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OECD-Studie: Jugendliche nennen ihre Wunschberufe – doch viele davon könnte es bald nicht mehr geben

Die meisten 15-jährigen Jungen und Mädchen wünschen sich einen traditionellen Beruf, ergab eine Pisa-Auswertung. Doch die Studien-Autoren warnen: Viele dieser Berufsbilder könnten in den nächsten Jahren verschwinden.

Schüler Berufswahl

Viele Jugendliche orientieren sich an traditionellen Berufen

Getty Images

Die Arbeitnehmer von morgen wünschen sich Berufe von gestern. So könnte man das Ergebnis einer OECD-Studie über die Traumberufe von Jugendlichen zusammenfassen. Bei der Befragung, die im Rahmen der Pisa-Studie stattfand, wurden 15-Jährige gefragt, in welchem Job sie sich im Alter von 30 Jahren sehen. Genannt wurden überwiegend "traditionelle Berufe des 20. Jahrhunderts und sogar des 19. Jahrhunderts wie Arzt, Lehrer, Tierarzt, Manager, Ingenieur und Polizist", schreibt die OECD.

Die Jugendlichen von heute träumten auch im Zeitalter von Social Media und dem Einzug von neuen Technologien wie künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt von den gleichen Berufen wie vor 20 Jahren, schreibt die OECD. Trotz der Vielfalt an Möglichkeiten wird die Wunschliste sogar immer schmaler: Etwa jeder zweite der befragten Teenager wählte einen der zehn beliebtesten Jobs. 

Voller Stress und komplett sinnlos. So empfinden viele ihren Job.

Gefährliche Nostalgie

Diese Entwicklung sehen die Studienautoren kritisch: "Die Umfrage zeigt, dass zu viele Teenager neue Jobs, die vor allem durch die Digitalisierung entstehen, ignorieren oder nicht kennen", sagte OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher bei der Vorstellung der Studie auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Gefährlich ist die nostalgische Besinnung auf traditionelle Berufe laut Studie, weil es viele schon bald nicht mehr geben könnte. Für 45 Prozent der genannten Berufe prognostiziert die OECD, dass sie in den kommenden zehn bis 15 Jahren in Deutschland durch Automatisierung aussterben könnten. 

Welche Berufe wie schnell durch neue Technologien tatsächlich wegfallen und wie viele Jobs gleichzeitig neu entstehen, dazu gibt es immer wieder unterschiedliche Prognosen. Die meisten Experten gehen aber davon aus, dass Automatisierung und künstliche Intelligenz nicht nur einfache Jobs in der Produktion ersetzen, sondern etwa auch viele Bürotätigkeiten wegfallen werden. Als besonders zukunftsfähig gelten dagegen IT, mathematisch-technische Berufe sowie Gesundheits- und Pflegeberufe

Große Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen

Völlig daneben mit ihren Berufswünschen liegen die deutschen Schüler demnach allerdings nicht. Das Ranking der Jungen wird angeführt von technischen Berufen, bei den Mädchen liegen soziale und Gesundheitsberufe vorn. Bei den Jungen landet der zukunftsträchtige Job des Informatikers (6,7 Prozent der Nennungen) auf Platz 1. Die Mädchen werden am liebsten Lehrerin (10,4 Prozent), Ärztin (10,0 Prozent) oder Erzieherin (6,4 Prozent) – alles aktuell vom Arbeitsmarkt gefragte Berufe, die ebenfalls nicht so schnell verschwinden dürften.

Und dass Schüler im zarten Alter von 15 sich noch an bekannten Berufen aus ihrer Elterngeneration orientieren und nicht die kommenden Zukunftstrends auf dem Zettel haben, sollte man ihnen auch nicht vorwerfen. Wenn der Top-Wunschberuf der Teenies Instagram-Influencer gewesen wäre, hätten sich die OECD-Experten sicher auch Sorgen gemacht.

Traumberufe 15-jähriger Mädchen in Deutschland

1.

Lehrerin

10,4%

2.

Ärztin

10,0%

3.

Erzieherin

6,4%

4.

Psychologin

4,5%

5.

Krankenschwester

4,5%

6.

Architektin

3,6%

7.

Polizistin

3,5%

8.

Büroangestellte

3,2%

9.

Designerin

2,8%

10.

Juristin

2,7%


Traumberufe 15-jähriger Jungen in Deutschland

1.

Informatiker

6,7%

2.

Maschinenbauer

5,2%

3.

Kfz-Mechatroniker

5,1%

4.

Polizist

4,5%

5.

Lehrer

3,8%

6.

Wissenschaftler

3,6%

7.

Arzt

3,1%

8.

Ingenieur

3,1%

9.

Architekt

2,8%

10.

Profisportler

2,6%

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