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Apotheker am Pranger: Der dreiste Betrug mit gefälschten Rezepten

Eine Ärztin, ihr Liebhaber und ein Apotheker sind angeklagt, weil sie mit einem ausgebufften Betrugstrick 1,6 Millionen Euro ergaunert haben. Es ist nicht der erste Fall dieser Art: Immer wieder landen Apotheker wegen Betrugs vor Gericht.

Apotheker: Wie Betrug funktioniert

Die dreiste Masche der Apotheker

Ein Trio aus Frankfurt am Main hat sich einen ebenso lukrativen wie ausgebufften Trick einfallen lassen, um gleich doppelt abzukassieren. In neun Monaten ergaunerten eine Ärztin, ihr Lebensgefährte und ein Apotheker so rund 1,6 Millionen Euro. Die Medizinerin stellte Rezepte über teure Medikamente aus - ohne, dass die Patienten, auf deren Name das Rezept ausgestellt wurde, davon wussten. Ihr Liebhaber fuhr diese zu einer Apotheke. Dort erhielt der Apotheker die Rezepte und gab dem Kurier andere - und zwar deutlich günstigere - Medikamente als auf den Rezepten angegeben, berichtet die "Welt". Der Kurier verkaufte die Medikamente dann weiter, der Apotheker rechnete die teuren Arzneien ab und strich die Differenz ein. Inzwischen sind die Apotheker und der Liebhaber angeklagt, die Ärztin ist flüchtig und wird international per Haftbefehl gesucht.

Milliarden für Medikamente

Der aktuelle Fall zeigt, wie anfällig offenbar das System aus Krankenkassen, Apothekern und Versicherten für Betrügereien ist. Das liegt an den enormen Ausgaben, die in diesem Bereich getätigt werden. Im vergangenen Jahr gaben die gesetzlichen Krankenkassen laut vorläufigen Schätzungen rund 35 Milliarden Euro für Arzneimittel aus. Laut Experten, so schreibt die "Welt", seien vor allem Apotheker die schwarzen Schafe des Systems und schädigten dieses stärker als andere Akteure.

Krankenkassen ermitteln gegen Apotheker

Bei der KKH Kaufmännische Krankenkasse ermittelt sei Jahren ein spezielles Team gegen Betrügereien. 2014 entstand der Krankenkasse durch illegale Praktiken der Leistungserbringer ein Gesamtschaden von 1,1 Millionen Euro. Zwar waren Apotheker nicht die größte Berufsgruppe, die in dem Betrugsbericht auftaucht - aber sie verursachte die höchste Schadenssumme. Knapp 378.000 Euro Schaden entstanden der KKH durch falsche Abrechnungen der Apotheker, berichtet die "Deutsche Apotheker-Zeitung". Ähnlich wie im aktuellen Fall seien so genannte "Luftrezepte" dafür verantwortlich. Ein Jahr zuvor belief sich der Schaden der Krankenkasse sogar noch auf 2,1 Millionen Euro, 1,6 Millionen Euro Schaden entstand allein durch Apotheker. Insgesamt ermitteln die Krankenkassen in Deutschland einen jährlichen Schaden durch Apothekenbetrug von rund 16 Millionen Euro, berichtet die "Welt".

Apotheker vor Gericht

In den vergangenen Jahren wurden immer wieder Apotheker für ihre Betrugsmasche verurteilt. So mussten zwei Mainzer Pharmazeuten Anfang 2015 eine fünfstellige Geldsumme zahlen, weil sie selbst Medikamente aus Arzneimitteln, die nicht in Deutschland zugelassen sind, zusammengeschustert hatten. Der Schaden für die Krankenkassen hatte sich auf rund 380.000 Euro belaufen, berichtet die "Deutsche Apotheker-Zeitung". 2011 stand ein Berliner Apotheker vor Gericht, bei dem HIV-Patienten - deren Medikamente extrem teuer sind - ihre ausgestellten Rezepte verkaufen konnten. Der Apotheker rechnete die bis zu 3000 Euro teuren Rezepte mit der Kasse ab und zahlte den Patienten davon einige hundert Euro aus, berichtet die "taz". Insgesamt entstand den Krankenkassen ein Schaden von knapp elf Millionen Euro.