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Jobgeständnisse: "Mein Job im nächsten Leben ist was Asoziales": Leser verraten, warum sie ihre Berufswahl bereuen

Würden Sie Ihren Beruf noch einmal wählen? Das haben wir unsere Leser gefragt und zahlreiche Antworten bekommen. Hier ist eine Auswahl der Zuschriften vom Landschaftsgärtner bis zur Krankenschwester.

Beruf

Manche gehen im Job auf, andere bereuen ihre Berufswahl (Symbolbild)

Getty Images

Sieben von zehn Bundesbürgern sind mit ihrem Beruf so zufrieden, dass sie ihn wieder wählen würden. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov, über die der stern kürzlich berichtete. Lehrer und Ausbilder gaben dabei am häufigsten an, dass sie den Beruf wieder ergreifen würden. Am Ende der Skala landeten kaufmännische Berufe und medizinische Gesundheitsberufe.

Wir haben unsere Leser daraufhin gefragt, wie sie die Frage für sich beantworten. Viele langjährig Berufstätige sind tatsächlich rundum zufrieden. Andere mögen zwar ihren Beruf prinzipiell, würden ihn aber aufgrund der Arbeitsbedingungen nicht wieder ergreifen. Eine Auswahl der Zuschriften haben wir hier (teils leicht gekürzt) zusammengestellt.

+++ Würden Sie Ihren Beruf noch einmal wählen? Warum bzw. warum nicht? Und was würden Sie vielleicht lieber machen? Schreiben Sie uns an: leseraufruf@stern.de +++ 

Klaus, Fliesenleger: "Etwas Konstruktives, Schönes"

Ich bin 70 Jahre alt und habe ca. 55 Jahre als Fliesenleger im Handwerk gearbeitet. Für mich war es ein kreativer Beruf, wobei man immer nach Fertigstellung der Leistungen etwas Konstruktives, Schönes für den Auftraggeber hergestellt hat. Ich war 38 Jahre als Fliesenlegermeister selbständig und stehe meinem Beruf auch heute noch als öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger zur Verfügung.

Ulrike, Krankenschwester: "Mein Job im nächsten Leben ist was 'Asoziales'"

Auf gar keinen Fall! Ich bin Krankenschwester, ein Beruf, der theoretisch Spaß machen könnte, ABER....Es ist nicht damit getan, mich mit Mails und Dienstanweisungen zuzuschmeißen, die mir vorschreiben, wie oft ich Medikamente auf Verfall kontrollieren muss, Pflegefälle lagern, mir die Hände desinfizieren, Kühlschranktemperaturen protokolliert kontrollieren und Fortbildungen besuchen. Man muss mir auch die Zeit dazu geben und die personellen Ressourcen. […] Mein Job im nächsten Leben ist was 'Asoziales', Immobilienmakler zum Beispiel. 

Yvonne, Altenpflegerin: "Man bekommt viel zurück"

Ich arbeite in der Altenpflege […] und würde jeder Zeit wieder diesen Beruf wählen. Ich bin seit über 13 Jahren in dem Beruf und gehe darin auf, schenke den Pflegebedürftigen Zeit, mein Ohr und Liebe, dafür bekommt man viel zurück...das ist Dankbarkeit, ein Lächeln, viel Herzlichkeit. Der Beruf bringt so viel Abwechslung mit sich: singen, tanzen, erzählen, lachen, zuhören oder nur einfach da sein und den Menschen mal in den Arm nehmen, denn ich möchte, dass sie ihre Zeit, die sie noch haben, so schön wie möglich genießen können. 

Natürlich gibt es auch die nicht so schönen Seiten, wie die Bezahlung, Schichtdienst, den Tod und die Angehörigen, denn die sind manchmal schlimmer, als die die man pflegt. Man sollte auf alle Fälle Einfühlungsvermögen, Geduld, Flexibilität und viel Herz mitbringen, denn dann macht der Beruf Spaß und bringt viel Freude mit sich. 

Jürgen, Polizeibeamter: "Familienunfreundliche Dienste"

Diesen Beruf würde ich auf keinen Fall wieder wählen. Nach 42 Dienstjahren endlich im Ruhestand, davon mehr mehr als 35 Jahre im Schichtdienst tätig. Im Vergleich zur freien Wirtschaft miserable Vergütung für Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienst. Absolut abträglich für die Gesundheit, man muss schon einen verständnisvollen Ehepartner haben, der mit den familienunfreundlichen Diensten klarkommt. Daher auch die hohe Scheidungsrate bei Polizeibeamten.

Michael, Schreiner: "Beste Entscheidung meines Lebens"

Selbstverständlich würde ich wieder eine Lehre als Schreiner machen. Heute bin ich 66 Jahre und habe alle meine Finger. Durch den Beruf bin ich zum Leiter der Schreinerei bei der Ev. Kirche aufgestiegen und bekomme zu der Rente noch eine Zusatzrente. Das war die beste und richtigste Entscheidung in meinem Leben und ich würde es noch mal tun.

Andrea, Physiotherapeutin: "Einfach zu schlecht bezahlt"

Ich liebe meinen Beruf, würde ihn aber nicht nochmal wählen. Ich bin Physiotherapeutin und dieser Beruf ist einfach zu schlecht bezahlt und mit viel zu vielen bürokratischen Hürden verbunden. Ich wohne jetzt in der Schweiz, dort ist es besser, aber auch dort ausbaufähig. Die Fortbildungen sind zu teuer und der finanzielle Nutzen nicht vorhanden. Leider ist es so, denn der Beruf als solcher wäre wirklich schön und macht mir immer noch Spaß.

Gerhard, Feuerwehrmann: "Jederzeit wieder"

Ich habe nach meiner Schreinerlehre den Beruf des Feuerwehrmannes gelernt und arbeite seit 32 Jahren als Beamter des mittleren und gehobenen Dienstes bei der Branddirektion in Frankfurt und würde jederzeit wieder diesen Weg einschlagen. Empfehlenswerte(r) Beruf(-ung).

Kerstin, kaufmännische Angestellte: "Nochmal etwas anderes machen"

Ich war 20 Jahre lang kaufmännische Angestellte und würde den Beruf NIE mehr wählen! Ich befinde mich deswegen auch gerade in einem beruflichen Orientierungskurs, um nochmal etwas anderes zu machen. [...] In meinem Kurs ist auffällig, dass viele Teilnehmerinnen ihren Beruf aus Vernunftgründen (oft wegen der Eltern) gewählt haben, dieser aber gar nicht ihren persönlichen Neigungen entspricht.

Rolf, Anwalt: "Man muss sein privates Umfeld anpassen"

Ich würde wieder den Weg über eine juristische Ausbildung einschlagen. Der Beruf ist vielfältig, hat meistens einen hohen Unterhaltungswert, und er beinhaltet mit etwas Glück auch die entsprechenden geistigen Herausforderungen neben der täglichen Routine. Man kann ein respektables Einkommen damit generieren, keine Frage, ein wesentlicher Punkt. Diese Aussagen stimmen aber nur dann, wenn man ziemlich stressresistent ist, wenig Ängste mitbringt und sein Handwerk beherrscht, und eben in Kauf nimmt, nicht immer um 16 Uhr Feierabend zu haben. Es gehört dazu, sein privates Umfeld an die Anforderungen des Berufs anzupassen.

Tanja, wissenschaftliche Mitarbeiterin: "Der Willkür von Drittmittelgebern ausgesetzt"

Nein, ich würde mich nicht mehr für meinen derzeitigen Beruf entscheiden. Nach Ausbildung zur Augenoptikerin und einigen Jahren Berufstätigkeit entschloss ich mich 2003 für einen Jobwechsel. Studierte Psychologie und landete in der Wissenschaft. Hier neigen sich nun meine 12 Jahre (gemäß Wissenschaftszeitvertragsgesetz) dem Ende entgegen und ich werde der Willkür von Drittmittelgebern ausgesetzt sein. Wer weiß, vielleicht werde ich zurück ins Handwerk gehen... zumindest gibt's da dankbare Kunden. Auf Dauer den Gutachtern von wissenschaftlichen Artikeln Honig um's Maul schmieren, kann extrem frustrierend sein.

Christa, Pharmazeutisch-technische Angestellte: "Freude und Dankbarkeit der Kunden"

Ich habe 45 Jahre in einer Apotheke als Pharmazeutisch-technische Angestellte gearbeitet und es nie bereut. Der Kontakt mit den Kunden, die Freude und Dankbarkeit, wenn das empfohlene Arzneimittel gut geholfen hat und die viele Abwechslung zwischen Kundenverkehr und Labor und Arzneimittelherstellung waren immer kurzweilig und haben Spaß gemacht. Seit einem Jahr bin ich nun in Rente und genieße auch die. 

B., Mundhygienikerin und Zahnarzthelferin: "Sehr schlecht bezahlt"

Ich würde meinen Beruf nicht mehr wieder wählen, da er sehr schlecht bezahlt ist, obwohl man hochkonzentriert arbeiten muss. Man ist abhängig von den Chefs (finanziell und auch menschlich). […] Das Arbeiten mit den ängstlichen Patienten unter Zeitdruck hat mir Spaß gemacht. Es kostet aber auch viel Kraft! 

G., Krankenschwester: "Kaum noch Zeit für die Patienten"

Ich bin Krankenschwester und mache das mit der Ausbildung zusammen seit 25 Jahren. Ich liebe meinen Beruf und den Umgang mit Menschen. Trotzdem würde ich es nicht nochmals lernen. Die Arbeitsbedingungen sind in den letzten Jahren immer schlechter geworden. Immer weniger Personal und mehr Bürokratie, Zeitarbeit. Man hat kaum noch Zeit für die Patienten. Und Zeit für Gespräche ist wichtig für die Genesung.

Anne, Speditionskauffrau: "Frauen haben es nicht leicht"

Wenn mich jemand fragt, ob ich meinen Ausbildungsberuf zur Kauffrau für Spedition- und Logistikdienstleistung nochmal machen würde, wäre die Antwort ein klares und deutliches Nein. Der Job ist verstaubt in der heutigen Zeit und familienunfreundlich. Leider haben es Frauen auch nicht leicht darin. Den Job in der Stadtverwaltung, welchen ich aktuell als Ungelernte ausübe, hätte ich lieber gelernt, dieser macht mir Spaß. Ich hätte vielleicht auch gleich was anderes studiert. Doch jetzt als zweifache Mutter ist es eben schwer mit Anfang 30 nochmal ganz neu als Azubi anzufangen.

Wolfgang, Landschaftsgärtner: "Der Natur so nah"

Ja, ich würde meinen Beruf als Landschaftsgärtner, Gartengestalter und Baumpfleger wieder machen. 49 Jahre, immer abwechslungsreich, immer der Natur so nah wie wenige. Die Umweltprobleme schon ca.10 Jahre früher bemerkt. Wo gibt es einen Beruf, der so vielseitig ist? Der mindestens fünf Berufe vereint, bei der Gestaltung kommst Du in den Bereich Elektrik, Wasserinstallation, Mechanik. Wenn man [...] das Leben von Baum und Strauch positiv beeinflussen kann. Das gibt Genugtuung.