HOME

Test mit Mehrweg: Warum Aldi Süd Glasflaschen ins Sortiment nimmt

Es ist zunächst ein Test: Aldi Süd verkauft in rund 50 Filialen Bier und Wasser in Mehrwegflaschen aus Glas. Damit reagiert der Discounter auf eine mögliche gesetzliche Regulierung. Und auch die Anti-Plastik-Stimmung bei den Kunden lastet auf Aldi Süd.

Bier im Supermarkt

Supermärkte verkaufen Bier in Glasflaschen. Auch Aldi-Süd startet nun einen Testlauf und nimmt Mehrweg-Bierflaschen ins Sortiment.

Picture Alliance

Aldi-Süd experimentiert mit dem Verkauf von Bier und Wasser in Mehrwegflaschen aus Glas. In den Regionen Eschweiler und Bingen verkaufen nun 50 Filialen auch Glasflaschen. Bislang ist das Sortiment überschaubar, berichtet die "Lebensmittelzeitung": Früh Kölsch, Bitburger, Krombacher und Mineralwasser von Gerolsteiner werden angeboten.

Ganz freiwillig scheint dieser große Schritt nicht zu sein. Der Gesetzgeber macht Druck beim Thema Mehrwegverpackungen, denn die geforderte Quote dieser Verpackungen von 70 Prozent wird mittelfristig kaum erreicht. Politische Sanktionen scheinen durchaus möglich. Das würde Einwegflaschen für den Handel deutlich unattraktiver machen. 

Aldi testet Mehrwegflaschen aus Glas

Also wagt Aldi Süd diesen Vorstoß. Dabei sei die Belieferung mit Mehrwegflaschen gar nicht das Problem, so ein Experte zur "LZ". Die Rücknahme sei die große Herausforderung - und macht das ganze Verfahren sehr teuer für die Discounter. Denn anders als bei PET-Flaschen hängt an der Verwendung von Mehrweg ein ganzer Kreislauf für die Wiederbenutzung. 

Und genau dieser wollten die Discounter seit dem Start des Flaschenpfands ab 2003 aus dem Weg gehen. Damals wurde das Bier vor allem in Dosen verkauft. Kurz vor dem Start des Pfandsystems verramschten die Billig-Supermärkte ihre Dosenbestände, um sich dem zu entziehen. Bis heute verkaufen die Discounter ihr Bier in PET-Flaschen - eine direkte Reaktion auf das Flaschenpfand. Nun könnte auf politischen Druck das System hinfällig werden.

Laut der "LZ" lohnt sich der Kauf von Bierkisten bei Aldi Süd nur bedingt. Wer wöchentlich auf die Angebote der Konkurrenten achtet, zahlt meist weniger. Die 20er-Kiste Bitburger wird für 11,60 Euro verkauft, Früh Kölsch kostet 14,80 Euro. Für den 6er-Kasten (1-Liter-Flaschen) von Gerolsteiner werden 4,99 Euro fällig. Allerdings könnte Aldi so Kunden locken, die ihr Bier bislang nicht aus PET-Flaschen trinken wollten.

Kunden kaufen weniger Plastikflaschen

Der Schwenk zu Glasmehrweg könnte auch einem veränderten Kundenwunsch geschuldet sein. Denn das Segment konnte im vergangenen Jahr zulegen, während Plastikflaschen dagegen deutlich verlieren. Das hat großen Einfluss auf die Discounter, die bei Getränken auf Plastik gesetzt haben. Da Bier und Wasser in hoher Frequenz gekauft werden, haben diese Getränkesorten einen wichtigen Einfluss auf die Umsätze. 

Fakten über den Discounter-Riesen: So tickt der Aldi-Konzern

Klar ist, dass auch die Konkurrenz diesen Schritt von Aldi Süd genau beobachten wird. Lidl und Netto haben schon seit Längerem Mehrweg-Getränke im Angebot. Netto betont regelmäßig, das größte Mehrweg-Angebot in Deutschlands Discountern zu verkaufen. Rund die Hälfte des Getränkeangebots steht in Mehrwegflaschen in den Filialen.

Für Aldi Süd wird die Umstellung teuer und schwierig. Wie die "LZ" berichtet, ist der Testlauf noch recht provisorisch. Statt Rücknahmeautomaten stehen an den Kassen leere Kisten, um die Flaschen zurückzunehmen.

Lesen Sie auch:

Aldi Nord testet Lieferservice - allerdings nur für wenige Produkte

Discounter als Vermieter - so teuer sind die Wohnungen bei Aldi

Aldi Nord und Aldi Süd rücken weiter zusammen

Wie Aldi Nord 2018 in die Krise rutschte - und selbst daran Schuld ist

Diese Probleme machen Aldi Nord schlechter als Aldi Süd

kg