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«Reicht bei weitem nicht aus» Gewerkschaft sieht weiteren Verhandlungsbedarf mit der Bahn

Deutsche Bahn
Die Gewerkschaft EVG rückt vom vergangene Woche erreichten Verhandlungsstand bei den Tarifgesprächen ab. Knackpunkt sind Personalfragen. Foto: Silas Stein/dpa/Archivbild
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Absage an die Deutsche Bahn: Die Gewerkschaft EVG rückt vom vergangene Woche erreichten Verhandlungsstand bei den Tarifgesprächen ab. Knackpunkt sind Personalfragen.

Rückschlag bei den Tarifverhandlungen zwischen Deutscher Bahn (DB) und der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG): Die zuständigen Tarifkommissionen der Arbeitnehmerseite haben dem vergangene Woche erreichten Verhandlungsstand ihre Zustimmung verweigert.

Knackpunkt seien dabei die von der Bahn zugesagten Personalzahlen im Rahmen ihrer Einstellungs- und Ausbildungsoffensive, teilte die Gewerkschaft am Montag mit.

«Die Einstellungszahlen, die uns bislang vorgelegt wurden, reichen bei weitem nicht aus», teilte EVG-Verhandlungsführer Kristian Loroch am Freitag mit. «Wenn die DB AG glaubt, ein verbales Bekenntnis zur Einstellungs- und Ausbildungsoffensive reiche aus, um die im "Bündnis für unsere Bahn" eingegangenen Verpflichtungen zu erfüllen, dann hat sie sich gewaltig getäuscht.»

Die Konzernseite reagierte mit Unverständnis. «Seit vier Monaten wird mit viel Geduld verhandelt und jetzt fünf Zentimeter vor der Ziellinie werden in der größten Wirtschaftskrise der deutschen Nachkriegsgeschichte bisherige inhaltliche Einigungen in Frage gestellt und Nachschläge gefordert», teilte eine Bahn-Sprecherin mit. «DB und EVG waren mit dem Tarifpaket inhaltlich durch.»

Tatsächlich hatten beide Seiten sich vergangene Woche in wichtigen Fragen verständigt. Dazu zählte aus Sicht der Deutschen Bahn, dass die Löhne zum 1. Januar 2022 in Höhe des Inflationsausgleichs moderat zwischen mindestens 0,5 und maximal 1,5 Prozent steigen sollen. Zudem war eine Laufzeit von 24 Monaten bis Ende 2023 vorgesehen. Betriebsbedingte Kündigungen als Folge der Corona-Krise sollten ausgeschlossen werden.

Die EVG forderte nun eine Lohnerhöhung von 1,5 Prozent und peilt damit das obere Ende des Korridors an. Zudem erneuerte die Gewerkschaft ihre Forderung, so viele Arbeiten wie möglich im Konzern zu halten und nicht an Dienstleister auszulagern.

Die Bahn hatte in der Corona-Krise hohe Verluste eingefahren, für die der Bund mit mehreren Milliarden Euro einspringt. Allerdings muss der Konzern auch sparen - unter anderem beim Personal. Im Mai hatten Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der Vorstand der bundeseigenen DB AG, die EVG und der Konzernbetriebsrat im «Bündnis für unsere Bahn» vereinbart, es solle keinen Stellenabbau geben und auch kein Ende der laufenden Einstellungsoffensive.

Bei den Tarifverhandlungen geht es darum, wie sich dennoch Personalkosten in Höhe von zwei Milliarden Euro bis 2024 senken lassen. EVG und die DB AG hatten ihre eigentlich für das Frühjahr 2021 vorgesehenen Tarifverhandlungen daher vorgezogen.

dpa

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