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Lebensmittelhandel Discounter mit Problemen: Wie Aldi 2022 die Krise hinter sich lassen könnte

Aldi
Aldi könnte 2022 aus der Krise kommen, glauben Experten. Dafür müssten wieder deutlich mehr Kunden in die Filialen kommen.
© Picture Alliance
In den Krisenjahren 2020 und 2021 waren es die Supermärkte mit großem Markensortiment, die punkten konnten. Auch Lidl profitierte. Aldi hingegen verlor Umsatz und Marktanteil. Das könnte sich 2022 ändern.

Die Corona-Jahren waren nicht leicht für Deutschlands größten Discounter. Zwar steuerten die Kunden auch Aldi an, doch die satten Zuwächse konnten die Vollsortimenter, also Rewe oder Edeka, erzielen. Die "Lebensmittelzeitung" urteilte, dass das "Corona-Jahr 2020" nur "die Schwächen des Discounters überdeckt" hätte und "Aldi den Anschluss verliere". Gründe, warum Kunden ausgerechnet in der Krise hochpreisiger eingekauft haben, gibt es einige. So wurden die Einkaufsaktivitäten eingedampft: Statt in zig verschiedene Läden zu gehen, wurde der Einkauf in einem Markt gebündelt, um Kontakte zu reduzieren. Von dieser Taktik profitierten die Märkte mit großem Marken-Sortiment. Doch auch Lidl konnte (zumindest bei den Marktanteilen) in den Krisen-Jahren punkten. 

Das Jahr 2021 lief nicht viel besser für Aldi, urteilten die Experten der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK). Ein Minus von einem Prozent musste der Discount-Bereich hinnehmen. Ein herbes Ergebnis, wenn man bedenkt, dass auf der einen Seite Restaurants Anfang des Jahres geschlossen waren und so deutlich mehr im privaten Umfeld gegessen wurde und zudem viele Menschen noch in Kurzarbeit waren - und lieber preisgünstig eingekauft haben. Laut der "LZ" soll Aldi rund vier Prozent unter den Vorjahresumsätzen liegen. Auch der Marktanteil reduzierte sich. Bedenkt man, dass sich Aldi derzeit in einer milliardenschweren Transformation befindet, in der die Schwester-Discounter Aldi Nord und Aldi Süd auf den operativen Ebenen zusammenrücken, könnte man für das kommende Jahr erneut schwache Zahlen erwarten.

Aldis Umbau kostet Geld und Zeit

Kritiker bemängeln, dass sich der Marktführer in der aktuell schwierigen Zeit zu sehr mit sich selbst beschäftige. Filialen modernisieren, Geschäftsmodell nachjustieren, Geschäftssitze in Essen und Mülheim ausbauen. Die Kosten für den Konzernumbau sollten durch ein kräftiges Umsatzwachstum abgefedert werden. Dann kam Corona. Das Wachstum blieb aus. Ziemlich trübe Aussichten, könnte man befürchten.

Doch offenbar zeigen sich die ersten Indizien für eine Trendumkehr. "Wir sind zuversichtlich, dass wir uns im kommenden Jahr Marktanteile zurückholen können", sagt Alexander Lauer, Bevollmächtigter des Verwaltungsrats von Aldi Nord, zur "Lebensmittelzeitung". Und tatsächlich zeigten sich bereits in den letzten Wochen des Jahres 2021 Veränderungen: "Erstmals ziehen die Discounter im November mit einem Umsatzplus von 3 Prozent wieder mit den Supermärkten gleich", berichtet das "LZ". Betrachtet man den Vorjahresmonat, sind die Wachstumsverschiebungen auffällig: Wuchsen die Vollsortimenter wie Rewe, Edeka und Co. noch um zehn Prozent, legten die Discounter gerade mal um ein Prozent zu. Zum Hintergrund: Im November 2020 verabschiedete sich Deutschland gerade in einen erneuten Lockdown, der monatelang Bestand haben sollte.

Kunden werden preissensibler

Robert Kecskes, Director Shopper Insights bei der GfK, will diese Entwicklung noch nicht als Trend bewerten. Andere Branchenexperten sehen das anders: Sie glauben, dass in diesem Jahr die Kunden deutlich stärker auf den Preis achten werden. Das hängt nicht nur mit der Pandemie zusammen. Auch die hohe Inflation macht die deutschen Verbraucher preissensibler. "Viele Verbraucher sind nach wie vor sehr preisbewusst, sodass der Preis wesentlich zur Kaufentscheidung beiträgt", sagt Gerd Chrzanowski, der Chef der Schwarz-Gruppe zur "LZ". Das Ergebnis könnte sein, dass die Schlacht mit wöchentlich wechselnden Angeboten und Rabattaktionen geschlagen wird. Aldi hatten in der Vergangenheit eher auf Dauerniedrigpreise gesetzt und die Rabattschlacht der Konkurrenz überlassen. Doch diese Zeiten sind vorbei, auch der Discounter wirbt mit günstigen Angeboten, gerade für Aktionsware wie Spielzeug, Elektronik oder Heimtextilen sowie rabattierter Markenware. 

Doch wer kann in Pandemiezeiten wirklich punkten? Laut einer Umfrage der Strategieberatung Oliver Wyman, setzen Verbraucher auf zwei wesentliche Punkte: Gute Erreichbarkeit der Läden und gute Auswahl an Produkten. Der Punkt "Preis" wurde erst an vierter Stelle genannt. Allerdings: Die Befragung wurde im Oktober 2021 veröffentlicht. Zwar konnten die Vollsortimenter zum Weihnachtsgeschäft punkten, da zum Fest Verbraucher traditionell nicht so sehr aufs Geld achten. Doch die sicht- und spürbare Verteuerung von Lebensmitteln verunsichert zunehmend. "Lebensmittel dürfen nicht zum Luxusgut werden. Gerade angesichts einer wachsenden Inflation und stark steigender Energiekosten achten die meisten Menschen immer mehr auf den Preis", sagt Edeka-Vorstandschef Markus Mosa zu "LZ".

Das könnte Aldi in diesem Jahr weit nach vorne bringen. "Die Kunden waren zwar zuletzt weniger preissensibel, aber das wird sich wieder ändern", gibt sich auch Alexander Lauer von Aldi Nord selbstbewusst. Auch das Schwester-Unternehmen aus dem Süden erwartet laut "LZ", "dass das einfache und schnelle Einkaufen bei Aldi bald wieder verstärkt in Angriff genommen wird". Sollten die Preise für Lebensmittel weiter ansteigen, könnten die Discounter - und somit Aldi Nord und Süd - als Profiteure 2022 im Markt punkten. Laut dem Statistischen Bundesamt steigen die Verbraucherpreise im Lebensmittelbereich seit dem Sommer 2021 kontinuierlich an, aktuell liegt das Plus 4,5 Prozent. 

kg

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