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Nach dem Abitur: Deshalb lohnt sich ein Studium

Sie haben Ihr Abitur in der Tasche - oder stehen kurz vor dem Abschluss. Und was jetzt? Eine Lehre? Eine Ausbildung? Oder doch studieren? Hier lesen Sie, weshalb sich ein Studium für Sie in jedem Fall auszahlt.

Von Catrin Boldebuck

Auch wenn es manchmal anstrengt, für Klausuren zu büffeln, ein Studium ist immer noch der Königsweg zum Job

Auch wenn es manchmal anstrengt, für Klausuren zu büffeln, ein Studium ist immer noch der Königsweg zum Job

Ein Studium ist immer ein Abenteuer: neue Stadt, neue Freunde, eigenes Leben. Jeder, der dazu die Chance bekommt, sollte dieses Abenteuer jedoch wagen. Denn ein Studium lohnt sich: Es ist der Königsweg zum Job. Die beste Versicherung gegen Arbeitslosigkeit. Das Ticket zur Karriere. Die Chance, später einmal gut zu verdienen. Und einen Job zu finden, in dem man sich selbst verwirklichen kann.

Stabiler Arbeitsmarkt für Akademiker

In den 90er Jahren gab es Horrormeldungen von Taxi fahrenden Akademikern. In den vergangenen Jahren wird ein dramatischer Mangel an Fachkräften heraufbeschworen. Dabei ist der Arbeitsmarkt für Hochschulabsolventen in Wahrheit relativ stabil und ausgeglichen.

Der Blick zurück zeigt: Die Arbeitslosenquote lag bei Akademikern immer deutlich niedriger als beim Rest der Beschäftigten. So herrschte im Boomjahr 2000 bei Hochschulabsolventen Vollbeschäftigung, nur 2,9 Prozent waren auf Jobsuche. Die Arbeitslosenquote betrug damals insgesamt fast zehn Prozent. Auch wenn es in der Wirtschaft schlecht läuft, wie 2005, sind die gut Ausgebildeten besser dran. Damals waren 4,1 Prozent der Akademiker auf Jobsuche, insgesamt lag die Quote bei 11,8 Prozent. Sabine Klinger vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg erklärt das so: "Jobs für Geringqualifizierte hängen stärker von der Konjunktur ab. Sie werden schneller gestrichen. Hochqualifizierte sind dagegen schwerer zu ersetzen. Deshalb haben Unternehmen großes Interesse daran, diese Kräfte zu halten."

Wandel zur Wissensgesellschaft

Und der Bedarf an guten Leuten bleibt groß. Die Arbeitswelt verändert sich, weil sich die gesamte Wirtschafts- und Lebensweise wandelt, weg von der Industrie- und hin zur Wissensgesellschaft. Die Experten vom IAB beobachten schon seit Jahren, dass die Zahl der einfachen Jobs sinkt, die Zahl der anspruchsvollen Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung, Beratung und Lehre dagegen steigt. In ihren Berichten raten die sonst eher vorsichtigen Berufsforscher ganz klar: "Für junge Menschen heißt das: Ein Studium lohnt sich, in Zukunft noch mehr als bisher."

Ein Studium bringt nicht nur Vorteile beim Jobeinstieg. Beschäftigte mit Uni-Abschluss verdienen 51 Prozent mehr als Kollegen mit einer Ausbildung. Und ein akademischer Titel schützt dazu noch langfristig vor Arbeitslosigkeit: Keine Berufsgruppe geht so spät in Rente wie Akademiker.

Achtung, Absolventen-Flut

Zurzeit studieren zwei Millionen junge Menschen in Deutschland - so viele wie lange nicht mehr. In den nächsten Jahren könnte die Zahl auf 2,5 Millionen steigen. Studenten, die in den kommenden fünf Jahren ein Studium beginnen, werden daher in überfüllten Hörsälen sitzen. Und auch danach auf dem Arbeitsmarkt wird es vorübergehend eng werden.

Das Gedränge hat verschiedene Gründe: Immer mehr Schüler machen Abitur. Weil in vielen alten Bundesländern die Gymnasialzeit verkürzt wird, erlangen in den kommenden Jahren gleich doppelte Jahrgänge die Hochschulreife. Zudem werden durch die neuen Bachelor-Studiengänge die Studenten schneller fertig. Nach nur sechs Semestern sollen sie heute die Hochschule verlassen und in den Beruf gehen. Welche Chancen sie mit dem neuen Turbo-Abschluss auf dem Jobmarkt haben werden, kann bisher allerdings kein Experte seriös beantworten.

Kleiner Trost: Von 2015 an werden sich Hochschulen und der Arbeitsmarkt allmählich wieder leeren. Es ist sogar ein Mangel an Fachkräften abzusehen, denn es werden mehr Akademiker in Rente gehen, als junge nachkommen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite, welche Studiengänge eine gute Berufsperspektive bieten.

Sehr unterschiedliche Berufsperspektiven

Eine Einschränkung gibt es: Zwischen den Fächern bestehen bei den Berufsperspektiven gewaltige Unterschiede. So haben viele junge Ingenieure bereits vor dem Abschluss einen Arbeitsvertrag in der Tasche. Auch Mathematiker und Physiker stehen ganz oben auf der Liste von Personalchefs. Bei Ärzten herrscht Vollbeschäftigung. Betriebs- und Volkswirte sind vielseitig, sie finden immer einen Job. Helena, 21, hat sich deshalb bewusst für ein Wirtschaftsstudium entschieden und gegen Lehramt, was sie ursprünglich vorhatte. Sie will "etwas Handfestes machen" und später gute Berufschancen haben.

Für Philosophie-Studenten wie Jonathan zählt vor allem die Welt der Gedanken - und dann der Beruf. Geisteswissenschaftler wie er brauchen meist länger für den Einstieg. Denn sie haben in der Regel kein klares Berufsziel. "Ich studiere nicht BWL oder Ingenieurwesen aus falschem Pflichtgefühl", sagt Jonathan, 22. "Mir macht mein Studium Spaß, ich finde es sinnvoll und ziehe das durch."

Nach ihrem Abschluss hangeln sich viele Geisteswissenschaftler von einer befristeten Stelle zur nächsten. Jonathan will Journalist werden und macht deshalb Praktika. Eine gute Möglichkeit Erfahrungen in der Praxis zu sammeln und Pluspunkte für den Lebenslauf.

Akademiker bereuen ihr Studium nicht

Auch Juristen haben seit Jahren Probleme beim Einstieg. Die Stellen in Top-Kanzleien sind rar, der Staat stellt immer weniger ein - aber der Andrang auf die Studienplätze ist nach wie vor enorm. Seit 1996 hat sich die Zahl der niedergelassenen Anwälte und Notare fast verdoppelt: von knapp 80.000 auf fast 150.000. Kritisch ist der Arbeitsmarkt auch für Architekten und Biologen. Sie absolvieren ein anspruchsvolles Studium, und stoßen dann auf einen Arbeitsmarkt der wenig attraktive Stellen bietet. Viele Architekten und Biologen müssen deshalb Abstriche hinnehmen: bei der Job-Sicherheit, beim Gehalt und bei der Position.

Trotzdem: Langfristig kommen die meisten Akademiker gut unter. Und sie sind zufrieden mit ihrem Werdegang: 90 Prozent würden wieder an die Uni gehen, so das Ergebnis einer Absolventen-Umfrage des Hochschul-Informations-Systems. Zwei Drittel würden auch wieder das selbe Fach studieren.

Spaß und gute Aussichten

Zwar hat sich das Studium verändert. Es wird mehr Wert auf Leistung gelegt. Und der Bachelor ist noch neu auf dem Arbeitsmarkt. Aber er wird sich durchsetzen. Denn in Zukunft wird es in vielen Fächern keinen anderen Abschluss mehr geben. Derzeit sind 75 Prozent aller Studiengänge umgestellt.

Und trotz der steigenden Arbeitsbelastung ist man im Studium immer noch freier als in einem normalen Job. "Mir macht mein Studium sehr viel Spaß. Ich habe viele neue Freunde an der Uni gefunden. Wahrscheinlich ist das gerade die beste Zeit in unserem Leben", sagt BWL-Studentin Helena. Auf jeden Fall ist es die beste Investition in die Zukunft.