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Ausstieg aus der Sex-Branche: Vom Porno-Star zur Predigerin: Der Kreuzzug von Crissy Outlaw

Crissy Outlaw arbeitete sechs Jahre lang in der Porno-Industrie. In ihren besten Zeiten verdiente sie über 17.000 Euro im Monat. Dann erhielt sie ein Zeichen Gottes, wie sie sagt, änderte ihr Leben und zieht nun als Prediger um die Welt.

Crissy Outlaw heute als Predigerin und auf einem alten Wallpaper.

Crissy Outlaw heute als Predigerin und auf einem alten Wallpaper.

Ihre Predigten beginnt Crissy Outlaw mit einem Bekenntnis: "Hi, ich heiße Crissy und war ich ein Porno-Star." Früher war sie der Star in unzähligen Hardcore-Streifen, heute kämpft Chrissy gegen die Porno-Industrie. Die Branchenvertreter selbst erzählen gern die Geschichten von jungen, emanzipierten Frauen, die angeblich viel Spaß beim Sex vor der Kamera empfinden. Dem setzt Crissy in TV-Auftritten, Seminaren und Predigten ihre eigene Geschichte entgegen, die von Missbrauch und Selbsthass erzählt. 

Mit der "Daily Mail" sprach sie über ihre Wandlung. Lange Jahre fühlte sie eine Leere in sich, eine Leere so groß, dass sie sich wünschte "einfach zu sterben." "Ich kann immer noch nicht verstehen, warum ich Pornos gedreht habe", sagte sie dem Blatt. "Aber ich wollte auch keine Predigerin werden. Doch ich spürte den Ruf, den Menschen zu erzählen, warum ich diese Branche verlassen habe."

Als kleines Mädchen missbraucht 

Crissies Geschichte beginnt mit ihrer Kindheit - allein bei einem geschiedenen, strenggläubigen Vater. Als Kind sei sie unglaublich verwirrt gewesen, weil die Religion wollte, dass man sich von Sex fernhalte, während sie gleichzeitig von ihrem Vater sexuell missbraucht wurde. Seitdem sie vier Jahre alt war, führte der Vater perverse Jungfräulichkeitsprüfungen bei ihr durch.

Später suchte sie verzweifelt Liebe, Geborgenheit und Wertschätzung in ihren Beziehungen. Das ging immer schief, weil sie sich mit Männern einließ, die sie nur weiter missbrauchten. Die Männer erniedrigten sie , weil sie die Scheinwelt der Pornografie in der Realität erleben wollten.

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Sind Pornostar selbstbewusste und selbstbestimmte Frauen oder Opfer eines perfiden Systems?

Sie wollten den Männern gefallen

Das führte aber nicht dazu, dass Crissy diese Typen sausen ließ. Mit ihrer verdrehten Psyche wurde sie magisch von der Porno-Industrie gezogen, weil ihre von Pornos besessen waren und sie von der fixen Idee beherrscht wurde, den perversen Maßstäben dieser Kerle gehorchen zu wollen. "Ich war nie gut genug für die Männer, mit denen ich zusammen war. Ich fühlte mich nicht schön und begehrenswert, weil sie Pornos guckten, während sie Sex mit mir hatten."

Um für ihre Männern mehr nach Porno auszusehen, ließ sich die Brüste vergrößern. Damals hatte sie noch nicht einmal als Erotik-Model gearbeitet. "Ich fühlte mich so wertlos, dass ich die Porno-Industrie gewählt habe und mir sagte: 'Eines Tages bin ich eine von diesen Mädchen, die die sich auf dem Bildschirm ansehen.'"

Das war eine denkbar ungesunde Motivation für eine Karriere. Bei ihren ersten Shooting zitterte Crissy vor Angst. Alles fühlte sich an, wie der Missbrauch als Kind. "Das Gefühl von Gefahr hat mich erregt, weil ich eigentlich sterben wollte. So schlimm war ich damals drauf", gestand sie dem Blatt.

Spirale von Angst und Erfolg

Einerseits fühlte sie sich zutiefst erniedrigt, doch der Erfolg und das Glamourleben stärkten auch ihr Ego. Ihr Leben wurde eine Folge von tiefsten Downs und prickelnden Highs - für eine labile Person waren das die schlimmsten Voraussetzungen für eine wachsende Abhängigkeit. Sie stieg zu einem gut verdienenden Star der Branche auf, hatte eine eigene Webseite und posierte für angesehene Magazine wie den Playboy. Doch eines Nachts im Jahr 2006 brach sie in ihrem Haus zusammen und flehte das erste Mal, seitdem sie elf Jahre alt war, zu Gott und bat um ein Zeichen.

Damaskus-Erlebnis eines Porno-Stars

Am nächsten Tag kam das entscheidende Erlebnis – für Crissy ein Zeichen Gottes. Bei einem lockeren Treffen reichte ein Bekannter ihres Freundes ein Nacktbild seiner Frau herum - alle in der Runde machten obszöne Bemerkungen. Nur ein Mann wollte das Bild partout nicht sehen und sagt bestimmt, er würde niemals ein Bild seiner Frau so herumreichen. Diese Antwort erschütterte Crissy, die von ihren Männern anderes gewohnt war. Als sie dann noch erfahren musste, dass ihr damaliger Freund überall Pornobilder von ihr herum gezeigte hatte, brach sie beschämt zusammen. 

Am gleichen Tag hörte sie auf, Pornos zu drehen und trennte sich von ihrem Freund. In einer Kirchengemeinde lernte sie ihren jetzigen Mann, einen Pastor, kennen. Seitdem tritt sie auch als Predigerin auf. "Ich habe viele  Fehler gemacht, aber in die Porno-Industrie zu gehen, war der schwerste Fehler meines Lebens."

Neuanfang im gläubigen Umfeld

Während andere Ex-Stars der Branche klagen, dass der Ruf als nymphomaner Pornostar ihnen überall hin folge und jeden Neuanfang zerstöre, fiel ihr die Aufnahme eines normalen Lebens relativ leicht. Offenbar akzeptierte die Christengemeinde die Wandlung der bekennenden Sünderin eher als manch liberales Umfeld. 

Obwohl man ihre Auftritte als Kreuzzug gegen die Porno-Industrie verstehen kann und sie ihre Tätigkeit abrupt beendete, hat Crissy Outlaw nie versucht, ihre Vergangenheit ungeschehen zu machen oder zu leugnen. Ihre XXX-Webseite blieb nach dem Bruch noch viele Jahre online.

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