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Arbeitswelt: Jeder Zweite wünscht sich 4-Tage-Woche - selbst wenn das viele Überstunden bedeuten würde

Mehr als jeder Zweite würde die Einführung einer 4-Tage-Woche begrüßen – selbst wenn das bedeutet, dass er an jedem anderen Tag deutlich länger arbeiten müsste. Auf Geld verzichten wollen dagegen deutlich weniger.

Vier Tage bis spät im Büro sitzen, um einen Tag mehr frei zu haben - viele würden das machen

Vier Tage bis spät im Büro sitzen, um einen Tag mehr frei zu haben - viele würden das machen

Getty Images

Nur vier Tage arbeiten, dann drei Tage Wochenende: Ausgerechnet im Workaholic-Land Japan testete Microsoft vergangenen August dieses Modell. Die Ergebnisse des einmonatigen Experiments: Zufriedenere Angestellte, geringere Strom- und Papierkosten - und eine massiv gestiegene Produktivität je Mitarbeiter. Ähnliches berichteten im Frühjahr auch neuseeländische Forscher, die die Auswirkungen der Vier-Tage-Woche bei einer Finanzfirma untersuchten.

Die Beispiele zeigen: Die Vier-Tage-Woche ist eines der heißesten Themen in der Diskussion um flexibles Arbeiten und "New Work". Für Arbeitnehmer ist die Vorstellung, bei gleichem Gehalt nur vier Tage arbeiten zu müssen, ohne Zweifel äußerst attraktiv. Allerdings: Dass Arbeitgeber in Deutschland ihren Beschäftigten einen freien Tag schenken, weil sie darauf vertrauen, dass die gleiche Arbeit in weniger Zeit erledigt wird, davon sind wir weit entfernt.

Die Jobsuchmaschine Indeed hat in ihrer diese Woche erschienenen "Meaning of Work"-Studie die Fragestellung daher etwas angepasst. Die 2042 Umfrageteilnehmer sollten die Frage beantworten: Was halten Sie von einer Vier-Tage-Woche, wenn die Wochenarbeitszeit gleich bliebe? Mit anderen Worten: Wer würde die Vier-Tage-Woche befürworten, wenn er sich den freien Tag durch Mehrarbeit an den übrigen Tagen erarbeiten müsste? Bei einer 40-Stunden-Woche würde das immerhin bedeuten, dass man von Montag bis Donnerstag je zehn statt acht Stunden arbeiten muss. Klingt ziemlich anstrengend.

Vier Tage länger arbeiten, drei Tage frei

Doch viele würden das in Kauf nehmen: Mehr als jeder Zweite (56 Prozent) würde sich lieber vier lange Tage zumuten als die gleiche Arbeitszeit auf fünf Tage zu verteilen. Nur 19 Prozent können sich das nicht vorstellen, 4 Prozent arbeiten eh schon reduziert, der Rest ist unentschieden. 

Am höchsten ist die Zustimmung zu diesem Modell bei den 35- bis 44-Jährigen (58 Prozent), am geringsten bei den 18- bis 24-Jährigen (51 Prozent Zustimmung). Das bedeutet, dass in jeder Altersgruppe eine (mehr oder minder knappe) Mehrheit den zusätzlichen freien Tag für so verlockend hält, dass er das nötige Überstunden-Opfer erbringen würde. Zumindest in der Theorie – wer die Wahl nach ein paar Wochen voller Zehn-Stunden-Tage wieder bereuen würde, weiß man natürlich nicht.

Nur jeder Vierte würde auf Geld verzichten

Sich den feien Tag zu erkaufen, indem man weniger arbeitet und dementsprechend auf Gehalt verzichtet, erscheint den Befragten dagegen weit weniger attraktiv. Nur 24 Prozent der Befragten können sich das vorstellen. Vor allem die ganz Jungen und die Alten wollen (oder können) nicht auf Geld verzichten: Nur 22 Prozent der Berufsanfänger würden für die Vier-Tage-Woche das Gehalt reduzieren (5 Prozent arbeiten sowieso weniger als fünf Tage), bei den Ü55-Jährigen sind es sogar nur 18 Prozent (6 Prozent arbeiten schon reduziert).