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Branchenvergleich: Stellenmarkt bricht ein: So stark wirkt sich Corona auf die Zahl der Jobanzeigen aus

Eine Auswertung von Stellenanzeigen zeigt, in welchen Branchen der Jobmarkt am stärksten getroffen wird. Nur in einer Branche gibt es derzeit mehr Stellenangebote als vor Corona.

Die Gastronomie leidet besonders: Auch dieses Lokal auf dem Gelände des Holzmarktes in Berlin ist geschlossen

Die Gastronomie leidet besonders: Auch dieses Lokal auf dem Gelände des Holzmarktes in Berlin ist geschlossen

Die Corona-Krise trifft die deutsche Wirtschaft schwer. Nur Kurzarbeit und milliardenschwere Hilfspakete verhindern derzeit Massenentlassungen und Insolvenzen. Wer einen neuen Job sucht, für den ist die Situation besonders schwierig. Denn bei Neueinstellungen sind viele Unternehmen aktuell sehr zurückhaltend.

Die Job-Plattform Glassdoor hat untersucht, wie stark der Stellenmarkt in der Corona-Krise in welchen Branchen eingebrochen ist. Dafür verglich das Portal die Zahl der Stellenanzeigen am Stichtag 23. März mit der Situation einen Monat zuvor am 24. Februar. Da Glassdoor auch Jobangebote anzeigt, die auf anderen Portalen inseriert sind, sei ein Großteil der online verfügbaren Jobs in Deutschland berücksichtigt, heißt es in der Auswertung.

Reisebranche leidet, Supermärkte suchen Leute

Am verheerendsten ist die Job-Situation laut Auswertung in der Reise- und Tourismusbranche. Binnen eines Monats hat sich sie Zahl der offenen Stellen hier halbiert. In der Gastronomie gibt es ein Viertel weniger Stellenangebote, im Handel minus elf Prozent. "Die Anzahl der offenen Stellen hat über die letzten Jahre so gut wie immer und über alle Branchen im Schnitt zugenommen. Die Corona-Pandemie hat diesen Trend auf einen Schlag umgekehrt", kommentiert Felix Altmann von Glassdoor die Zahlen.

Einen Zuwachs an offenen Stellen gibt es derzeit einzig bei den Supermärkten, deren Mitarbeiter mit dem Einräumen der Regale kaum hinterher kommen. Weitgehend stabil ist die Lage zudem im Gesundheitssektor, wobei auch hier ein kleines Minus an offenen Stellen steht.

Tabelle: Stellenanzeigen in verschiedenen Branchen

Branche

Zahl der Stellen im März*

Veränderung zum Februar*

Supermärkte

32.168

+3,6%

Gesundheitssektor

41.648

-1,8%

Pharma & Biotech

17.026

-4,0%

Banking & Finanzen

15.121

-4,0%

Automobilindustrie

7.837

-4,8%

Baugewerbe

11.908

-5,4%

Tech

56.958

-7,4%

Handel

46.769

-11,1%

Gastronomie

4432

-25,9%

Reisen & Tourismus

4026

-48,9%

Quelle: Glassdoor; *Stichtage: 23. März und 24. Februar 2020

Insgesamt dürfte die tatsächliche Lage noch düsterer sein als es die Auswertung zeigt. Denn nur weil ein Jobangebot noch online ist, heißt das nicht, dass das Unternehmen die Stelle auch wie geplant besetzt. So mancher Job dürfte noch vor dem Corona-Lockdown ausgeschrieben und die Annonce vom Arbeitgeber einfach noch nicht wieder offline genommen worden sein, vermutet Glassdoor-Experte Altmann. Das ganze Ausmaß des Einbruchs auf dem Stellenmarkt würde dann erst verzögert sichtbar. "Die Talsohle ist noch längst nicht erreicht", vermutet Altmann.