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"Gegenteil von einfach": Neues Aldi-Logo: Design-Profis erklären, was daran alles falsch ist

Das Marketing-Fachblatt "Horizont" hat acht Design-Experten befragt, was sie vom neuen Aldi-Logo halten. Das Urteil ist vernichtend. Kern der Kritik: Das Logo passt noch weniger zur Marke als das alte.

Vergleich von altem und neuem Logo von Aldi Süd

Das alte Logo von Aldi Süd (links) stammt aus dem Jahr 2006 und basiert auf einem Design von 1982. Das neue soll bald weltweit zum Einsatz kommen.

Vergangene Woche gab der Discounter Aldi bekannt, weltweit ein neues Unternehmenslogo einzuführen. Dabei handelt es sich nicht um ein komplett neues Design, man will schließlich keine Stammkunden vor den Kopf stoßen. Das bekannte Logo bekomme vielmehr "einen neuen Anstrich, der zu einem zeitgemäßen und zukunftsfähigen Auftritt der Unternehmensgruppe Aldi Süd beitragen soll", wie der Konzern erklärte.

Wenn eine so bekannte Marke wie Aldi sein Logo überarbeitet, gibt das automatisch Raum für Diskussionen, ob es sich dabei um einen gelungenen Wurf handelt. Das Marketing-Fachblatt "Horizont" hat daher acht Design-Profis deutscher Kreativagenturen gefragt, was sie von dem neuen Aldi-Logo halten. Das Urteil fällt wenig schmeichelhaft aus. Sieben der acht Experten sehen in dem Relaunch einen Reinfall, nur einer kann sich zu einer mittelmäßigen Bewertung durchringen. 

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Logo passt nicht zur Aldi-Botschaft

Für die meisten Experten ist das Logo weder modern, noch spiegelt es den Markenkern von Aldi angemessen wider. "Einfach ist mehr", wirbt Aldi derzeit offensiv in TV-Spots und auf Plakaten, doch beim Logo hat man den eigenen Slogan nicht ernst genug genommen, so die Kritik. "Aldi verspricht das Prinzip Einfachheit. Das Logo mit seinen vielen einzelnen Elementen, Farben und jetzt auch Effekten ist das Gegenteil von einfach", sagt etwa Heiko Dertinger, Geschäftsführer bei der Münchner Markenberatung Brandoffice.

In die gleiche Kerbe haut Jürgen Siebert, Marketing-Director der Berliner Agentur Monotype: Das neue Logo sei "alles andere als einfach", sondern "überladen mit Farben und Effekten". Sieberts vernichtendes Fazit: "Das neue Logo drückt all das aus, was Aldi Süd nicht ist und nicht sein will."

Auch Holger Wiesenfarth, Geschäftsführer Kreation der Werbeagentur Bloom, spricht von einer vertanen Chance. Der Rahmen um das stilisierte blaue "A" sei zwar gestrichen geworden, aber alle übrigen Rahmen beibehalten, und zudem 3D-Optik und Farbverlauf hinzugefügt worden. "Inwiefern das neue Logo für das Prinzip der Einfachheit stehen soll, erschließt sich einem mitnichten."

"3D-Look im Stil der 80er"

Die von Aldi angestrebte Zukunftsfähigkeit können die Design-Experten nicht erkennen. "Farbverläufe, runde Ecken und grafische Effekte - das ist nicht weiterführend, sondern überfrachtet", sagt Christine Lischka, Geschäftsführerin von Serviceplan Design. Einen "3D Look im Stil der 80er" erkennt Annika Kaltenthaler, Creative Director der Designagentur Zeichen & Wunder, in dem Re-Design. "Insgesamt finde ich das vorige Logo fast zeitgemäßer als das neue. Schade drum!" Und auch Laurent Lacour von der Frankfurter Designagentur Hauser Lacour wundert sich über das dreidimensionale Design, während Marken wie Audi, Google, Rewe oder Mini "schon längst wieder zur Einfachheit zurückkehren und sich mit einer zweidimensionalen Marke auf ihre Wurzeln zurückbesinnen".

Als einziger der von "Horizont" befragten Experten kann Olaf Schroeter von der Berliner Markenagentur MetaDesign dem neuen Logo mehr Positives als Negatives abgewinnen. Nach seinem Geschmack hätte Aldi zwar noch mehr weglassen können, dennoch wirke das Logo nun "deutlich aufgeräumter und weniger komplex". Die 3D- und Farbeffekte sieht Schroeter als Zugeständnis an den chinesischen Markt und das dortige Stil-Empfinden. China ist laut Aldi Süd auch das erste Land, in dem das neue Logo bereits zum Einsatz kommt. 

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