeiten müssen. Und das bei vollem Gehalt. Dieses Experiment wagte vor gut einem Jahr ein schwedisches Pflegeheim in Umeå im Nordosten des Landes. Ziel dieses Modells war eine höhere Mitarbeiterzufriedenheit und weniger Krankheitstage, da die Mitarbeiter mehr Zeit für die Regeneration finden würden. Die Zusatzkosten für weiteres Personal sollten durch die geringeren Krankenstände und eingesparte Gesundheitsausgaben kompensiert werden.

Job-Experiment enttäuscht

Es ist nicht das erste Experiment dieser Art in . Seit einigen Jahren probieren Seniorenheime, Kliniken und Konzerne aus, ob eine geringere Wochenarbeitslast die Angestellten weniger häufig krank werden lässt. Die Tests sorgten weltweit für Schlagzeilen. Amerikaner, Chinesen, Australier, Deutsche - alle wollten wissen, wie das System funktioniert - und vor allem: Ob das Modell aufgeht. Das Projekt in Umeå wurde ein Jahr getestet, nun gibt es Ergebnisse, berichtet "Businessinsider". Und die sind ernüchternd. Der Krankenstand stieg nämlich in dem Zeitraum von acht auf 9,3 Prozent, so die schwedische Zeitung "Sundsvalls Tidning". Für das Projekt wurden 4,5 Millionen schwedische Kronen, umgerechnet etwas weniger als 500.000 Euro, ausgegeben. Damit war das Projekt zwar nicht sündhaft teuer, dennoch hatten sich die Schweden ein deutlich besseres Ergebnis erhofft.

Negative Auswirkungen durch Stundenreduzierung

Auch ein anderes international beachtetes Testprojekt kam nun zu ähnlich Ergebnissen, berichtet die "Zeit". In einem Göteborger Altenheim wurde die Stundenzahl ebenfalls auf sechs Stunden pro Tag reduziert. Doch die Krankheitstage der Mitarbeiter reduzierten sich lediglich um 0,6 Prozent. Die 6-Stunden-Mitarbeiter waren um 20 Prozent zufriedener, ein Wert, der mit Vorsicht zu genießen ist. Die Zufriedenheit konnte nur bedingt gemessen werden, da Vergleichswerte vor dem Start des Projekts fehlten. Also wurden die Antworten der Angestellten mit denen anderer Einrichtungen verglichen. Doch die Kosten waren enorm: 13,2 Millionen schwedische Kronen, umgerechnet 1,4 Millionen Euro, hat das Projekt verschlungen. Von dem Geld wurden neue Mitarbeiter eingestellt, um die Lücken im Dienstplan zu schließen. Insgesamt soll das Testprojekt zwei Jahre laufen, verlängert werden soll es nach den Ergebnissen nicht.

6-Stunden-Tag kostet Geld

Bereits 1989 startete in Kiruna, der nördlichsten Stadt in Schweden, ein ähnlicher Versuch. Dort konnten 250 Pflegekräfte zwei Stunden früher in den Feierabend starten. 2005 wurden die 6-Stunden-Tage dort wieder abgeschafft. Die Begründung dafür, so die "Zeit": Die Daten der Untersuchung seien mangelhaft, die Wirkung des Tests wenig aussagekräftig und überhaupt, das Projekt sei viel zu teuer.

War's das also mit dem großen Traum, künftig weniger zu arbeiten, aber voll zu verdienen? Tatsächlich gibt es auch Erfolgsgeschichten. So setzt der Chef einer Paddel-Board-Firma in den USA auf den 5-Stunden-Tag. Er glaubt, dass der Tag voll sei mit unproduktiven Phasen. Wenn man sich diese spart und einfach fünf Stunden effektiv arbeitet, könne man danach die Zeit für wirkliche Freizeit nutzen. Seit rund einem Jahr arbeitet er mit seinen Angestellten nach diesem System - der Umsatz stieg in diesem Zeitraum um 40 Prozent. Allerdings hat die Sache auch einen Haken: Wer seine Arbeit nicht in den vorgegebenen fünf Stunden schafft, wird gefeuert. 

Neuer Joballtag mit Erfolg

Auch in Schweden sind nicht alle Versuche dieser Art gescheitert. So setzte auch eine Klinik in Schweden auf das System - allerdings nicht, um den Krankenstand zu senken. Die Initiatoren wollten die Klinik attraktiver machen. Denn im Klinikalltag, gerade im OP, ist die Arbeit hart. Acht Stunden am Stück zu operieren, war für das Personal kaum durchzustehen. Viele Mitarbeiter kündigten schnell wieder, das große Personalkarussell drehte sich schnell. Einarbeitung ist aber aufwendig - und kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Die Klinikleitung setzte auf sechs Stunden im Zwei-Schicht-System. Das Ergebnis: Die Kosten, die man sich für die Anwerbung ständig neuer Mitarbeiter spart, wird für zusätzliches Personal ausgegeben, das nun sechs Stunden arbeitet. Dadurch konnte auch die Zahl der OPs gesteigert werden - und somit der Umsatz, berichtet die "Zeit"

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